Was ist normal?

Das frage ich mich selbst immer wieder und mir fällt es auch in diversen Foren auf.

Die Angst, das man nie wieder normale Portionen essen kann. Die Angst, das man sich plötzlich über Gebühr bewegen muss. Und NEIN - Sport mache ich nicht! Dann nennen wir es halt Bewegung. ;-)

Diese Angst hat mich die Monate vor der OP oft überfallen, vor allem was das Essen betrifft. Bei Bewegung war ich ja schon ganz nett dabei.

 

Es hat ganz lange nach der OP gedauert, bis hier endlich ein Umdenken bei mir anfing. Meine alten Portionsgrößen waren nicht normale Portionsgrößen. Wie auch, sonst wäre ich in Kombination mit den anderen Verhaltensmustern nicht so dick geworden, wie ich am Ende war.

 

Und ja, mich ärgert auch Heute noch teilweise das Vorurteil, das alle Dicken (sorry für die Wortwahl) faul und gefrässig sind und mit Chips und Cola vor dem Fernseher abhängen.

 

Aber und das stimmt schon. Das Verhältnis von Ruhen und Bewegen, von Gesundem Essen und unnötigem hochkalorischen Essen, das war bei mir deutlich verschoben. Klar, wie wäre ich sonst auch so Dick geworden, wie ich am Ende war. ;-) Das muss ich mir einfach mal selbst eingestehen.

 

Ich habe eine Menge schlanker Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld gehabt. Und ich habe natürlich mit einem Grinsen im Gesicht gesehen, wenn sie ordentlich auf ihre Teller getürmt haben oder sie meiner Ansicht nach über Gebühr genascht haben. Ich bin dick und die nicht - wie ungerecht die Welt doch sein kann.

 

Ich habe mein schlankes Umfeld aber auch im normalen Alltag erlebt. Und dort waren die Portionen viel kleiner und das Naschen kein Thema. Das konnte und wollte ich mir aber nicht eingestehen.
Ich weiß noch einen Abend bei einer schlanken Freundin, während der Lernphase auf die Prüfung. Da hat sie für uns diese Mini-Pizzen gemacht. Im Normalfall, zu Hause und alleine habe ich die komplette Packung alleine gegessen und konnte dann noch einen Jogurt nachschieben oder sonst etwas. Sie hat an dem Abend 3 - 4 von den Minipizzen gegessen und sich anschliessend den Bauch gehalten. Ich habe den Rest gegessen und hätte am liebsten noch eine Packung gegessen. Ich weiß jetzt nicht mehr, ob ich von den  5 - 6 Minipizzen satt war. Wahrscheinlich eher nicht, weil mein Magen ja ausgedehnt war. Aber eine weitere komplette Packung für mich alleine, davon wäre ich gestopft gewesen.

 

Ich lag öfters Abends im Bett und mir war schlecht vor zuvielem Essen und ich habe mich gestopft gefühlt. Meine Freundin hat damals schon sehr wenig gegessen, aber sie war satt, satt, satt. Ich habe immer zuviel gegessen und war gestopft.

 

Eine normale Portion ist wahrscheinlich irgendwo dazwischen, aber mehr in Richtung meiner Freundin. Den auch mein anderes schlankes Umfeld brauchte keinen übervollen Teller oder einen Nachschlag im Alltag, um satt zu sein.

 

Wenn ich also am Anfang Angst hatte, das ich nie wieder eine normale Portion essen kann, dann habe ich mir selbst etwas vorgemacht. Dank der OP reichen mir heute nämlich fast meine normalen Portionen. Hie und da mache ich Ausreißer-Tage und esse Hochkalorisches. Und die Kombination aus Beidem ist "mein Weg" um mein Gewicht in Punkto Essen mein Gleichgewicht zu behalten.

 

Lustig finde ich ja auch immer, wenn jemand schreit: Sport - nein Danke!!!! Ich mache keinen Sport, mir reicht es, wenn ich schwimme oder spazieren gehe. Ja mein lieber Schorli, was sind den Schwimmen und Spazieren gehen dann, wenn nicht Sport? Jede Art von Bewegung ist ab einem bestimmten Gewicht beim Menschen wirklich anstrengender Sport, egal wie man das Kind jetzt nennt. Ab einem bestimmten BMI (wenn man nicht gerade Muskelbepackt ist) ist sogar die ganz normale, überdurchschnittliche Alltagsbewegung (z.B. als Krankenschwester oder wenn man ohne Aufzug im 3 Stock wohnt) schon dem Sport zuzurechnen, weil man einfach mehr Kalorien also sonst verbrennt.

 

Und wenn man Abnehmen möchte, dann muss man beim Sport leider immer wieder seine Grenzen aufs Neue überwinden. Das schmerzt in Lunge oder Muskeln. Man schwitzt, es ist unangenehm und man hört manchmal das Herz unter der Schädeldecke pochen.

 

So war es bei mir, als ich noch am abnehmen war. Jetzt wo ich Halte, schmerzen nur noch meine Muskeln. Bei der Ausdauer will ich nur noch, das mein Herz schneller schlägt und ich phasenweise außer Atem komme. Aber ich bin nicht mehr so vehement und jedes Mal am Grenzen überschreiten, wie in meiner Abnahmephase. Ich lasse es nun öfters mal relaxed angehen und will mein Level nur noch langsam steigern.

 

Diese Kombination an Sport / Bewegung und meinem Essverhalten, machen  mir im Moment mein Halten leicht. Da geht essenstechnisch die ein oder andere Sünde mehr, solange ich mich bewege.

 

Ich esse an 6 von 7 Tagen ausgewogen und gesund. Viel Eiweiß, den Rest fülle ich mich Kohlenhydrate und Gemüse /Obst auf. Ich esse selten Sachen, die ich im Fett ausgebraten habe. Oftmals so Sachen wie Hackfleisch mit Gemüse und Kartoffeln in Tomatensoße. Fisch gedünstet oder im Ofen gegrillt. Das Fett das mein Körper benötigt, hole ich mir über die Lebensmittel und nicht das das Bratfett oder den 2 EL Olivenöl im Salatdressing. Karotten müssen nicht zwingend in Butter ertränkt werden, nur weil das Vitamin fettlösslich ist. Wenn man dazu Fleisch ist, das ohne oder mit wenig Fett in der Pfanne gebraten wurde, reicht das Fett davon, das der Körper sich die Vitamine holen kann. Den Fleisch hat Eigenfett, das sich beim Braten löst.

 

Wenn ich vom Weihnachtsmarkt mit einer Tüte gebrannter Mandeln heimkomme und die 100 gr. ganz alleine Esse und evlt. noch eine fette Bratwurstsemmel oder einen kl. Flammkuchen oben drauf hatte, dann passe ich am anderen Tag einfach ein bisserl mehr auf. Erstens mal ist am anderen Tag mein Magen sowieso noch irgendwie sehr voll und es passt weniger rein. Und mir geht es auch sehr gut damit, weil ich aktiv daran arbeite, es nicht mehr soweit wie vorher kommen zu lassen.

 

Solange mir das so leicht fällt, werde ich es genauso machen. Den wer weiß, wie schwer mir das evlt. in 3, 4, 5 oder noch mehr Jahren fallen wird. Vielleicht kann ich mich dann überhaupt nicht mehr zu Ausgleichstagen überwinden, keine Ahnung.

 

Meine Hoffnung ist, wenn ich das auch nur 2 oder 3 Jahre so wie jetzt durchhalte, das es mir dann zumindest ein wenig in Fleisch und Blut übergangen ist und ich nicht mehr so schnell aus der Bahn gerate.

 

Es gibt Tage, da reagiere ich überzogen, was mein Essen anbelangt und ich werde ein kleiner Kontroll-Freak. Und es gibt Tage, da bin ich inzwischen super-gelassen. Diese Tage werden sich wahrscheinlich mein Leben lang abwechseln und sich die Türklinke in die Hand geben. Aber: so What?

 

Das sind nun mal meine zwei Seiten, die ich in Bezug auf Essen, Gewicht, Bewegung habe. Die gehören beide zu mir. Wichtig ist mir nur, das sie in der richtigen Balance bleiben. Und ich will versuchen, mir nicht mehr selbst etwas vorzumachen.

 

Ich für mich weiß nur: ich will nie wieder zurück, zu meinen vermeintlichen "Normalportionen". Denn: sie waren NIE normal groß, sondern immer viel zu Groß für meine Körpergröße und mein Bewegungsverhalten.

 

Ich will nie wieder eine Couchpotatoe sein! Aber ich will mich auch nicht mehr so herausfordern und quälen, wie zu meinen besten Sporttagen im letzten Jahr. Ich will mein Normalmaß beibehalten, so wie es jetzt ist. Im Winter deutlich weniger Sport (ca. 1,5 - 3 Std. pro Woche, je nach Wetterlage) und im Sommer (ca. 2,5 - 5 Std. je Woche) wieder mehr Bewegung, weils das Wetter zulässt. Das macht mir meistens Spass und ich kann beide Jahreszeiten genießen. Ich habe kein schlechtes Gewissen, weil ich im Winter weniger mache, weil ich weiß, das es im Sommer eben ganz anders ist.

 

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