Der Geist ist willig - der Körper verweigert!

Eine Woche Arbeit. Eine Woche daneben sitzen und lediglich neue Dinge geistig hören und aufschreiben. Noch nicht kapieren oder zuordnen müssen. Zwar schon anstrendend, aber ohne Verantwortung. Diese ersten 5 Arbeitstage nach 13 Monate Zwangspause wegen BurnOut haben mir erneut meine Grenzen aufgezeigt.

Es fing damit an, das ich am Samstag nach dem Aufstehen bemerkt habe, das das Hören irgendwie komisch ist. Mir wurde dann beim Gehen auch immer wieder schwindelig. Ich habe mir aber nichts dabei gedacht. Kommt ja schon mal vor, das sich Wasser im Ohr sammelt oder sich ein Druck aufbaut. Manchmal verschwindet das wieder nach ein paar Minuten, manchmal dauerts ein paar Stunden.

 

Heute Morgen war das dumme Gefühl immer noch nicht weg. Es ist, als ob bestimme Frequenzen von Ohr nicht mehr verarbeitet werden können. Der Ton, wenn der Wasserkocher in der Küche seine Arbeit macht, kann von meinen Ohr nicht mehr zugeordnet werden. Wenn mehrere Töne gleichzeitig auf mein Ohr einprasseln (TV, Mensch am Handy und Nebengeräusche) ist es, als ob sie in meinem Ohr um den Platz darum kämpfen, wer am lautesten durchdringen darf. Da kann der Kühlgenerator vom Wasserzapfer im Wartezimmer, sich schon mal wie ein Baugerät von gegenüber der Straße anhören.

 

Der Arzt hat einen stressbedingten Hörsturz diagnostiziert und ich wurde mit einer Spritze Cortison versorgt. Morgen und übermorgen früh, soll ich noch vor 8:00 Uhr entweder bei ihnen in der Uni-Klinik oder bei meinem Hausarzt auf der Matte stehen. Auch dann gibt es wieder Cortison per Spritze. Sollte sich der Hörsturz merklich verbessern, steht noch eine Tablettentherapie bevor. Wenn nicht, dann soll das Cortison durch das Trommelfell gespritzt werden.

 

Der Termin zu einem Hörtest steht auf alle Fälle an, egal wie sich das jetzt entwickelt. Außerdem muss bei einem Facharzt nachgesehen werden, ob ich schon seit Jahren so eine bestimmte Form von Hörsturz habe, der sich durch regelmässigen, gelegentlichen Gleichgewichtsverlust äußert. Das hatte ich die letzten 18 Monate nämlich regelmässig und ich dachte, das sind vielleicht die Nebenwirkungen der OP, wenn man Kalorisch an manchen Tagen nicht soviel isst. Das dann halt die Engergiebilanz nicht stimmt und man daher immer wieder Schwindelanfälle beim Aufstehen bekommt.

 

Der Arzt in der Uni-Klinik meinte, das gehöre unbedingt abgeklärt. Und ich saß wie vor die Wand gebrettert da.

 

Ich habe dann irgendwann, als wir wieder auf dem Nachhauseweg waren meinen Schatz gefragt, warum er überhaupt noch mit mir zusammen ist. Seit über einem Jahr kommt nur vermindert Geld von mir ins Haus, ständig bin ich depressiv. Fang ich an zu Arbeiten, kommt der Hörsturz um die Ecke und der Arzt sagt mir auf den Kopf zu: das ist bei ihnen stressbedingt.

 

Mein Geist wollte Arbeiten, mein Fleisch zeigt mir die Grenzen auf!

 

Meine Psychiaterin hat mir die letzten Wochen immer damit gedroht, das es jetzt Zeit wird, das ich wieder gesund werden. Immerhin hänge von ihrem Schreiben ab, ob mir die Krankenkasse weiterhin Krankengeld zahlt. Sie wollte mich in eine Psychosomatische Klinik bringen. Dort war ich vorstellig, konnte zumindest erreichen, das es nur die Tagesklinik wird. Im November wäre es los gegangen. Aber ab dem Zeitpunkt des Wissens, das ich da hinmuss, gingen die Schlafstörungen wieder los und alles in mir schrie "Nein, ich will das NICHT!"

 

Ich habe dann nachgedacht, was das kleinere Übel für mich wäre und bin zu dem Entschluss "Arbeit" gekommen. Ich wollte in der Tagesklinik nicht mit 12 anderen Personen im Stuhlkreis sitzen und deren Probleme hören und meine vor denen breit treten. Ich habe das schon einmal machen müssen, in so einer Klinik und empfand das als äußerst unangenehm. Das hat sich so gesteigert, das ich im Traum mehrmals meine Mutter umgebracht habe. Die Psychotherapeutin hat damals Achselzuckend gemeint: besser im Traum, als in der Realität. Das Verhältniss zu meiner Mutter ist bis heute von meiner Seite aus angespannt und sie weiß nicht warum. Ich wollte das kein zweites Mal. Man stelle sich mal vor, ich bringe dann im Traum meinen Schatz um. Das wäre der großtmögliche Albtraum für mich.

 

Und dann dieser bescheuerte Stuhlkreis und 10 fremde Menschen, die dich nicht wirklich kennen, wollen dir sagen, was du besser machen kannst. Ich find das erschreckend, das ich fremden Menschen meine Ängste erzhählen soll. Und ich will auch nichts von deren Ängsten wissen, mir reichen meine bis an mein Lebensende.

 

Und so viel halt die Entscheidung, jetzt wieder in die Arbeit einsteigen zu wollen. Eine Entscheidung, zu der mein Körper ganz klar "NEIN" sagt und heftig reagiert.

 

Ich bin gerade am Organisieren, das ich einen Notfalltermin bei meiner Verhaltenstherapeutin bekomme. Morgen gehts erst mal in die Arbeit, als wäre überhaupt nichts bei mir passiert. Ich muss das jetzt alles klären, einen Plan mit der Therapeutin auskaspern und dann sehen, wie es weiter geht.

 

Aber eines ist sicher: ich bin zu früh losgetrappt, weil ich mich ganz alleine unter Druck gesetzt gefühlt habe.

 

Ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen meiner Chefin und den Kollegen gegenüber - und das nach 5 Arbeitstagen. Ich fühle mich in der Pflicht! Und das ist nicht gut.

 

Früher hat es mich echt immer arg gewurmt, wenn oberschlaue Menschen dahergekommen sind und bei mir oder anderen, denen es genauso geht, gesagt haben: wir müssen uns nur zusammenreißen, sie müssten schließlich auch viel arbeiten oder hätten Stress.

 

So nach dem Motto: jetzt stell dich mal nicht so an, du simulierst nur.

 

Es ist uns bleibt eine chemische Reaktion im Körper, die bei Menschen wir mir irgendwann abhanden gekommen ist. Sie fehlt, und ich kann den Stress eben nicht mehr so wie andere verarbeiten. In dem Fall habe ich die Arschkarte gezogen. Und nicht ich sollte mir das schlechte Gewissen machen, sondern die, die so dumm und unwissend daher reden und uns als "Stressunresitente Weicheier" hinstellen auch nicht verurteilen.

 

Sie haben nämlich keine Ahnung und ich wünsche ihnen von Herzen, das sie auch nie nur den Hauch einer Ahnung haben müssen. Den das würde heißen, das sie in die gleiche Situation kommen müssten.

So einem Zustand wünsche ich meinen ärgste Feind nicht.

 

Aber wie schon gesagt. Man kann sich immer nur in die Schuhe hinfühlen, in denen man schon selbst gelaufen ist oder gerade läuft!

 

Hätte ich meinen Schatz nicht an meiner Seite, wäre mein Weg vorprogrammiert. Irgendwann Hartz 4 und verminderte Rente, einhergehend mit Armut. Allein, weil mir fehlende, chemische Prozesse einen Strich durch die Rechnung machen und er Körper mit so Firlefanz wie Hörsturz das ganze eindrucksvoll unterstreicht.

 

Ich finde das ist Strafe genug, das Wissen darum, das man nicht mehr voll Einsatzfähig ist. Das Eingestehen: ich liege in der Zukunft zu Teilen meinen Mitmenschen in Deutschland auf der Tasche, das find ich selbst am allermeisten schrecklich.

 

Aber ich kann es zumindest für den Augenblick nicht ändern. Außer zu versuchen, schnellstmöglich wieder gesund zu werden. Dazu gehe ich an den nächsten Tagen meine Cortison-Spritzen abholen und versuche einen Not-Termin bei meiner Verhaltenstherapeutin. Alles weitere lasse ich nun auf mich zukommen. Erst einmal geht es morgen auf alle Fälle auch auf die Arbeit.

 

Mein Schatz fährt mich hin und holt mich ab. Vom Arzt heute habe ich Fahrverbot nach der Spritze bekommen. Das gleiche hat mir der Arzt für die nächsten Tage am Telefon erteilt.

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