Neues von der Schokosucht-Front

Es ist und bleibt ein immerwährender Krampf mit dem Kampf!

 

Habe mich gestern das erste Mal seit Jahren wieder in die Küche gestellt um einen Kuchen zu backen. Ich bin nicht ganz so die Backfee bisher. Mein Ofen gibt nicht alles, so wie ich will.

 

Aber gut, mein Neffe hat für heute das erste Mal alle seine Tanten (bin ja eh nur ich) und seine Onkels inkl. Anhang eingeladen. Da wollte ich ausnahmsweise mal nicht mit leeren Händen dastehen und habe mich an daran erinnert, das der Macadamia-Schokokuchen damals ziemlich lecker war.

Bisher konnte ich Schokolade seit meiner OP ja überhaupt nichts mehr abgewinnen und habe sie immer ganz legere links liegen gelassen. Gestern Abend beim schmelzen der Vollmilchschokolade habe ich mir ein Rippchen gegönnt. Beim abschliessenden Schokoguss-Überzug hätte ich mich am liebsten mit dem Gesicht auf den Kuchen gesetzt, soviel Schmacht hatte ich nach der braunen Zucker-Fett-Mischung. Ich musste mich echt zusammenreißen.

 

Nach dem die Glasur ausgekühlt war, habe ich ganz schnell alles für Heute verpackt und den Teller, auf dem ich den Kuchen während des Glasierens gestellt hatte, ohne weiteres naschen abgespült.

 

Die Schokosucht ist wieder da und es hilft nur, so Sachen überhaupt nicht ins Haus zu lassen. Jetzt habe ich hier noch eine halbe Tafel Vollmilch im Kühlschrank liegen, weil ich für den Kuchen nur 50 gr. gebraucht habe. Das heißt für mich ständiges Verlangen und dagegen ankämpfen. Dazu muss ich die Schokolade nicht mal vor Augen haben, es reicht das Wissen darum, das sie hier ist.

 

Keine Ahnung ob das jetzt funktioniert oder die Schokolade danach nicht mehr zu gebrauchen ist. Sie ist jetzt in Rippchen zerteil im Gefrierschrank gelandet. Und zwar auch noch ziemlich weit hinten verstaut, so das sie mir nicht ständig über den Weg läuft.

 

In ein paar Tagen will ich den gleichen Kuchen noch mal backen, für die neue Arbeitsstelle als Einstand. Dann ist das Suchtmittel wieder außer Haus und aufgebraucht.

 

Aber ich merke immer wieder, das die Sucht an allen Ecken und Enden bei mir lauert. Und ich merke immer wieder, das ich des dagegen Ankämpfens müde bin.

 

Vor ein paar Tagen war ich zum Bespiel sehr schlecht organisiert und mit Frühstücken habe ich es ja eh nicht so. Kurz vor der Verhaltenstherapie habe ich dann meinen wöchentlichen Einkauf erledigt und mir dabei auch so ein fertiges Tunfisch-Sandwisch mit labbrigen Toastbrot gekauft. Ich schaffe dann auf einmal immer so ein Dreieck und das andere bleibt für später in der Packung.

 

Das letzte Mal hatte ich aber noch etwas Mittagessen vom Vortag im Kühlschrank und ich wußte, wenn ich das Sandwich jetzt dalasse, dann werde ich es ohne Hunger essen. Einfach nur, weil es halt im Kühlschrank ist. Einfrieren geht nicht, das würde das Sandwich nicht verkraften. Ich habe mein Hirn wirklich auf StandBy gestellt, das Sandwich in der Mitte zerteilt und in den Bio-Müll gegeben. Ich weiß, das darf man gar nicht laut aussprechen. Und mein einziger Gedanke war: puh, andere müssen sehen wo sie was zu Essen herbekommen und du wirfst es weg.

 

Die Alternative war: ich hätte es irgendwann im Laufe des Tages zusätzlich und ohne Hunger zu haben, gegessen. Und bis dahin wäre ich um das Sandwich wie um ein goldenes Kalb gestrichen.

 

Ja, die OP ist wirklich nur eine Stütze auf den Weg in ein schlankes Leben. Ich bin glücklich, das mein Magen nun eine Aufnahmesperre hat, was die Portionsgröße anbelangt. Ich versuche auf mein Essen zu achten und die richtige Balance zwischen gesundem Essen und weniger gesundem Essen zu finden.

 

Ich will nicht ständig gucken müssen, ob ich mir das Stückchen Pizza oder die Gnoccis al Forno jetzt gönnen kann. Wenn ich sie esse, dann will ich sie bewusst und ohne Reue geniessen können. Ich lerne aber gerade auch, das solche Dinge kleine Highlights sind, wenn ich außer Haus essen gehe. Zu Hause koche ich gesund für mich.

 

Gesund kochen heißt für mich, das Kalorien und Portionsgröße in der richtigen Balance sind. Ich glaube, man nennt das auch Nährstoffdichte. Ich will keine Mini-Mini-Portionen auf meinen Teller wiederfinden, die dafür im Gegenzug eine Menge Kalorien einbringen. Ich habe aber auch keinen Bock, vor einem übergroß gefüllten Teller mit einer Mini-Menge an Kalorien zu sitzen.

 

Wie sagt man so schön: das Preis-Leistungs-Verhältnis oder auch der Kosten-Nutzen-Faktor auf meinem Teller müssen einfach stimmen.

 

Erschrecken werden mich aber solche Dinge immer. Ich hatte mir gewünscht, das mir mein Leben lang Schokolade einfach nicht mehr schmeckt. Das kann ich wohl vergessen.

 

Was bisher aber zum Glück immer noch sehr gut klappt ist: ich lasse solche Sachen im Laden stehen!

Sind sie erst mal bei mir zu Hause angelangt, kämpfe ich gegen das sinnlose Essen an, bis es weg ist. Das belastet mich psychisch und ich finds gelinde gesagt ziemlich scheisse.

 

Im Laden hingegen kann ich immer noch ohne Probleme daran vorbeigehen. Das macht mir überhaupt nichts aus. Kein Winkel in meinem Hirn schreit im Laden nach Schokolade, Pizza oder Chips. Also werde ich weiterhin die Strategie fahren: so was kommt mir nur gezielt und alle paar Wochen mal ins Haus!

 

Komischerweise esse ich so einen Unsinn auch nicht, wenn ich eingeladen bin. Da bin ich viel zu sehr damit beschäftigt, das ich den anderen zeige, das ich das nicht brauche. Und da ist es dann auch überhaupt kein psychischer Kampf, sondern ich bin megastolz auf mich, wenn ich nicht in die Knabberschüssel greife.

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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrin (Dienstag, 18 Oktober 2016 14:45)

    Ich schmeiße auch Lindt-Schokolade weg--- ganz Meiga war entsetzt damals. Aber haben wollte sie keiner. Also was tun? Meine Kinder essen kaum Schokolade... Also habe ich mal wieder gedacht: Du kannst nicht alle(s) retten, nur dich selbst - und den Müll aufgetan... Mache es heute noch mit Essen - genau wie du mit dem Sandwich.
    Wir selbst müssen uns am wichtigsten sein... Denn wenn es uns gut geht, können wir auch was für die anderen tun. Anders herum erwarte ich es gar nicht mehr *lach*

    p.S. Schöne Klamotten!!

  • #2

    Fräulein M. (Dienstag, 18 Oktober 2016 19:15)

    Ich glaube auch, das das der einzige Weg ist, wirklich abzunehmen. Egoistisch zu werden und auch mal Dinge wegzuwerfen. Denn dieses "Ich esse alles auf" und "Essen wirft man nicht fort" hat zumindest mich "mit" Dick gemacht.

    Ah, danke liebe Kathrin. Ich bin ne echt Rock- und Kleidertussi geworden und geniesse das ohne Ende.