Ich habe jetzt ein kleineres Kleid

Freitag war Check-In um es mal salopp zu formulieren und gestern Vormittag um 10:00 Uhr lag ich quasi schon zu Hause auf dem Sofa. Gerade mal 3 Tage hat man mich nach der OP im Krankenhaus behalten.
Jetzt will ich natürlich von der großen OP berichten, ist ja mal klar ....

Die sachlichen Fakten habe ich hier abgelegt ;-) mit drei Bildern.

 

Aber mal ehrlich, so eine OP ist kein sachlicher Akt, zumindest war und ist es das nicht für mich. Also mal ganz von vorne mit den Emotionen.

 

Bis einen Tag vor der OP war ich ja die Ruhe selbst. Irgendwann am letzten Donnerstag hat mich dann die Angst gepackt. Und zwar, als es ums Taschen packen ging. Ich habe das den halben Vormittag wegen der Angst vor mir hergeschoben. Am liebsten hätte ich in den paar Stunden die OP abgeblasen, so ging mir die Muffensause.

 

Komischerweise war es dann so: je mehr Stücke konzentriert in meiner Krankenhaustasche landeten, umso ruhiger wurde ich dann. Der restliche Tag war dann geprägt von Vorfreude und ich wäre am liebsten sofort auf den OP-Tisch gesprungen.

 

Die Nacht war zwar kurz und ich noch saumüde, aber dafür auch ziemlich gut gelaunt. Im Klinikum angekommen, wurde ich gleich auf mein Zimmer begleitet und ich war immer noch die Ruhe selbst. Alles schön ausgepackt, mit meinem Schatz gescherzt, mich ins OP-Hemd geschmissen und die schicken und zu großen Kompressionsstrümpfe übergezogen.

 

Nach einer Stunde leicht entnervt meinen Freund nach Hause komplimentiert, weil ich noch mal schlafen wollte vor der OP. Ja, ich war halt einfach noch müde, weil die Nacht kurz war. Dann kam auch schon der herzensgute Dr. Amasha und zeichnete mich in seinem Arztzimmer an. Er versprach mir, mich mit einem Schnitt hinzubekommen. Die LMAA-Tablette habe ich ausgeschlagen, in Absprache mit Dr. Amasha. Ich bin zwischenzeitlich auch immer wieder schön eingeschlafen und habe mich auf die OP gefreut.

 

Selbst als ich auf der OP-Pritsche im kleinen Vorraum für die Narkose lag, war ich kein Stück verängstigt, sondern einfach nur vor Freude aufgeregt. Boah, so kannte ich mich bis dato selbst nicht.

 

Als ich im Aufwachraum zu mir kam, hatte ich keinen der gefürchteten Atemaussetzer und ich war zwar immer noch müde ;-) aber auch ein einziger Freudensball.

 

Auf meinem Zimmer habe ich dann beseelt und von einem kurzem Schatzi- und Leihtochterbesuch am Abend, durchgeschlafen. Verwundert bin ich ohne Schmerzen aufgewacht. Um meinen Bauch ein Bauchgurt und ich dachte immer: so blöd, das fühlt sich irgendwie überhaupt nicht operiert an. Ich hatten allen Ernstes leichte Zweifel, ob ich meinen Bauch und die Flanken überhaupt losgeworden bin.

 

Ich musste bis Sonntag Abend warten, dann öffnete Dr. Amasha das erste Mal meinen Bauchgurt und ich hatte nach einigen Schockminuten (wo ich überhaupt nicht überrissen hatte) plötzlich Pippi in den Augen. Er war weg, alles war weg!!! Und ich hatte einen komplett neuen Bauchnabel. Mein alter wurde entsorgt und aus meinem Oberbauch ein toller, neuer Nabel geformt. Ich hätte den Hamsa Amasha am liebsten vor den Augen meines Schatzis aus lauter Dankbarkeit abgeknuscht. Und ganz  das alte Ich, habe ich auch sofort mit ihm um den Entlassungtag geschachert.

 

Zu seiner Überraschung und zu meinem Selbstverständnis wurde ich dann auch schon am Dienstag Morgen entlassen. Ich bin seine erste Patientin, die drei Tage nach der OP aus dem Krankenhaus maschiert ist.

 

Ich mag meinen Bauch, mit all seinen Schwangerschaftsstreifen und das erste Mal in meinem erwachsenen Leben, kann ich meine Mumu auch sehen, wenn ich stehe. *Grins* Nicht lugt mehr aus meinem Slip hervor. Weder rechts und links am Bein, weil jeweils ein Drittel des überflüssigen Schamhügels da hervorquoll. Noch lappt eine Fettschürze über den Slip. Wobei er meinte, das auch nichts mehr an Fett da wäre, was er hätte absaugen können.

 

Er meinte, man konnte sehen, das ich einen gut durchtrainierten Bauchmuskel habe. Den meist müsse er den Bauchmuskel stabilieseren oder wieder zusammenfügen, weil er sich durch Untrainiertheit und dem Dicksein horizontal spaltet. Ich brauchte als kein inneres,künstliches Muskelkorsett, das habe ich mir im Fitnessstudio in den letzten 3 Jahren selbst erarbeitet.

 

Durch das ganze Training und meine Bewegungsfreude habe ich einen tollen Heilungseffekt aufgebaut. Meine eiweißreiche Ernährung kommt mir nun auch sehr zu Gute.

Das war der allererste Blick, den mein Schatz eingefangen hat. Da war ich noch sehr, sehr verhalten und habe nur gelächelt. Erst eine gefühlte Ewigkeit später brach es dann aus mir heraus.

 

Ich liebe meinen Bauch, mit all seinen Dehnungsstreifen, Ecken und Kanten. Eine Narbe wird mich mein Leben lang daran erinnern, achtsamer mit meinem Hautkleid umzugehen.

 

Ich liebe meine "Auszeit-Tage" wo ich nach Herzenlust nasche und wenn es der ganze Osterhase auf einmal ist. Und ich liebe die Tage, an denen ich dann wieder in meine mir heißgeliebte, gesunde Phase eintauche und dort über lange Zeit verweilen kann.

 

Es war bis hier hin ein harter und oft steiniger Weg. Es hat gedauert, bis ich mir meine Naschtage nach der OP verzeihen konnte. Es hat lange gedauert, bis ich gesehen habe, das sie kein Drama sind, sondern einfach Teil des Lebens. Und ich habe mir Freude festgestellt, das ich nasche weil ich Bock darauf habe, und nicht weil mir langweilig ist, oder ich andere Gefühle dafür kompensiere.

 

Ich wünschte manchmal, wir wären in der Zukunft und es gäbe eine Möglichkeit, denen die noch Kämpfen, diese Gefühl für die Liebe zum Sport, den abwechselnen Nasch- und Naschfreien Tage einfach so richtig übergeben. Ich wünschte ich könnte Menschen mal mein jetztiges Körpergefühl und diese Freude richtig spüren lassen, an ihrem eigenen Leib. Die Motivation danach, ich wette, sie wäre um soviels größer.

 

Ich kann nur (mit)teilen und erzählen. Bilder und Worte sprechen lassen und meine Gefühle versuchen zu beschreiben.

 

An solchen Tagen wie Heute, wünsche ich mir, egal welches Ziel jeder hat der Abnimmt. Er möge es erreichen und er möge damit seine eigene Mitte finden. Zufrieden sein mit dem Erreichten und stolz sein, auf das war er geschafft hat.

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