Wendepunkte

Zurück vom Urlaub, mit vielen neuen Erfahrungen. Dabei habe ich den ein oder anderen Wendepunkt für mich erlebt.

 

Obwohl ich am Anfang gar nicht begeistert war, schon wieder für ein paar Tage wegzufahren (ich bin einfach ein Nesthocker). Es hat richtig viel Spaß gemacht und wir haben einiges erlebt und uns gut erholt.

 

Dabei hatte ich auch einige Aha-Erlebnisse. Höhenangst - Höhenweg - Depression.

Dieses Mal hatten wir uns für die andere Seite des Gardasees entschieden.  Das letzte Mal waren wir ja oberhalb von Limone. Dieses Mal waren wir oberhalb vom Malcesine am Fuße des Monte Baldo Gebirges.

 

Wie immer hat mein Mann zielsicher dafür gesorgt, das einige Höhenmeter zwischen uns und sämtlichen Restaurants in der Umgebung waren. So stand vor dem Essen der Abstieg von 370 Höhenmeter an und nach dem Essen der viel schlimmere Aufstieg von 370 Höhenmeter. Aber ich habe es wie immer überlebt und mein motzen wird seltener.

 

Gleich am zweiten Urlaubstag hatten wir die anspruchvollste Wanderung gesetzt - rauf ins Monte-Baldo-Gebirge. Wir hatten ein Zimmer in Sichtnähe der Mittelstation für die paar Tage. Leider war der direkte Weg zur Mittelstation gesperrt, wegen einem Abgang. So haben wir schon über eine Stunde alleine zur Mittelstation der Gondel gebraucht. Bergauf - Bergab natürlich, das erklärt sich von ganz alleine. Dann kam eine relaxte Gondelfahrt auf über 1700 m auf die Bergspitze. Und da war auch schon der erste meiner Wendepunkte.

Noch bevor ich in die Gondel einstieg, sagte ich wo ich stehen wollte, weil ich fest vorhatte meine Höhenangst zu verlieren. War im Grunde genommen egal, ob ich nach oben oder unten schauen wollte, die Gondel drehte sich nämlich während der Fahrt einmal um die eigene Achse. Und siehe da, es hat auch funktioniert. Ich musste kein einziges Mal meine Augen schliessen und konnte den Ausblick seit vielen Jahren endlich mal wieder entspannt geniessen. Das war noch im letzten Urlaub nicht möglich, da ging es mit geschlossenen Augen in der Gondel zum Beispiel die Zugspitze hoch. Alles andere verursachte Panik, schwitzige Hände und einen komplett steifen Körper der nicht mehr reagieren wollte.

Das war wie weg geblasen, ich konnte es später beim herunter fahren ja noch einmal testen.

 

Oben dann der nächste Wendepunkt. Zum ersten Mal ging ich einen Höhenweg auf 1.700 Meter, ohne mir vor Angst in die Hose zu machen und ohne ständig darüber nachzudenken, wie schmal der Weg um die nächste Ecke wird. Und er wurde schmal, teilweise nur 2 Fußbreit und nebendran gings munter steil bergab. Sonst gab es immer riesige Diskussionen mit meinem Mann und er musste mich oft händenhaltend führen. Nichts da! Ich ging auch hier vollkommen entspannt den Trampelpfand über viele Höhenmeter bergauf und bergab, bevor es dann wieder in die Gondel und anschliessend zu Fuss zur Unterkunft ging. 12 Kilometer - über 700 Höhenmeter! Mein Mann findet, ich bin bereit für die 1.000 Höhenmeter. Ein besseres Kompliment gibt es für mich nicht.

Der dritte Wendepunkt in diesen 5 Tagen am Gardasee war, als ich plötzlich wußte, das ich jetzt wirklich auf den Weg der Besserung bin. Ratschläge wegen meiner Depression oder den Umständen, das ich seit 2 Jahren nicht arbeite - ich höre sie mir an, denke darüber nach. Aber Dinge die ich nicht mehr umsetzten kann oder will, das behalte ich seit Neuestem einfach für mich. Das erspart mir eine Menge Diskussionen, mein Gegenüber konnte seinen Ratschlag anbringen und ich entscheide im Stillen, ob er gut für mich ist.

 

Das ist gut für mich, weil ich mich noch mal Besser auf die REHA einlassen werde und alles rausziehen werde, was sie mir anbietet.

 

Und zum ersten Mal seit langer Zeit ist auch eine Vollzeitarbeit für mich überhaupt denkbar. Ich will versuchen, das mich die REHA und die Rentenversicherung bei der Suche für den richtige Arbeit unterstützen. Und es muss inzwischen durchaus keine Umschulung mehr sein, den ich habe soviel Wissen im Laufe der letzten 40 Jahre angesammelt, das reicht aus.

 

Ich bin ausgebildete Hotelfachfrau und Mediengestalterin. Habe einen IHK Abschluss als Fachkauffrau für Marketing und fast 30 Jahre Berufserfahrung. Mir fehlt, glaube ich, einfach nur der Abstand, um hier die passenden Schnittstellen für mich zu finden. Dafür brauche ich professionellen Rat von Außen. Und das erhoffe ich mir inzwischen von der REHA und der Rentenversicherung.

 

Stimmungsschwankungen sind inzwischen im normalen Bereich angesiedelt. Das merke ich auch an der Nachricht von der Krebserkrankung meines Papas. Ich sorge mich und würde ihn am liebsten in Watte einpacken, aber es macht mich nicht mehr schwermütig.

 

Und so war auch die Feier der "Goldenen Hochzeit" meiner Eltern gestern ziemlich entspannt für mich. Ich habe viele Verwandte getroffen, die ich nur bei solchen Anlässen sehe und es war ein reger Austausch. Mein Cousin und seine Frau haben seit einigen Monaten auch eBikes und fahren damit gerne in die Fränkische. Ein guter Aufhänger, das sie uns besuchen kommen und wir gemeinsame Touren fahren. Die Jungs stramm voran und wir Mädels im gemäßigteren Tempo hinterher. Wir haben nämlich gestern festgestellt, das für unsere Jungs grundsätzlich jede Strecke die ideale Mountainbike-Strecke ist. Egal ob sich ein Glettersteig oder 100 Stufen in den Weg stellen. Dann werden von den Jungs halt kurzerhand beide Fahrräder hochgetragen. ;-)

 

So, die nächsten Tage wird es wohl knapp. Mein Mann und ich, wir wollen hier noch mal kräftig aussortieren, den endlich nähert sich das Carport seiner Fertigstellung und wir können Tabula Rasa bei unseren "obligatorischen Lagerplätzen" machen.

 

Und am Freitag morgen rücke ich ja in die Klinik ein und werde noch am Vormittag operiert. Also ein weiterer Wendepunkt in meinem neuen Lebenskapitel wird eingeläutet und ich freue mich immens darauf.

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