Wenn ich mal schlank bin, dann …

Bei allen meinen früheren Abnehmversuchen kam irgendwann der Gedanke auf: „Und wenn ich dann schlank bin, das kann ich endlich wieder Schokolade, McDoof, Pizza ….. und sonstiges essen.
Das war immer mein Anker, bei jedem einzelnen Versuch abzunehmen. Und spätestens da hätte mir jedes Mal klar sein müssen, dass das wieder nichts werden wird – das mit dem schlank sein.

Vor allem, wenn der Magen normal groß ist und damit eben auch Unmengen von den Dingen reingehen, die richtig Kalorien haben.

 

 

Jetzt, 18 Monate nach der OP stelle ich nach und nach fest, das es dieses Gedankenmuster nicht mehr gibt. Solche Gedanken kamen mir von Anfang an nicht in den Sinn. Als ob eben doch ein Stückchen vom Kopf mitoperiert wurde. Ich denke, bei mir war es wirklich die Zeit des MMKs, die man in Vorbereitung auf die OP machen muss und die eigenen Beispiele in der Familie, die mir zeigten: Es wird nie mehr so sein wie früher. Es wird nicht schlechter nach der OP, es wird nur Anders mit der OP.

 

 

Bis auf die ersten Tage nach der OP, wo ich mich gefragt habe, warum ich das gemacht habe, bin ich Rundwegs positiv an die ganze Sache herangegangen. Die ersten Tage waren hart. Ich konnte nur schlückchenweise Trinken, draußen hatte es weit über 30 Grad und mein Körper war schlapp und müde. Nach dem sich das Trinken gebesserte hatte, kam auch der Kreislauf wieder mehr in Schwung und diese Gedanken waren wie weggeblasen. Ich denke, meine Psyche musste da erst einmal mit.

 

 

Ich nasche auf alle Fälle hin und wieder. Ich liebe Pizza nach wie vor und auch um Pommes komme ich nicht immer herum. Aber im Gegensatz zu früher, wo solche Nahrungsmittel zum normalen Essen gehörte, sind das Heute für mich Genussmittel. Und das ist glaube ich, der große Unterschied. Ich verkneif sie mir nicht, aber ich brauche und will sie auch gar nicht mehr so oft.

 

Wir waren am 1. Advent auf einem Weihnachtsmarkt. Und klar, da gehört die Bratwurst im Flammkuchenmantel für mich dazu, ebenso die gebrannten Mandeln. Früher hätte ich Beides komplett gegessen und zu Hause angekommen, wäre immer noch Platz für mehr gewesen. Inzwischen esse ich eine halbe Bratwurst und bin zwar nicht satt, aber richtig gut befriedigt. Den restlichen Platz im Magen lasse ich für die gebrannten Mandeln frei. Und das erfordert weder Willensstärke, noch trauere ich der anderen halben Bratwurst hinterher, die ich meinem Schatz gegeben habe. Die Tüte Mandeln teile ich bereitwillig und wenn jeder seine paar Mandeln genommen hat, die er will, esse ich genüsslich den kompletten Rest. Und das können schon mal gut und gerne 100 gr. gebrannte Mandeln sein. Auch den alkoholfreien, zuckersüßen Glühwein lasse ich mir nicht entgehen.

 

Dafür merke ich, wenn ich so hochkalorisch gegessen habe, das ich teilweise am anderen Tag erst Mittags was zum Essen brauche. Und dann höre ich inzwischen auch darauf. Da sitzt dann auch nicht mehr das Teufelchen auf der einen Schulter und flüstert mir ein: jetzt iss schon was, das gehört sich zu. Und das Engelchen auf der anderen Seite versucht mir das auszureden. Ich denk da einfach nicht mehr drüber nach, es ist einfach so. Und das ist wohl teil des Schlauchmagens bei mir.

 

Das etwas striktere Kontrollieren und Hinterfragen von alten Mustern, während der fast kompletten Abnahme trägt Früchte. Ich hatte mir so sehr gewünscht, das ich das ein oder andere Muster durchbrechen könnte. Und ohne es zu wirklich zu merken, habe ich in der Tat das ein oder andere Muster durchbrochen und neue, gesunde Muster sind hinzugekommen. Und das Beste für mich ist: Ich habe keine inneren Diskussionen mehr, ob ich das jetzt essen darf oder nicht. Die Zeiten sind vorbei. Hunger habe ich eh nur selten, das sind eher Kopfgelüste. Aber die habe ich unbewusst gut in den Griff bekommen.

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