Trillerpfeiffe im Ohr - Ausbildungsvertrag in der Tasche

Soviel ist gestern passiert und es war in mehrfacher Hinsicht ein ziemlich aufregender Tag für mich.
Hausbau und spontane Handwerker, verbockte Schlüsselübergabe, Beschleunigung von 60 - 220, nervöse Mitfahrerin, Ausbildungsvertrag in der Tasche, genervte eMail von einem Vorgesetzten, kranke Hühnchen im Umfeld, BurnOut Buch in der Tasche, hauseigenes Trillerkonzert in den Ohren am Abend.

 

Mein Tag fing schon damit an, das ich morgens um kurz nach 7:00 einen panischen Anruf von meinem Lebensgefährten bekam, der die Wohnung nicht verlassen konnte. Die Keramikschüssel war sein wichtigster Begleiter, gestern Vormittag und ich sollte auf die Bausstelle, weil irgendwann am Vormittag die Handwerker kamen. Nur, die hatten keinen Schlüssel zu unserem Neubau.

 

Ging nicht, den ich selbst wartet auf den Heizungsableser und hatte gleich mal wieder ein schlechtes Gewissen, das ich nicht mal das für meinen Schatz erledigen könnte. Gut, er konnte es auch nicht, weil ausklingende Magen-Darm am Vormittag das Verlassen des Hauses noch unmöglich für ihn machten.

 

Ich habs dann wieder gedanklich  nach hinten geschoben und quasi schon vergessen. Als dann um kurz vor 10:00 der Anruf kam, das die Handwerker gleich vorm Haus stehen. Der Heizungsableser war zwischenzeitlich da, ich in die Turnschuhe gehobst, panisch auf die Uhr geguckt und im Schnellschritt zum Auto. Um 11:00 Uhr musste ich meine Ziehtochter für ihr allererstes Vorstellungsgespräch abholen. Knappe Kiste die ich da vor mir habe und einen Audi TT unter meinen Hintern - gute Kombi.

 

Vor Ort habe ich den Handwerkern aufgesperrt und in weiser Voraussicht den Schlüssel an einen Schlüsselanhänger, auf dem ich noch Lothars Handy notiert habe. ;-) Manchmal hat man einfach Einfälle im Leben, die sind unbezahlbar.

 

Wieder zu Haus, zum kurzen Umzugsmarathon merke ich dann, ich hab den Handwerkern den falschen Schlüssel dagelassen. Im Stress kann man sich halt voll auf mich verlassen *ggg*. Aber das war mir dann auch schon egal, sie hatten ja seine Nummer im Falle des Falles. (zum Glück hab ich nicht auf den Handwerker gehört, der meinte ich solle die Handynummer auf eine der unverputzten Wände ins Haus schmieren)

 

Dann das komplett durch den Wind gezogene Ziehtöchterchen im navifarbenen Anzug eingepackt und mir ihr zum ersten Vorstellungsgespräch ihres Lebens gefahren. In Bayern sind ja gerade Herbstferien und das macht die Autobahnen um die Mittagszeit so schön leer. Einmal mit dem Audi von 60 auf 220 und wir fahren fast schon dort. Nein, Scherz! Mein Ziehtöchterchen wurde mit jedem Kilometer und jedm Blinken nervöser und ich glaube, sie hat an dem Navigationsgerät und an mir gezweifelt. Bis wir vor dem Gebäude gestanden sind.

 

Ich habe ihr noch erklärt, das sie sich auf sie freuen, den sonst hätten sie sie ja nicht eingeladen. Und sie sollte das unter dem Aspekt: die Firma lernt mich kennen - und ich lerne die Firma kennen, sehen.

 

Es scheint geklappt zu haben. Den eine knappe Stunde später kam sie mir freudestrahlend entgegen, das sie nächste Woche den Ausbildungsvertrag zugeschickt bekommt. Sie ist aus dem Grinsen nicht mehr rausgekommen und ich Wechseljahrgeplagte Frau hab Freudentränen verdrückt.

 

Ich habe sie dann nach Hause gefahren und wir haben es stolz ihrem Papa erzählt. Der hat mir erzählt: die Handwerker hätten angerufen, sie hätten jetzt dann doch den richtigen Schlüssel von ihm bekommen. *ggg* Der Hausbau war ihm näher als die Keramikschüssel, für zumindest 45 Minuten.

 

Zu Hause habe ich dann das bestellte Buch über BurnOut von meinem Buchhänder geholt.

Gerade die Wärmflasche gemacht und mich umgezogen, weil der Magen auch bei mir wieder zu krumeln anfing, rief mein Freund an: ob ich nicht doch noch mit auf die Baustelle will. Dort war ein Handwerker-Gipfel anberaumt worden, weil so einigen schief läuft in der Abstimmung. Nebenbei auf meinem Handy ein mit vielen Ausrufezeichen gespickte eMail von meinem Vorgesetzten aus der Arbeit empfangen, die mich erst: panisch und dann sauer gemacht hat.

 

Ich bin natürlich mit, WEIL: der Audi sollte nach dem beiden rasanten Zeitfahren am Morgen wieder betankt werden und das kann ich mir gerade nicht leisten. Und ich wollte mich von der besagten eMail ein wenig ablenken.

 

Um kurz vor 10:00 am Vormittag habe ich das Haus zum ersten Mal verlassen. Um kurz vor 18:00 Uhr kam ich dann endlich wieder richtig zu Hause an. Dazwischen hatte ich weder Zeit die gewaschene Wäsche kurz aufzuhängen, noch mit ordentlich hinzusetzten für ein gesundes Essen.

 

Meine Ohren klingelten und ich hatte mein eigenes Trillerkonzert. Selbst die entspannte Badewann half da nur kurzfristig. Das Klingeln blieb bis zum einschlafen und hat mich Nachts mehrmals und heute Morgen um 5:00 Uhr dann entgültig geweckt.

 

Der heutige Tag wird deutlich entspannter. Ich karre dieses Mal gemütlich meine überglückliche Ziehtochter zu ihrem zweiten Vorstellungsgespräch und werde ihre Ängste und Sorgen wieder versuchen, gerade zu rücken und ins richtige Verhältniss zu setzten. Das macht mir Freude, da blühe ich auf und es tut mir gut.

 

Als kleiner Gedanke hat sich gestern festgesetzt: das würde ich gerne öfters machen. Ich habe meine Brüder (3 an der Zahl) meinen Neffen und auch die beiden Ziehkinder jeweils durch ihre Bewerbungsphasen für eine Ausbildungsstelle begleitet. Ich habe mit Ihnen ihre Stärker erarbeitet und was sie schon alles in ihrem jungen Leben gemacht haben, was für eine Ausbildung relevant ist. Ich habe versucht, ihnen die Ängste zu nehmen und ihre Perspektiven erweitert. Ich habe immer Kraft daraus geschöpft. Und ich saß mit im Auto, wenns zum jeweiligen Vorstellungsgespräch ging. Dieser kleine Abschnitt der Begleitung, das war und ist etwas, wo ich mich sauwohl fühle. Keine Ahnung wie ich das für die Zukunf beruflich einsetzten könnte. Aber das ist jetzt auch gar noch nicht so wichtig. Ich finde es schön, das ich gerade merke: ja da gibt es was, dafür Brenne ich und zwar im positiven Sinn. Und daraus schöpfe ich auch Kraft.

 

Heute Abend geht es dann zu meiner Verhaltenstherapeutin. Wenn Schatz sich bereit genug dazu fühlt, kommt er mit. Darüber würde ich mich dann natürlich sehr freuen. Aber auch das: ich lass es jetzt einfach auf mich zukommen.

 

Das Klingeln in den Ohren, das hat sich seit gestern zu einem Dauer-Stakkato gesteigert. Der Tinnitus ist so präsent, das er sogar im fahrenden Auto, trotz Nebengeräusche für mich laut und deutlich zu hören ist. Ich hoffe, das er sich die nächsten Tage wieder zurück zieht. Den im Moment gibt er mir immer nur für kurze Zeit eine "klingelfreie Pause"

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