Vergleiche zu meine (Un)gunsten

Meine größte Schwäche ist ja immer noch das Vergleichen. Und ich verlgeiche auch nur da, wo es für mich Sinn macht und es mit keinerlei Anstrengung verbunden ist, das Gleiche evlt. zu erreichen.

 

Du wirst in meiner Gedankenwelt keine Verlgeiche mit Menschen finden, die schneller, besser, sportlicher sind als ich. Ich bin ja nicht doof. Um die zu erreichen, müsste ich meinen Poppes ein Stückchen weiter hochheben und noch mehr schwitzen. Pah, da hab ich keine Lust drauf!

Das läuft dann zum Beispiel so ab. Wir sitzen im Auto, irgendwo in Südtirol und fahren mit offenem Cabrio so eine wahnwitzige, kurvenreiche Strecke den Berg hoch. Immer wieder überholen wir dabei Menschen mit gestählten Waden, die mit scheinbarer Leichtigkeit den Berg auf ihren Rennrädern hochtrampeln.

 

Mein Schatz: boah, ist das nicht toll. Und der scheint älter zu sein als ICH. (das ärgert ihn immens, wenn jemand älterer, fitter ist wie er)

 

Ich: Wahnsinn, wie die das machen. Geil, die sind echt gut drauf!

 

Mein Schatz: Ja, aber der war Älter als ich! Ich bin überhaupt nicht mehr fit!

 

Ich: Mei, du wirst halt auch nicht Jünger. Passt doch, so fit wie du bist. Muss doch nicht jeder Passstrecken hochradeln können.............

 

Das geht über Minuten so und mein Schatz ist irgendwann ein wenig frustiert, weil ihn ein älterer Mensch begnet ist, der fitter ist als er.

 

Bei mir ist das ja so. Wenn uns beim Wandern früher Menschen überholt haben, egal ob älter, gleichalt oder jünger .... dann hab ich mir nur insgeheim und ganz allein für meine desolate Fitness geschämt. Aber sie waren nie eine Messlatte für mich, jetzt schneller zu werden. Schneller bin ich im Laufe der Jahre von alleine geworden. Da war die große Abnahme, das ständige trainieren .... aber nie mit dem Ziel im Vordergrund, das ich jetzt besser oder schneller werde.

 

Irgendwann in diesem Sommer habe ich dann bemerkt, das ich nun wirklich viel schneller bin. Und ich inzwischen auch immer wieder andere (auch jüngere) Menschen beim Wandern in die Tasche stecken kann. Das g´freit mich natürlich unbändig. Und wenn ich die gerade am überholen bin, dann leg ich absichtlich für viele Meter noch einen Zahn zu (egal wie steils grad hochgeht und wie sehr ich schnauf), damit die denken, ich bin die absolute Sportsmaus. ;-) Da messe ich mich gerne, weil ich eh schon besser bin. An denen, die mich beim Wandern immer noch in deren Tasche stecken, da lass ich das vergleichen sein. Das macht keinen Spass!

 

Jetzt bin ich aber abgekommen, von dem wo ich eigentlich hin wollte.

 

Ich vergleiche gerne beim Essen - Früher wie Heute! Und du darfst mir glauben, ich vergleiche da echt punktuell und so wie es mir am gemütlichsten erscheint.

 

Ich hatte vor vielen Jahren eine Arbeitskollegin, die hat sich immer damit gebrüstet, das sie jede Nacht zum Kühlschrank maschiert und eine komplette Tafel Schokolade verputzt. Ich konnte das immer gar nicht glauben, den die war schlank. Ich dachte mir nur immer: die ganz Schokolade essen und wird nicht dick und ich berühr das Staniolpapier drumherum und die Waage schlägt aus. Wie gemein!

 

Was ich nicht sehen wollte: ich habe sie die ganze Zeit nie Essen sehen! Während wir es uns bei der Mittagspause schmecken liessen, saß die Kollegin mit einem Pott Kaffee und ihren Zigaretten daneben. Von einem anständigen Mittagessen keine Spur. Ab und zu hatte sie mal ein paar Rippen Schokolade dabei, aber KEIN Mittagessen. Das die trotz täglicher Schokolade nicht zunimmt, das ist mir jetzt auch klar. Den die hat ansonsten so gut wie nichts gegessen!

 

In meinem Hirn lief aber ein anderer Film: Boah, die kann essen was sie will, sogar Schokolade. Und die wird einfach nicht dick.

 

 

Eine andere Kollegin, ein ganz zierlicher Spatz, hat auch immer davon gesprochen, wie viel sie essen kann. Irgendwann kamen wir auf Kartoffelpüree aus der Packung zu sprechen.

Und sie so: ich kann da eine ganze Menge davon verdrücken.

 

Hm, ich guck sie zweifelnd an, weil die Kollegin Größe 34 trägt und ich mit meiner 52 neben ihr wie ein unmotivierter Walroß rüberkomme. Ich gebe dann schuldbewußt zu: ich kann ja leider eine komplette Tüte von dem angerührten Pürree alleine essen, als vollwertige Mahlzeit.

 

Da guckt sie mich ungerührt an und meint: ja, das mach ich auch!

 

Hä?!?!?, wo passt das den bitteschön in dich rein, war meine Frage.

 

Das ist noch nicht mal zwei Jahre her, das Gespräch. Zwischenzeitlich war ich auch schon das ein oder andere Mal bei ihr, Mittagspause machen. Sie hat immer was Süßes rumstehen und sie isst auch immer etwas Süßes - jeden, einzelnen verdammten Tag! ABER, sie isst wie ein Spatz. Nur weil sie bei Kartoffelpürree alle Schranken vergisst, tut sich das noch lange nicht bei den anderen Sachen. Unterdessen ich vor meiner OP Mittags die Doppelscheibe belegtes Brot und anschließend noch einen Jogurt oder sonst etwas gegessen habe, hat sie nicht mal das halbe, belegte Brot aufgegessen. Der anschliessend geöffnete Jogurt landete auch zur Hälfte wieder im Kühlschrank.

 

Anschliessend haben wir uns beide durch den Nachmittag genascht. Der Unterschied: sie hat vielleicht 2 oder 3 mal zugelangt, ich hatte meine Finger 2 - 3 mal pro Stunde in der Naschschale.

 

Das konnte und wollte ich nicht sehen. Alles was ich sah, war: sie kann naschen und isst eine ganze Tüte angerührtes Kartoffelpürree auf einmal und bleibt eine zierliche Größe 34. Wie ungerecht kann das Leben den sein.

 

Heute weiß ich, wenn eine schlanke Freundin neben mir sitzt und wir essen gehen, dann isst sie in der Tat in meinen Augen normal. Und ich denke mir dann nicht mehr: boah, die isst soviel wie ich und ist trotzdem schlank. Heute weiß ich: die Freundin isst zu Hause im Alltag wahrscheinlich deutlich weniger, als jetzt gerade! Sie hat Ausnahmetag, die wirklich nur Ausnahmetage sind. Ich hatte tägliche Ausnahmetage und zwar jeden einzelnen Tag!

 

Ich vergleiche mich auch Heute noch und zwar immer noch so punktuell und zu meinem (un)gunsten. Nur denke ich heute eher darüber nach. Warum ist der Mensch trotzdem so schlank, obwohl er, wenn wir zusammen sind, immer soviel isst.

 

Inzwischen habe ich gelernt zu hinterfragen. Allein, ich hinterfrage nicht jedes Mal. Aber mir ist inzwischen klar: die Menschen die in meinem Beisein soviel essen, die essen im Alltag anders. Die sparen das irgendwo wieder ein oder sie bewegen ihren Arsch einfach deutlich mehr als ich.

 

Klar gibt es Menschen, die haben von Natur aus einen schlechteren Grundumsatz. Das steht außer Frage. Aber damit muss man sich zum Glück ja nicht abfinden. Hier kommt wieder das verhasste Krafttraining ins Spiel, wo einem dann um die Ohren geworfen wird: das man als Frau um Himmels Willen keine Muckis will. Das ist nicht mehr fraulich! Puh, bis Frau Muckis für die Allgemeinheit sichtbar antrainiert hat, da vergehen Jahre harten Trainings und eine krasse Ernährungsumstellung. Die normale Frau von nebenan, die wird mit Sicherheit von 2 mal herausfordernden Trainings in der Muckibudi keine Muskelberge bekommen. Schade aber auch, als Dank dafür erhält sie aber einen strafferen und wohldefinierteren Körper und Muskeln, die den Grundumsatz erhöhen. Das ist kein schlechter Deal, den man da für ein bisschen Training bekommt.

 

Ich selbst bin jetzt gespannt, wie sich das Halten in der Arbeit ergibt. Nach über 13 Monaten Arbeitspause steige ich wieder ein. Mein Schlauchmagen ist nicht wirklich Berufserprobt bisher, da ich schon wenige Arbeitswochen nach OP lahmgelegt wurde.

 

Ich will sehen, wie ich das in meinem neuen Arbeitsumfeld unterbekommen, ohne das meine Kollegen mitbekommen, das ich anders esse. Dafür habe ich mir schon Horden an Eiweißriegeln gekauft und selbst gemacht. ChickenJerky wurde auf Vorrat gedörrt und gutes Essen portionsweise eingefroren. Keine Ahnung, ob da das "zwischendurch mal kurz etwas Essen" erlaubt ist oder ob man das nicht so gerne sieht. Ich werde sehen und werde mich entsprechend bevorraten.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0