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Ich schlage ein neues Kapitel auf

Ja ich gebe zu, der Titel des Blogs ist eine Provokation. Aber ich habe ihn sehr bewusst gewählt. Ich wollte provozieren und zwar mich alleine.

 

Das wird mein Tagebuch werden, so lange ich in der Psychosomatischen Klinik an mir selbst arbeite. Ich bin gespannt, ängstlich, aggresiv, neugierig und noch so einiges mehr.

Und ich weiß auch gar nicht, ob ich jeden Tag zum Bloggen komme. Vielleicht bin ich zu müde, vielleicht zu sauer auf mich selbst, vielleicht mit meinen Mit-Depressiven auf der Walz, ein Bierchen trinken. Keine Ahnung, ich lasse es auf mich zukommen.

 

Das schreibt sich leicht, nach 3!!! heißen Amarettos mit Sprühsahne. Und es tut gut!

Nach dem ich heute den ganzen Tag in einer Art Seelenstarre verbracht habe. Wieder zu nichts zu gebrauchen, aber gut. So ist es nun mal.

 

Und weil das so ist, helfe ich morgen gleich noch einmal mit in der Firma. Mein Mann braucht mich und ich brauche ihn. Das ist unsere Art vom Nehmen und Geben.

 

Außerdem brauche ich meine freien Tage am Montag und Dienstag für mich. Ich habe das Gefühl, das mir gerade die Zeit zwischen den Finger zerinnt und die REHA näher ist, als mir lieb ist. Gleichzeitig habe ich mir heute einige Male gewünscht, ich wäre schon in der Klinik.

 

Die banalsten Fragen lassen mich mal wieder routieren. Wieviel Geld werde ich da wohl brauchen. Muss ich mein Konto erneut dafür überziehen oder kann ich das vom gemeinsamen Haushaltsgeld nehmen?

 

Muss ich mit den anderen "Leidens-Insassen" fort oder darf ich mich einigeln?

 

Kann ich meine Lust aufs ungesunde Essen dort etwas reduzieren oder setzt mir der Aufenthalt noch mehr zu?

 

Hach, Fragen über Fragen, die mich gerade beschäftigen, die es nicht wert sind, das sie sich in meinem Kopf drehen.

 

Aber es geht auch noch banaler:

  •  muss ich Waschmittel mitnehmen
  • warum kostet einmal Waschen dort soviel, das geht von meinem Budget weg
  • warum darf man nicht im Zimmer fernsehen, warum muss alles in der Gruppe gemacht werden?
  • habe ich genug Zeit für mich
  • wie sieht mein Tagesablauf auf

 

Hach, ich will - ich will doch nicht - ich wünschte es wäre schon vorbei.

 

Muss ich danach wieder arbeiten, bin nich dann gesund und die Arbeitsagentur kann mich unter Druck setzten?

 

Ich will  arbeiten - ich will nie wieder arbeiten - ich muss arbeiten - die Gesellschaft erwartet das ich arbeite! Und was will ich? Ich will und will doch nicht.

 

Ich sehe mir jeden Tag Stellenanzeigen an. Das zieht mich komplett runter, weil ich keine Lösung für mich sehe.

 

Genug im Amaretto-Dunst zugegeben und die Seele blank gelegt. Jetzt lege ich mich auf´s Sofa und geniesse den restlichen Abend mit meinem Mann.

 

An meinen Mann, der das nie liest, weil er die Seite nicht kennt:

 

Ich liebe dich mein Schatz.

Ich liebe dich, weil du in der ganzen Zeit keinen Schritt von mir gewichen bist.

Ich liebe dich, weil du an manchen Tagen für mich stark bist.

Ich liebe dich, auch wenn ich mal wieder über die ein oder andere Körperdelle klage und du nicht weißt

wovon ich spreche.

Ich liebe dich, weil du mir ständig hilfst - auch aus meiner finanziellen Falle.

Ich liebe dich, weil du mich so liebst, wie ich bin!

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Kommentare: 2
  • #1

    Gitte (Samstag, 28 Oktober 2017 20:03)

    Hallo Michaela, ganz toll geschrieben. Deine momentane Gefühlswelt, deine Liebeserklärung an deinen Mann, einfach super. Ich wünsche dir für den Aufenthalt in der Psychosomatischen Klinik, dass du dich "fallenlassen kannst" und viele positive Impulse bekommen wirst. Es wird auch dort immer wieder Höhen und Tiefen geben (ich habe so einen Aufenthalt ja auch schon hinter mir, ist zwar schon ewig her, aber ich kann mich an alles noch sehr gut erinnern). Es werden bestimmt auch viele Tränen fließen - war zumindest bei mir so - und es wird auch zum Teil "hammerhart" werden, wenn die Psyche und vor allem auch die Vergangenheit "aufgewühlt" wird, aber ich denke dass all das auch zur "Heilung" führen wird/kann... Aber zusammen mit den Therapeuten, Ärzten, Mitpatienten und auch dem "Rahmenprogramm" wie Bewegung, Wohlfühl-Aktivitäten und auch zum Teil unbeschwerten, netten, lustigen Abenden bzw. Veranstaltungen hilft es bestimmt auch dir weiter.... Ich wünsche dir auf jeden Fall toi toi toi und werde an dich danken. Liebe Grüße Gitte

  • #2

    Fräulein M. (Dienstag, 31 Oktober 2017 10:56)

    Danke liebe Gitte!
    Und ich fand es toll, dich mal wieder am Telefon zu hören. Ich werde mir deine Tipps auf alle Fälle zu Herzen nehmen.