Bald 2 Jahre operiert

Die Einen begehen eine Party an ihren Jahrestagen der OP. Die anderen denken still und klammheimlich daran und Lächeln vor sich hin. Und andere vergessen ihn einfach.

Ich gehöre inzwischen zur zweiten Fraktion. Ich gehe damit nicht hausieren und ich werde meinen Jahrestag so gestalten, wie sich mein Alltag immer gestaltet. Keine Party, kein extra Essen-Gehen. Kein gar nichts. Wir sind im Urlaub an meinem Jahrestag und ich werde entweder wandern oder auf dem eBike sitzen und Südtirol unsicher machen.

 

Inzwischen erwähne ich die OP oder die einhergehende Abnahme immer seltenen, bei denen die es wissen. Auch werde ich inzwischen nur noch ganz selten darauf angesprochen. Mein Gewichtsverlust ist nur noch für die ein Thema, die von meiner OP wissen, aber mich seither nicht mehr gesehen haben.

 

Ehrlich gesagt, finde ich das ziemlich gut. Irgendwann wurde es mir zuviel, das ich so oft darauf angesprochen wurde. Vor allem weil es zu über 90 Prozent damit verbunden war, das ich inzwischen viel zu dünn bin.

 

Es hat sich viel getan, seit dem 15.06. 2015. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, war ich trotz SHG, ausführlicher Ernährungsberatung und einem Kostaufbau-Plan ziemlich unsicher zu Hause. Ich habe herumgeeiert, mir die kuriosesten Rezepte ausgedacht, nur damit ich auf mein Eiweiß komme. Ich habe mich von anderen verrückt machen lassen, obwohl es nur gut gemeinte Ratschläge waren.

 

Es ist mir inzwischen wurscht, wenn andere ihre Eiweißmenge mit normaler Nahrung schaffen. Ich brauch halt extra was dafür. Dann esse ich halt Dörrfleisch, Eiweißriegel oder manchmal Eiweißpulver im Kaffee. Scheiß drauf. Ich bin glücklich, das ich nicht den ganzen Tag Fisch, Käse, Fleisch und Co. essen muss. Und mein Körper ist auch dankbar, das er seiner geforderte Eiweißmenge bekommt.

 

Was hab ich mich verkünstelt, wenn wir auswärts essen waren und ich meinen Teller nur zu einem Drittel geschafft habe. Schon beim Bestellen habe ich versucht, so kleinstmögliche Portionen zu bekommen. Und diese Erklärungsversuche meinerseit, beim Bestellen oder Abräumen der Reste. Ich bin froh, das ich da inzwischen viel gelassener bin. Anfangs wollte ich mir keinen Salat bestellen, weil die Reste am anderen Tag welk sind. Heute mache ich das, wenn ich Lust darauf habe und bestelle mir eine kleine Portion. Was übrig bleibt, das geht einfach wieder zurück. Oder ich lass anderes Essen einpacken und geniesse es zu Hause zu einer anderen Zeit. Ich esse nicht von den anderen, ich bestelle mir, worauf ich Lust habe. Und wenn es mal die Portion Pommes sein muss, dann ist es die Portion Pommes. Ich kann aber davon ausgehen, das bei Pommes keine Reste übrig bleiben, den der restliche Tisch stürzt sich mit Vergnügen schon mittendrin drauf.

 

Der Kaufrausch der mich nach den ersten 20 Kilos befallen hat, war finanziell ein Destaster. Auch wenn ich bei Kik und Co. einkaufen war. Vom Klamottenrausch bin ich inzwischen gut geheilt. Ich kaufe wieder im normalverträglichen Rahmen ein. Und: ich muss mich nicht ständig in hauchengen Strecht-Shirts sehen, auch das habe ich hinter mir. Eine leichte Waller-Bluse über der Jeans ist doch noch das bequemste und versteckt so manches gegessene Knödel danach.

 

Meine ausgehenden Haare 3 Monate nach der OP haben mich nicht nur 3 Monate des Lebens gekostet, sondern auch das ein oder andere Versuchsmittelchen. Ich wäre an meinem Haarausfall fast verzweifelt, nach dem man schon bis zur Kopfhaut durchblicken konnte. Heute kann ich mich vor Locken kaum noch retten und sie werden immer noch dichter und lockiger - wenn das überhaupt noch geht.

 

Ob ich am Donnerstag an meinen Jahrestag denken werde? Sicherlich, denk ich jetzt doch mal. Irgendwo in den Südtiroler Alpen, bei einer guten Brotzeit nach einer deftigen Wanderung oder Fahrrad-Tour. Und ich werde still und klangheimlich in mich hinein Lächeln. Ich bin der OP dankbar, den sie hat aus meinem Körper und meiner inneren Einstellung einen anderen Menschen geformt. Ich werde ihn nicht feiern - ich werde ihn geniessen, so wie ich jeden anderen Tag geniesse. Ich werde laufen, radeln, schwimmen, klettern ..... wie ich es seit über einem Jahr beschwerdefrei tun kann.

 

Dieser Bereich meines Lebens macht mich stolz und glücklich.

 

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