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Tränenreich -schwarz auf weiß

Ich hatte heute kurz vor dem Mittagessen das Einzelgespräch mit meiner Bezugstherapeutin. Mir ging mein Popos auf Grundeis, den noch vor wenigen Tagen hatte ich bei unserem Kennenlern-Gespräch gesagt, das ich das mit dem Essen alles "voll unter Kontrolle" habe.

Sie hat mich erzählen lassen, einiges Hinterfragt. So manche meiner Gedanken auf den Prüfstand gestellt und mich gefragt: was den besser war, mit 48 -51 kg?
Und ich musste zugeben: nichts war besser, außer das mir die Hosen vom Hinter gerutscht sind und ich mich immer noch viel zu dick fand.

Oder warum ich so stolz darauf bin: das ich in diesem Sommer noch eine kleinere Kleidergröße wie meine 17-jährige Ziehtochter habe.

 

Ich konnte ihr diese und andere Fragen nicht beantworten, den ich weiß es selbst nicht. Wie oft ich mich mit Essen und meinem Gewicht beschäftige. Den ganzen lieben, langen Tag. Ich träume teilweise Nachts, das ich wieder Dick bin. Wenn ich Nachts aufwache, lege ich immer prüfend die Hand auf den Unterbauch, er könnte ja über Nacht groß geworden sein und die Beckenknochen sind wieder unter Fleisch verschwunden.

 

Ich neige zu Extremen. Entweder futtere ich soviel, wie mein Magen zulässt. Und weil er nur noch klein ist, muss ich halt den ganzen Tag essen. Ich habe also eine Essatacke über den kompletten Tag verteilt. Und wenn ich schreibe, ich esse den ganzen Tag, dann meine ich das wortwörtlich so. Den 70 % des Tages bin ich ja alleine zu Hause, da kann ich das heimlich machen. Ein Wunder, das ich nicht schon wieder aus allen Nähten platze. Und dann kommt das schlechte Gewissen und ich drücke mich über Tage vor dem Essen. Nur das nötigste und nur im Beisein anderer Menschen, so das es nicht auffällt. Ebenso das Abführmittel.

 

Wie ein Häuflein Elend saß ich da vor ihr, meinen selbstgebastelten Handschmeichler aus Speckstein in den Fingern. Der hätte eigentlich noch poliert werden müssen, das ist jetzt fast nicht mehr nötig.

 

Hier in der Klinik haben sie drei Ansätze für eine Essstörung. Eigentlich sollte ich von der Ausprägung her von der Depressions-Gruppe in die Essgestörten-Gruppe gehen. Aber sie hat selbst bemerkt, das ich dazu noch nicht bereit bin. Und so werden jetzt die mittleren Geschütze aufgefahren.

 

Das heißt:

  • ab jetzt muss ich mich jeden Montag wiegen und ich muss mich mit meinem Gewicht auseinandersetzten
  • ich darf in der Klinik nicht abnehmen, auch wenn das mein Plan war, weil ich hier ja nicht jederzeit ans Essen komme
  • ich habe ab jetzt Ernährungstherapie, wo die Psyche mitgenommen wird
  • ich muss wieder täglich ein Esstagebuch inkl. den Gefühlen vor und nach dem Essen führen

Das einzige was bei mir wegfällt, ist das ich unter Aufsicht essen muss.

 

Meine Hauptgruppe bleibt aber die Depressionsgruppe, damit ich dort die berufliche Findung machen kann und wie es jetzt dann mit mir weiter geht. Auch wenn jetzt und hier im Augenblick in der Klinik die Essstörung den emotional größeren Raum für mich einnimmt.

 

Ich fühle mich gerade überfordert und hilflos. Bin aber gleichzeitig froh, das ich den Mut hatte ihr das zu erzählen. Jetzt kann mir auf beiden Gebieten geholfen werden.

 

Jo, das Mittagessen konnte ich heute nach dem Einzelgespräch natürlich komplett knicken. Mir ist der Appetit vergangen und weil ich ja erst Morgen das Esstagebuch führen muss ..... alles Mist, Quatsch und vollkommener Unsinn.

 

Auf alle Fälle hatte ich eben gleich nach dem Mittagessen das Konzentrationstraining. Hier wurde erst mal ein Test in mehreren Teilen gemacht, damit man weiß wo unsere Schwächen liegen und danach wird das Trainingsprogramm erstellt.

 

MERKE: mache nie, nie, nie einen wichtigen Test nach einem aufwühlenden Gespräch. Ich habe eine gnadenlos schlechte Bewertung. Quasi null Reaktionsvermögen. Tue mich extrem schwer, wenn ich mich auf zwei Dinge auf einmal konzentrieren soll (Ton und Kreis) und konzentriere mich daher nur auf eines.

Einzig und alleine was das Wörtegedächtnis anbelangt, da liege ich über den Durschschnitt. Yes, jiepphiee, tschaka.

 

Jetzt habe ich erst einmal Pause, nach dem ich heute Morgen alleine bis zum Mittagessen schon 3 Termine hatte und seit dem Mittagessen schon wieder 2 Termine. Für Heute folgt noch ein letzter Termin: Arbeitsgruppe für Arbeitslose und Berufsorientierung. Darauf freue ich mich schon sehr und ich erhoffe mir eine Menge davon.

 

Ansonsten reicht es mir für´s Erste. Auch wenn ich es innerlich wußte und immer verneint oder verharmlost hatte. Es dann zuzugeben, ist schon schwer. Es dann von einer Fachkraft bestätigt zu bekommen, das ist gleich nochmals schwerer.

 

 

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