Ich kann es kaum erwarten

Seit Freitag Mittag bin ich wieder zu Hause. Ich war im ersten Moment ganz geschockt, als ich erfahren habe, das ich entlassen werde. Öhm, Mittwoch war ich doch erst verspätet, so gegen 15:30 in den OP gerollt worden. Die OP an sich dauerte 4 Stunden und nicht einmal 48 Stunden später durfte ich schon wieder nach Hause?!?

Das ging aber nun mal wirklich ratzfatz und hat mich von den Socken gehauen.

 

Wobei mir die Narkose dieses Mal wirklich nach hängt. Ich habe von Freitag bis Sonntag fast die ganze Zeit geschlafen. Unterbrochen nur für kleinere Arbeiten und etwas Essen. Nicht mal lesen oder so. Wenn ich wach war, habe ich durch die Gegend gestiert, weil ich zum Lesen oder Surfen einfach zu müde war.

 

Die ersten Blicke auf meine neuen Brüste konnte ich schon erhaschen. Noch sieht es echt komisch aus. Durch den Verband nach der OP und den Kompressions-BH sind sie zwar echt breit an der Basis, aber auch Flach wie Flunder. *g* Weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll. Als wäre ein Auto drüber gefahren und hätte sie platt gedrückt.

 

Und ich kann es nun kaum noch erwarten, bis ich die ganzen Kompressions-Wäschestücke abnehmen darf und in normale Unterwäsche schlüpfen kann. Ich gebe zu, ich habe es schon mal ganz kurz ausprobiert. Wollte doch wissen, ob das Körbchen passt. Und was soll ich sagen, es ist ein wunderschönes C-Körbchen geworden. Und das Beste daran? Ich habe keine zusätzlichen Kissen dafür gebraucht. Der Arzt war einfach klasse, er hat ganz vorsichtig an jeder Brust nur die Haut entfernt. Es war soviel Restgewebe von meinem ehemaligen, großen E-Körbchen übrig, das er daraus eine C machen konnte.

 

Ich bin glücklich und auch demütig, das mein Körper mir das auf natürliche Weise gestattet. Und auch der Bauch. Die Wulst ist fort, unglaublich. Wenn ich an mir herunterblicke, habe ich nun einen geraden Bauch, so ganz ohne Wulst. Er ist natürlich noch geschwollen und ich werde immer ein kleines Bäuchlein haben und das ist Gut und Schön so. Aber es ist eben keine Wulst mehr, die plötzlich anfängt und noch plötzlicher auffhört. Die Unterwäsche rollte sich nicht mehr schmerzhaft auf die Naht zurück, sondern sie bleibt da, wo ich sie hingezogen habe.

 

Zwei Drittel des OP-Weges sind nun geschafft und ich merke, das ich das erste Mal auch richtig im Körper ankomme. Ja, das bin ICH, im eigentlichen Sinne und wie es die Natur mit mir vorhatte. Keine überstehenden Knochen, alles gleitet am Knochenbau entlang, also meine natürliche Figur.

 

Ich gehöre zur Fraktion: zierliche Elfe, schon alleine weil ich so klein bin und einen schmalen Körperbau habe.

 

Meine Ernährungsberaterin, bei der ich immer Nachsorge habe, hat mich auch kurz besucht. Wir hatten ein wirklich wunderbares Gespräch und ich merke immer mehr, das ich mich in die richtige Richtung bewegung. Und zwar in meine eigene Richtung.

 

Ich habe mir immer die Zeit gewünscht, wo sich das Essen und die Figur auf natürliche Weise regeln, ohne große Regeln. Das ist natürlich immer Ansichtssache, das ist mir klar. Den meine 2 mal die Woche Kieser Training sind für mich keine "Regel", sonder Alltag. Ich hinterfrage nicht mehr, ich "Mache" es einfach.

 

Wir haben uns von unseren Urlauben erzählt und das ich da immer nach Herzenlust schlemme und trinke, worauf ich Lust habe. Und das ich trotz sehr viel Bewegung immer mit Urlaubspfunden nach Hause komme. Ich gleichzeitig aber nach einigen Tagen auch wieder Sehnsucht nach leichtem, gesunden Essen bekomme. Und da hat sie mir erzählt, sie war bei sich zu Hause im Ruhrpott. Ruhrpott und Currywurst rot-weiß sind dort Pflichprogramm und sie freut sich jedes Mal wieder darauf. Also hat sie sich sage und schreibe 4 Tage von Currywurscht rot/weiß mit Pommes ernährt. Sie hat dabei die Augen verdreht und gegrinst. Aber danach ginge es ihr wie mir, sie kann es nicht mehr sehen und sehnt sich nach ihrem leichteren Alltagsessen.

 

Und dann hat sie mich angesehen und gemeint: Mensch, bei ihnen hatte ich echt Anst. So verbissen mit den Kalorien und der Waage. Und jetzt essen sie überwiegend gesund, weils ihnen schmeckt und lassen aber an gewissen Tagen die Sau raus. Genau richtig, das ist normales Essverhalten, nichts anderes.

 

  • Ich bin auf dem Weg zu wirklich normalen Essverhalten, ohne noch mein Essen notieren zu müssen!
  • Ich bekomme nicht mehr die Krise, wenn andere Kochen, weil ich dann vemeintlich die Kontrolle über Fett und Zucker verliere.
  • Ich liebe es, wenn mein Schatz seine heißgeliebte Fischpfanne in Tomatensoße macht und eine ganze Packung Kokosnussmilch reingibt. Das schmeckt oberlecker und es sind zudem auch so richtig gesunde Fette!
  • Seit gestern kann ich auch Teilen ;-). Er kam mit einer ganzen Packung handgemachter Pralinen und Trüffel nach Hause. Ich hab das kleine Obstmesser gepackt und wir haben jede Mini-Praline geteilt. Ich konnte dann mal eben vier oder 5 Sorten probieren und geniessen und hatte trotzdem nicht die Welt an Pralinen.
    Schokolade fördert die Serotoninausschüttung --> Serotonin macht Glücklich --> ich bin glücklich, weil ich weiß das es dazu keiner ganzen Tafel Schokolade bedarf, sondern mir ein paar Bisschen von handgemachter Schokolade viel besser schmecken.
  • Es gibt kein böses Essen das dick macht. Es gibt Essen, das dich glücklich macht. Das dich mit seinem Duft in deine wohlbehütete Kindheit entführt und du mit einem Lächeln im Gesicht an deine Großeltern denkst. Aber wer will schon Tag und Nacht in seine Kindheit zurückportiert werden. Und ganz ehrlich, die Fischpfanne von meinem Schatz erinnert mich nicht an meine Großeltern, aber lässt mich vom Urlaub in der Karibik träumen und von mir im Bikini am Strand entlanglaufend. (Grins, Bo Derek sei gegrüßt oder eben auch Baywatch)

 

Mittlerweile gucke ich wieder hie und da nach Stellen. Es beginnt mir wieder Spass zu machen. Ich sehe mich wieder in Arbeit. Ich weiß eben nur noch nicht, welche Arbeit. Ich sehe mich zu Hause in Arbeit, für mich alleine. Ich sehe mich schreiben und organisieren. Aber das macht mir keine Angst mehr, den zusammen mit den Menschen in der REHA möchte ich herausfinden, was genau meine Arbeit ist.

 

Die Zukunft ist nicht mehr schwarz, sie wird wieder Blau wie die Hoffnung. Immer wieder habe ich Tage, Stunden, Minuten ... da taucht aus dem Nichts mein Depri-Monster auf und nimmt mich von hinten in die Mangel. Egal ob Sonnenschein, größte Freude oder sonstige Stimmung. Es nimmt darauf keine Rücksicht.

 

ABER: ich will auch keine Rücksicht mehr auf meine Depri-Monster nehmen. Es hat mich lange genug klein gehalten. Also arbeite ich mit Bildern. Ich kann gut mit Bildern und Texten, das hilft mir, die Dinge auf meinen Geist herunter zu brechen. Und so stelle ich mir mein Depri-Monster seit einiger Zeit wie das blaue Krümmelmonster vor. Und spätestens dann, wenn mir das Krümmel-Depri-Monster durch die Gehirnwindungen geht, muss ich anfangen zu grinsen. Es hilft mir, mich aus dessen Klauen zu befreien, weil es duch die Vorstellung der Gestalt an Bedrohung für mich verliert.

 

Ich wünsche mir daher, das es mit einem neuen, für mich passenden Job klappt. Ich werde mich nach der REHA wieder bewerben. Gezielt auf Dinge, die ich während der REHA erarbeitet habe und ich werde aussortieren. Ganz langsam kommt also wieder die Strahlkraft für meine Zukunft durch und das macht mir Freude.

 

In die REHA will ich meinen Laptop mitnehmen, Ich will schreiben, schreiben, schreiben. Das war ich erlebe, wie ich mich erlebe, wie ich andere erlebe. Ich will das allerdings im Erzählstil machen und nicht wie im Blog hier. Ich will meine erste kleine, eigene Geschichte schreiben. Ein kleines Erzählbuch, das hoffentlich viel Humor inne hat. Die Figuren (meine Mit-Patienten) überzeichnen und ihre Characktere so miteinander verweben, das sie eine neue Person für sich ergeben. Vielleicht wird eine Liebesgeschichte daraus? Vielleicht lasse ich mir eine Leiche in der Klappse einfallen. Ich habe keine Ahnung, mal sehen was meine Fantasie hergibt.

 

Und vor allem! Mal sehen, ob es die Zeit dann auch wirklich zulässt, oder ob ich gerade zuviel am Träumen bin. Ich lasse mich überraschen.

 

Ich kann es kaum erwarten,
die Unterwäsche die endlich sitzt!

 

Ich kann es kaum erwarten,

die neuen beruflichen Aufgaben

die auf mich warten!

 

Ich kann es kaum erwarten,
zu sehen, ob ich wirklich Schreiben kann

und es endlich auch mal in Angriff zu nehmen!

 

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