Der Gegenwert muss für mich stimmen!

11 Monate sind vergangen, seit dem Erreichen meines Zielgewichtes. Das einpendeln hat gedauert und hat mir mehr Abverlangt, als ich geglaubt hätte. Mit dem Halten musste ich mühsam lernen, meinem Körper und meiner Intuition zu vertrauen. Von damals gut 47 Jahren auf Erden, habe ich über 30  Jahre davon damit zugebracht, abnehmen zu wollen.

Nach über 30 Jahren Misstrauen, Versagensängsten, kein Glaube an meine eigenen Abnehmfähigkeiten war es wirklich schwierig, etwas loszulassen.

 

Essen nimmt immer noch und wird es bis an mein Lebensende - einen großen Stellenraum einnehmen. Ich probiere mich gerne aus und experimentiere damit. Gerade im Moment das Absetzten meiner Eiweißriegel und der Versuch es ohne zu schaffen. Morgen gehe ich einfkaufen - Eiweißriegel. ;-)

 

Ich komme ohne Eiweißriegel schön auf um die 100 gr. Protein pro Tag. Das ist für später ganz ok. Aber ich muss auch gestehen, ich mag sie einfach zu gerne, habe ich die letzte Woche festgestellt. Ich habe zwei Marken, die esse ich gerne und ich mag den Geschmack. Sie helfen mir auf unkomplizierte Weise, das mein Eiweißbedarf gedeckt wird und mir genügend Spielraum lassen, auch noch anderes zu Essen, wie Kartoffel oder Brot. Eiweißriegel sind für mich eine gute Währung.

 

Ich esse und ich bin danach satt. So einfach ist die Rechnung bei mir nicht. Manchmal esse ich, weil meine Seele getröstet werden will. Und ich meine damit jetzt nicht zwangsläufig Schokolade oder solcherlei Dinge. Ich habe irgendwie so ein unbestimmtes, verlorenes Gefühl in mir und in meinem Hirn spukt mir ständig der Faschingskrapfen rum. Dann überlege ich sehr bewusst: ist mir der Faschingskrapfen das jetzt wert und warum will ich den auf Teufel komm raus einen Faschingskrapfen essen? 

 

Faschingskrapfen verbinde ich ganz stark mit meiner Kindheit. Oder auch mit meiner Mama, die zur Faschingszeit immer selbst so Mini-Faschingskrapfen für uns gemacht hat. Ich denk an Faschingskrapfen und fühl mich heimelig und hab ein Lächeln im Gesicht. Die letzten Tage waren mir die Faschingskrapfen diese Währung wert.

 

Es war ein guter Tausch für mich. Ich habe Faschingskrapfen gegessen und dafür auf etwas anderes dann gerne verzichtet.

 

Mein Körper, meine Seele ist wie ein Resonanzkörper eines Saiteninstruments. Bei einer Gitarre müssen die Saiten auch fast jedes Mal neu gestimmt werden, sonst klingt es nicht harmonisch.

 

Ich treffe auch Vernunftsentscheidungen. Wenn ich meinen Faschingskrapfen esse, gibt es an dem Tag entweder weniger Nüsse oder auch gar keine Nüsse mehr.

 

Ich möchte gerne mein Gewicht halten. Das hat viele Gründe, nicht nur Einen. Ein paar Monate vor meiner Abnahme war die treibende Kraft, die Kombination aus: Besser beweglich sein - und mit dem Partner mithalten können. Kleidergrößen, Mitmenschen, Gesundheit (Bluthochdruck ect.) das hat mich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht motivieren können.

 

Der Grund, warum ich Schlank bleiben möchte, kann sich mehrmals am Tag ändern und ist immer Situationsbedingt. Wenn wir Wandern gehen, dann will ich unbedingt schlank bleiben, weil ich mich bergauf und bergab einfach viel leichter tue.

 

Gehe ich ins Krafttraining, dann will ich schlank bleiben, weil ich sehen will, warum ich das mache.

 

Sind wir eingeladen oder gehen essen, weil ich mir dann oft denke: siehste wohl, keiner sieht dich schief an, wenn du jetzt einen Kuchen isst. Man hat mich vorher sicher auch nicht schief angesehen, aber das ist zweitrangig. Das Gefühl ist das, was bei mir zählt.

 

Gehen wir mal so richtig schön aus, dann will ich schlank bleiben, weil ich meinen Schatz mit femininen Kleidern ein Leuchten in seine Augen zaubern kann.

 

Und so stimme ich mich oft mehrmals am Tag neu ein. Den wenn es um die Entscheidung "esse ich jetzt mein Lieblingsgericht Käsespätzle" oder esse ich mein "zweites Lieblingsgericht Fisch nicht im Fett ertränkt", dann steht manchmal der:

  • Gesundheitsaspekt
  • der Stolz, das ich NEIN sagen kann zu den Käsespätzle
  • die Jeans die grad so gut sitzt
  • das Wissen das ich mit meinem Freund beim Wandern mithalten kann
  • usw........................

im Vordergrund. Und ich habe gemerkt, für mich ist es wichtig, das ich aus den richtigen Gründen dann zu dem Fisch greife.  Den dann freue ich mich tierisch auf den Fisch und weine meinen heißgeliebten Käsespätzle keine einzige Träne nach an dem Tag.

 

Für mich hat das nichts mit Disziplin zu tun. Disziplin hat mein Hirn irgendwann als ein böses Wort besetzt, das ich mit Verzicht und "sich quälen müssen" gleichsetzte.

Ich achte einfach nur auf mich und auf das Warum. Das Wort Achtsamkeit ist ja inzwischen ausgelutscht, weil es an jeder Straßenecke und für jeden Zeitschriftenverkauf inflationär benutzt wird. Schade, den genau genommen ist es das aber. Ich bin Achtsamer geworden. Ich versuche ich mich hinein zu hören, warum ich jetzt gerade etwas essen will. Ich hinterfrage es, wenn ich daran denke. Und wenn ich dann zu so "vermeintlichen" Sünden greife, dann tue ich es im vollen Bewusstsein und geniesse es. Das lässt mich nicht wieder dick werden, den dafür achte ich für den Augenblick zu sehr auf mich und auf meine Ess-Gefühle.

 

 

 

 

 

 

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