Ehrlich zu mir selbst!

Drei Themen beschäftigen mich nunmehr über zwei Jahren ganz gut. Meine Depression, meine beruflich-finanzielle Situation und mein "goldenes Kalb" das Gewicht. Oft habe ich das Gefühl, das ich mich da einfach nur im Kreis drehe und das ich gar nicht loslassen oder "Gesund" werden möchte. Und dann wiederum sehe ich aber auch, das ich mich doch bewege - und zwar nicht nur im Kreis - sondern vorwärts.

Das schwerste ist es dabei, wirklich ganz ehrlich zu mir selbst zu sein und mir einzugestehen, was ich wirklich, wirklich will.

 

Meine Depression:

Die natürlich schon noch da ist, sie zeigt es mir immer wieder eindrucksvoll. ABER, die auf keinen Fall mehr so schlimm ist, wie in meinen schwärzesten Zeiten.

 

An manchen Tagen dient die sie mir, so glaube ich zumindest, auch als einfache Entschuldigung. Das ist verdammt schwer, mir das einzugestehen, weil damit die Angst verbunden ist, das ich sofort wieder Arbeiten gehen muss. Denn - und da zeigen sich Depression und Medikamente - ich brauche viele kleine Pausen, um mehrere Stunden arbeiten zu können. 8 Stunden normale Arbeit am Tag kann ich körperlich noch gar nicht verrichten. Nach ca. 3 Stunden fangen die ersten Konzentrationsschwierigkeiten an, alles was über 4 - 5 Stunden hinausgeht, macht mir aggressiv, weil dann das Bett vor lauter Müdigkeit nach mir ruft.

 

Und so habe ich an manchen Tagen das Gefühl, das ich irgendwie an meiner Depression krampfhaft festhalte und damit selbst den Heilungsverlauf verlangsame.

 

Damit eng verknüpft ist natürlich meine beruflich-finanzielle Situation

Ich habe den Gedanken schon öfters gehabt. bisher aber noch nie laut für mich selbst oder vor anderen ausgesprochen. Diesen Samstag ist es mir dann im Gespräch mit meinem Mann über die Lippen gekommen.

 

Hätte ich die Wahl oder könnte ich es bestimmten, ich würde mir selbst die Rente auf Probe geben. 2 Jahre Rente und danach neu bewerten.

 

Ich fühle mich sehr, sehr wohl in meinem häuslichen Umfeld. Da kann ich nach meinem Tempo und Gusto arbeiten. Ich suche aus, und keiner hat Ansprüche an mich, die mir Respekt einflössen. Ich habe die Gartenarbeit für mich entdeckt und liebe Unkraut jäten. Kann mich meditativ ans Blumenbeet harken machen und mit einem Lächeln 2mal am Tag gießen.

 

Ich mag es, wenn ich an manchen Tagen so richtig viel Energie habe und dann etwas aufwendiges für meine Lieben koche. Oft reicht meine Energie nur für Einfaches oder Brotzeit, was mir hier aber keiner Übel nimmt. Wenn´s mir dann trotzdem mal zuviel wird, dann lasse ich das Vater-Tochter-Gespann an den Herd. Die mögen das auch und haben gleichzeitig gute Gespräche zwischen Gemüse putzen und anbraten.

 

Dieses "Ich würde mit 48 am liebsten schon in die Rente" finde ich verlockend und ist gleichzeitig mit einem schlechten Gewissen bei mir verhaftet. Andere Menschen können doch auch nicht einfach auf lau machen und Vater Staat zahlt das Geld aus. Andere müssen auch für ihren Lebensunterhalt arbeiten gehen. Zumal bei mir ja auch noch eine Menge Schulden sind, die mein Freund abgelöst hat und die ich zurück zahlen muss. Dafür habe ich eine Verantwortung und die möchte ich auch wahr nehmen. Mit dem Haushaltsgeld und den Raten, sollte auch noch etwas für mich übrig bleiben. Kleidung, Kosmetikartikel, mal ein Buch - das alles kaufe ich natürlich von meinem Geld.

 

Und dann stehe ich schon wieder vor dem für mich "unlösbaren Problem", das ich einen qualifizierten Vollzeitjob machen müsste. Nur, zurück in den Vertriebsbereich geht es nicht mehr. Aber die Arbeitgeber, das habe ich in den letzten 4 - 5 Jahren selbst erlebt, reduzieren mich früher oder später immer auf diesen "einen Punkt".

 

Ich bräuchte zumindest eine Weiterbildung oder einen komplett neuen Beruf, um aus diesem Bereich wirklich komplett heraustreten zu können. Dazu fehlt es mir im Augenblick aber an Kraft und Konzentration - oder rede ich mir das einfach nur ein?

 

Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin. Ich will inzwischen nicht noch einmal einen neuen Beruf lernen und mir den Lern- und Prüfungsstress erneut anzutun. Jetzt nicht mehr!

 

Aber ich weiß halt auch keine andere Alternative, wie ich aus dem Vertrieb wegkomme, und gleichzeitig einen qualifizierten Job bekomme. Einen der meine laufenden Kosten und etwas sparen deckt.

 

Diese Alternativlosigkeit stresst mich dann schon wieder und nach solchen Gedankenkreisen, die gerne auch mal mehrere Tage anhalten und mich mehr und mehr frustriert zurück lassen, bin ich stehen K.O. und könnte tagelang schlafend auf dem Sofa verbringen.

 

Da erscheint mir ehrlicher Weise die Rente, mit einem für mich glücklichen Leben im Häuslichen Umfeld doch sehr verlockend. Ist das verwerflich von mir?

 

 

Und immer wieder mein "goldenes Kalb" das Gewicht, mein Körper.

 

Ich würde jetzt  mal sagen, zu 65% geht es mir richtig, richtig gut damit. Ich fühle mich sauwohl und es dürfte, wenn es nach mir geht, immer so bleiben. Mein Leben lang.

 

Die anderen 35% bin ich ein wenig zerrissen, und das was ich Sehe und Fühle ist noch immer nicht ganz im Kopf angekommen.

 

An manchen Tagen wünsche ich mir dann doch wieder die 50,5 kg oder so auf der Waage zu sehen. Wobei mich eine 52,8 kg nicht mehr dazu anspornen würde, einen wirklich strengen Diättag zu halten. Denn wenn ich dann im Spiegel gucke, sehe ich endlich wieder ein normales Gesicht und kein eingefallenes mehr. Ich sehe im Spiegel manchmal, das ich wirklich schlank bin. Komisch, das kann ich nicht jeden Tag sehen.

 

Manchmal nervt mich die kleine Mini-Bauchrolle, die von der Bauchstraffung übrig geblieben ist. Weil sie mich nicht die Unterwäsche tragen lässt, die ich gerne möchte. Und zwar eine, die mitten am Unterbauch aufhört. Ich brauche trotzdem Slips die höher geschnitten sind, sonst rollen sie sich herunter und das fühlt sich für mich immer unangenehm an.  An anderen Tagen widerum denke ich mir: du hast es schon gut getroffen und das bisschen Bäuchlein ist ein Klacks. Und das ist es auch, ehrlich gesagt. Und Gedanken, das evlt. noch mal operieren zu lassen, schiebe ich sofort auf die Seite. Der Unterbauch passt und mit Muskeltraining und Massagen sollte noch etwas zu machen sein. Und ganz ehrlich, wieviel Stunden am Tag sehe ich mich in Unterwäsche oder nackig vorm Spiegel?

 

Genau, ziemlich wenig verglichen mit dem angezogenen Rest des Tages. ;-) Und da sieht man überhaupt nichts von der Mini-Rolle die leicht überhängt.

 

Die Waage - meine Wahrnehmung nackt und meine Wahrnehmung im angzogenen Zustand klaffen immer noch und immer wieder weit auseinander.

 

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich gerne mein Gesicht so wie jetzt, aber 1 - 2 kg weniger auf der Waage ohne dabei in Klamotten dünner auszusehen. Gerne dürfte ich aber dünner am Bauch aussehen, wenn ich nackig vorm Spiegel stehe. Zum Glück ist das Leben kein Wunschkonzert und ich muss selbst grad über meine ehrlichen Gedanken grinsen. Ich bin verwirrt, man habe Einsicht mit mir und meinem Gedanken-Wirrwarr.

 

 

So richtig ehrlich zu einem selbst zu sein, das kann manchmal ganz schön Überwindung kosten und auch weh tun. Man muss sich evlt. Sachen eingestehen, die einen in einem nicht so guten Licht dastehen lassen. So zumindest meine Gedankenwelt. Und es befreit aber auch und bringt mich dann einen Schritt weiter.

 

Fazit:

Ich will also Rente und einfach nur noch Hausfrau sein und meine kleine Familie verwöhnen. Am liebsten für ein richtig tolles Gehalt, damit ich kein Geld vom Staat brauche, die Schulden bezahlen kann und noch ein wenig sparen darf.

Die Waage sollte mich jeden Tag mit meinem imaginären Wunschgewicht beglücken und die hängende Rolle über dem Schamhügel verschwinden. Und das alles aber bitteschön, ohne das ich Gesicht oder Kleidergröße dafür einbüßen muss.

 

Kann das Leben nicht herrlich amüsant sein, wenn man die Dinge mal ganz ehrlich auf das Minimum herunterbricht.

 

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