Essensalltag und Buchempfehlung

Es gibt ja noch etwas anderes in meinem Leben, als Therapie. Auch wenn ich aktuell gerade in einer REHA bin. Ich beobachte mich ja selbst gerne und hoffe, das läuft noch unter "gesundem Narzismus" ;-)

Aber mir sind in den letzten Tagen schon die ersten Dinge in meinem Essverhalten aufgefallen.

 

Zusätzlich ist mir in ziemlich provokatives und unumwunden ehrliches Buch in die Hände gefallen, vom dem ich gerne ein bisschen erzählen möchte. Vielleicht ist es ja interessant.

Ich muss jetzt Gefühle aushalten, nicht mehr so wie daheim, wo ich es mit Grasen überdecken kann. Aber Holla die Waldfee, das fällt mir manchmal schon arg schwer. Ich habe die letzten Wochen nämlich schon recht häufig Kleinigkeiten gegessen, wenn ich nicht wußte wohin mit mir.

 

Jetzt habe ich zumindest zu den meisten Nahrungsmitteln nur kontrollierten Zugang. Ich finde das gut, den das ständige Grasen ist mir eh ein Dorn im Auge. 5 Mahlzeiten am Tag sind völlig in Ordnung, aber das darüber hinausgeht, dient nicht mehr zur reinen Nahrungsaufnahme, sondern nur noch so.

 

Für den Nachmittag packe ich mir nun immer gezielt ein Stück Obst ein und eben bin ich auf die Idee gekommen, das ich mir für den Abend anstatt Obst einen kleinen Salat oder Rohkost mitnehme. Zum Glück habe ich eine Tupper von zu Hause mitgebracht.

 

Ansonsten finde ich es gut, das ich nun nebenbei lerne, meine Lust auf Essen ohne Essen zu kompensieren. Und in fünf Wochen, kann man, denke ich einen guten Grundstock legen.

 

Ja und dann, auch wenn es nicht aufgefallen ist, habe ich endlich ordentliches Internet. War beim großen A und habe mir einen Webstick und das Starterpaket besorgt. Habe einen ordentlichen Empfang hier und muss nun endlich nicht mehr mein Handy als Hotspot missbrauchen.

 

Aber ehrlich, das hat mich die komplette erste Nacht beschäftig, so ein Kinderkram. Kleine Dinge werden bei mir zu einer übergroßen Herausforderung. Und so war ich erleichert, als dann spätabends endlich die neue Verbindung stand.

 

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Ja, das Buch. Ich bin durch meine Online-Bibliothek darauf gestossen und habe es mir ausgeliehen.

Es heißt: "Das dicke Ende" und ist von Dr. med. Burkhard Jahn. Es ist nichts für sensible Seelen und spricht schonungslos die Wahrheit aus. Der Sprachstil ist ähnlich, wie der von Fettlogik. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen. Hier geht es aber in erster Linie nicht um Diäten oder Kalorien zählen. Hier geht es offen und ehrlich darum, warum Dick nicht Schick ist. Der Arzt schildert dratisch, wohin die zuvielen Kilos führen können und das man irgendwann nur noch sehr schwer aus der Spirale ausbrechen kann.

 

Er schiebt den Dicken keine Schuld zu, den Schuldzuweisungen bringen nichts, außer das man in Kontrastellung geht und sich anfängt zu erklären, warum es bei einem selbst nicht geht. Er spricht die Verantwortung an. Die Verantwortung für den eigenenen Körpfer, den man irgendwann abgegeben hat. Er erzählt den Kreislauf, wenn ein Medikament kommt, warum dann oft schon das nächste kommt. Das es Hand in Hand geht mit Knochen, Skelett, Psyche und ... und ... und. Er sagt einen direkt ins Gesicht: wenn man auf Partnersuche ist, dann zählt im ersten Moment einfach doch das Äußere. Die inneren Werte erschliessen sich erst. Und damit hat er leider einfach recht. Das Arbeitsplatzsuche schwieriger ist, Klamottensuche oft unbefriedigt.

 

Klar, nichts das man nicht selber weiß. Aber den wirklich, ehrlichen, gemütlichen Moppel gibt es nicht, auch wenn man mit seinen Pfunden wuchert und sich selbst auf den Arm nimmt.

 

Ich habe jetzt knapp die Hälfte gelesen und musste schon einige Male schlucken. Und einige Male habe ich mich dabei ertappt, wie ich innerlich "du A-Loch" ausgesprochen habe. Und trotzdem hat er Recht und ich bin froh, das er den Finger in die Wunde legt.

 

Er geht im letzten Drittel auf das Abnehmen und auf das Halten ein. Und wegen dem Halten habe ich es mir gekauft. Und trotzdem bin ich froh, das ich auch die erste Hälfte des Buches mitgenommen habe. Ich empfinde es als starken Tobak in der Wortwahl, aber am Ende brauche ich keinen der "das wird schon, jeder hat mal einen schlechten Tag" oder mich sonst liebevoll aufpeppelt.

 

Das hat mir 30 Jahre lang nichts gebracht. Der Autor ist mir Fremd, der darf so Dinge zu mir sagen. Den ich will mir nichts mehr schön reden, ich will schlank und vor allem GESUND bleiben. Und da helfen einfach nur ehrliche Worte bei mir.

 

Wer auf Ehrlichkeit steht, wer die Folgen der Adipositas und was am Ende auf ihn zukommt, ertragen kann - der sollte das Buch lesen.

 

Wer weiter vor sich hin diäten möchte und lieber sanfte, nette Worte braucht -->  Finger weg davon!

Das sollte man sich erst antun, wenn man mit der schnöden, teilweise verletztenden, aber herzergreifend ehrlichen Art umgehen kann.

 

Und all jene, die es so wie ich schon ganz viele Jahre versucht haben und immer wieder gescheitert sind, es ist fast eine Pflichtlektüre, würde ich sagen. Den auch ich könnte irgendwann wieder scheitern.

 

Da lese ich lieber zwanig Mal das Wort FETT und das ich mich mit Verantwortungslosigkeit selber ins Grab bringe, als das mir noch einmmal einer mit schönfärberei daher kommt!

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