Peu á Peu

Peu á Peu geht es voran. Vor ein paar Tagen dann auch mal ein großer Durchbruch für mich persönlich. Ich trinke jetzt Kaffee schwarz. Jo, für ganz viele ist das Normalität, da wo ich herkomme ein Wunder.

Ein großer Becher Kaffee war vor Jahren noch mit viel Milch und jeder Menge Zucker vermischt. Jede Menge heißt bei mir: 1 Drittel vom Kaffeebecher war Milch und dazu gehört mind. 6 - 8 Teelöffel Zucker. Der Kaffeelöffel stand quasi in einem Zuckerberg und mir war nach dem Trinken oftmals Übel vor soviel Süße.

Und trotzdem habe ich Kaffee immer so süß getrunken, den wenn weniger Zucker reinkam, hat mein Gaumen das sofort als "zu leer" empfunden.

 

Bei mir persönlich kam die Wende ja mit Stevia in Flüssigform. Am Anfang war der Geschmack noch komisch, dann wurde er mir lieber als Zucker. Ich glaube ich habe meinen Kaffee oder Tee seit 3 Jahren oder so, bei Bedarf mit Stevia gesüßt.

 

Vor einigen Tagen habe ich mich dann geärgert, das ich dieses Mal so langsam voran komme, mit meinem erneuten Muskelaufbau. Und dann habe ich mich erinnert, irgendwo mal gelesen zu haben, das schwarzer Kaffee wie ein natürliches Steroid wirkt. Natürlich in viel geringerer Dosis. Ist mir egal, ob das stimmt oder nicht. Den vor ein paar Tagen dann von einer Sekunde auf die andere der Zucker-Milch-Kaltentzug bei meinem Kaffee. Bäh, das hat erst mal bitter und so überhaupt nicht nach meinem Kaffee geschmeckt.

 

Beim Krafttraining gestern dann die angenehme Überraschung, das ich endlich wieder Gewichte nachlegen kann. Ob es nun an dem schwarzen Kaffee liegt oder nicht - ja mei, Glaube versetzt Berge und der starke, schwarze Kaffee ungesüßt schmeckt inzwischen schon nur noch halb so Bitter.

 

Das gleiche gilt für meine Meditationsversuche. Immer wieder halbherzig angefangen, bin ich nun seit Wochen konsequent und eifrig dabei. Ich habe mir ein Buch dazu bersorgt und übe Woche für Woche eine neue Übung ein. An jeder Übung bleibe ich eine Woche dran. Klar, ich bin weit entfernt vom Beherrschen der Meditation. Immer wieder schweifen die Gedanken in andere Richtungen. Aber es funktioniert auch immer besser. Gerade am Anfang sind Fortschritte ja deutlich Wahrnehmbar. Und das macht mir gerade extra viel Freude.

 

Und so übe ich mich, wann immer ich kann. Und das ist im Alltag viel einfacher, als ich mir vorstellen konnte. Mein Freund konzentriert sich gerne beim Autofahren und ich sitze still daneben. Ein Klacks für mich, die Augen zu schließen und mich auf meinen Atmen zu konzentrieren. Wie fühlt sich ein- und ausatmen in der Nase eigentlich an. Oder ich konzentriere mich auf alle Geräusche und lasse sie an mir vorüber ziehen. Auch gut bei Sonnenschein, sich bei geschlossenen Augen auf die Licht- und Schattenspiel einzulassen.

 

Ich bin da noch ziemlich am Anfang. Aber es macht mir tierischen Spaß und ich merke, wie gut mir das tut.

 

Und so kann ich meinen schwarzen Kaffee sogar noch mit einer Meditationsübung in Verbindung bringen. Mit geschlossenen Augen zu trinken. Mal darauf zu achten, wie er vom Mund in die Kehle rinnt. Ist er noch so heiß, das man den Weg weiterverfolgen kann? Wie schmeckt er? Wie riecht er? Natürlich nie alles auf einmal, sondern immer auf einen der Sinne konzentrieren.

 

Peu á Peu, so ging es auch mit der Bekanntgabe der Depression. Jetzt, ganze 2 Jahre nach Beginn der Krankheit, habe ich diesen Montag meine Eltern mit an Bord geholt. Ich war endlich so weit. Es war zwar immer noch ein komisches Gefühl es ihnen zu sagen. Aber ich konnte und kann jetzt damit umgehen. Nun weiß es jeder aus meinem nächsten Umfeld und ich muss mich nicht mehr ganz so verstellen.

 

So geht es Stückchen für Stückchen voran. Und so sehe ich das auch mit meiner jetztigen Mini-Zunahme. Ich habe mir meinen Text vom letzten Eintrag noch einmal in Ruhe durchgelesen.

 

Im ersten Moment hört er sich frustriert an. Also besser gesagt, ich höre mich frustiert an. Dabei bin ich das gar nicht. Ich habe geschrieben, während ich so ziemlich sachlich und von außen betrachtet meine Situation analysiert habe. Ohne mich oder mein Verhalten zu bewerten.

 

Das hat mir die Klarheit verschafft, die ich gebraucht habe um für mich wieder ins Reine zu kommen. Das hat sich nach dem Niederschreiben und durchdenken auch bemerkbar gemacht. Ich bleibe der Meinung, das ich keine Kalorien zählen werde und ich bleibe auch der Waage fern. Ein Kilo mehr, macht mich halt immer noch leicht nervös. Das bin ich, das ist ok so. Mein Weg sind die Hosen. Wenn die anfangen zu kneifen, muss ich einfach langsamer machen.

 

Klar will ich meine gewonnene Figur und die Freiheiten die ich mir dadurch erarbeitet habe, nicht mehr hergeben. Sei es Bewegung, mal sündigen zu können, die Art wie ich mich jetzt kleide oder das ich nun ohne Scheu im Bikini am Beckenrand liege.

 

Auch da muss einfach jeder Einzelne seinen Weg finden. Waage und Aufschreiben stressen mich zumindest jetzt noch zu sehr. Und zuviel Stress lässt mich immer das Gegenteil von dem machen, was ich eigentlich möchte. Soviel habe ich inzwischen über mich heraus gefunden. Also heißt es erst einmal den Stress nicht zulassen und einen anderen Weg einschlagen. Und damit bin ich gerade glücklich.

 

Mein Maßstab ist bei meiner Größe von 155 cm also die Kleidergröße 36 von BonPrix oder Charles Vögele. Sie soll einfach gut sitzen, ohne zu kneifen. Damit sehe ich frisch, sportlich und gesund aus. Weder verhärmt im Gesicht, noch stehen meine Rippen im Rücken oder unteren Brustkorb hervor. Das tut es nämlich, wenn mir die 36er Jeans von Kik passen, die kleiner ausfallen, als in vielen anderen Geschäften.

 

Mein anfänglicher Hype, schlank, schlanker und noch schlanker zu werden ist einem gesunden Aussehen gewichen. Es fehlt jetzt nur noch der Mittelweg, was Essen und Sport anbelangt. Es ist zwar schon viel besser geworden. Aber ich neige immer noch zu Extremen, wenn auch nicht mehr ganz so oft oder ganz so extrem.

 

Ich bin zuversichtlich, das das auch noch wird - irgendwann. Auch glaube ich immer noch daran, das man ein schlankes Leben führen kann, ohne das man dafür ständig die Waage oder das Kalorienzählen braucht.

 

Und weil das so ist, habe ich für heute Abend gleich mal eine kleine Runde auf dem Bike mit meinem Freund geplant. ;-)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0