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Zweite Woche

Heute bin ich echt geschafft, aber nach 7 Terminen (Beratungen, Vorträgen, Therapien) darf man das auch sein. Mittwoch und Donnerstags sind  bei den meisten von uns immer die stressigsten Tage. Irgendwie wird da jeder von uns mit Terminen zugeballert. Aber der Arbeitstag ;-) ist ja jetzt auch vorbei und ich kann entspannen und runterkommen.

Ja, wie war es Heute? Es war ne Menge los und eine Menge, das mich bewegt hat. Sowohl in den Beinen, als auch im Hirn.

 

Es ging mit Feldenkrais los und es war wieder so entspannend, wie schon vor zwei Tagen. Was mir nach Feldenkrais heute besonders aufgefallen ist, weil es letztes Mal auch schon so war. Mein Nacken ist mega verspannt. Der Rest vom Körper entspannt so sehr bei mir persönlich, das ich danach die Verspannungen im Nacken erst recht merke.

 

Danach war ja PMR, durch das sitzen und An- und Entspannen im Nacken hat sich die Muskulatur noch mehr verspannt und es kam Kopfschmerz hinzu. Bekommen wir aber mit einer guten Nacht wieder hin.

 

Dann stand wieder das Konzentrationstraining auf dem Plan. Mal habe ich mich mit Müh und Not auf das Level 4 hochgearbeit, nur um gleich wieder auf das Leben 2 abzufallen. Den mit jedem Level war mehr auf dem Bildschirm los und es ging um Reaktionszeit. Am Ende konnte ich mich dann doch wieder auf Level 4 hocharbeiten. Bis Level 16 geht´s am Ende.

 

Beim zweiten Teil wurde dann das Gedächtnis geübt. Wie bei Memory wurden dir erst mal drei Bilder gezeit, die sollte man sich merken. Dann wurden die umgedreht und wir mussten jeweils das nachgefragte Bild finden. Drei Bilder war für mich schnell zu schaffen. Bei vier Bildern hatte ich dann auch Fehlerquoten, je nach Bilderthema. Bei 5 Bildern (so weit bin ich heute gekommen) war der Ofen aus. Ich habe mich teilweise bei manchen Durchgängen so arg verklickt und dann überhaupt nichts mehr gewußt. Da ging es dann nur noch nach dem Zufallsprinzip. Ich war sauer, enttäuscht und agressiv. Am liebsten wär ich aus dem Zimmer und hätte losgeheult.

 

Danach gings zu der Depressionsgruppe. Hier wird wenig über persönliche Probleme gesprochen, sondern die Krankheit in ihren Facetten erklärt, wie man damit umgeht und was man für Möglichkeiten hat. Leider ist ein Mitpatient komplett aus sich heraus und wir anderen saßen stocksteif und wie angewurzelt da. Er hat soviel Wut und Agression in sich, mein lieber Schorli. Ich nehme zurück, das ich manchmal agressiv werde. Er war wie ein Tsunami und sein Ausbruch der über viele Minuten immer wieder erneut aufflammte schoß nur so über uns hinweg. Brauche ich kein zweites Mal und könnte ich mir was wünschen, dann: er möge bitte nicht mehr in unserer Gruppe auftauchen. Aber das wird nicht der Fall sein, wir sind die kompletten 5 Wochen eine feste Gruppe.

 

Abends dann noch ein Vortrag über Ernährung. Vieles weiß ich, einiges war mir neu. Aber ich kann es nicht auf mich runterbrechen. Da sollte man z.B. 4 Port. Brot und eine Port. Beilagen je Tag essen.3 Port. Gemüse, 2 Port. Obst, 3 Port. Milchprodukte und 1 Port. Käse, 2 Port. Fett und es steht sogar noch 1 Port. Süßes oder Knabbriges auf dem Plan. Alles zusammen sollte rund 1.500 kcal haben + den zusätzlichen Energieumsatz, den man so erwirtschaftet.

 

Da bekomme ich einfach die Krise. Zusätzlich soll ich ja seit Heute wieder Ernährungstagebuch führen. Jetzt sitz ich da und esse unter Druck und Kontrollzwang. Das heißt, ich gucke gerade extrem, das ich ja nicht zuviel esse. Lieber habe ich ein flaues Gefühl im Magen.

 

Habe ich bis vorgestern extrem viel und ständig gegessen, esse ich jetzt nur noch das Nötigste. Kein Mittelmass. Und ich soll jeweils die Gefühle davor, danach aufschreiben. Ich esse unter Druck, bin verunsichert, habe Angst. Laufe seit gestern Abend mit dem Gedanken, das ich die nächsten Tag Abführmittel nehme, den ich muss erst am Montag das erste Mal auf die Waage. Vollkommen bescheuert und es gerät mal wieder außer Kontrolle. Jetzt sagt man halt einfach: dann iss halt endlich gescheit, du weißt doch wie das geht. Theoretisch weiß ich das sehr genau - aber der Kopf lässt ein umsetzten nicht zu.

 

Jetzt habe ich zum Beispiel ein flaues Gefühl im Magen, sprich der Magen ist leer. Ich habe eben schon zwei große Tassen Tee getrunken und ich werde mir gleich nochmal zwei machen. Dabei liegt noch eine halbe Scheibe Käsebrot neben mir und eine Brezel für den Abend. Weil ich ja weiß, das ich später immer noch Hunger habe. Ich will das jetzt so lange hinausschieben wie möglich, weil ich Angst habe, das wenn ich das jetzt schon esse, ich später nochmals hungrig werden könnte. Ich kann das jetzt nicht essen, obwohl ich es möchte.

 

Ich habe Angst, das sich das sofort auf den Hüften zeigen könnte. Daher auch der Drang nach Abführmittel. Wenn ich jetzt bis Montag schnell 1 - 3 Kilos abnehmen könnte, dann hätte ich ja doch ein wenig Gewicht in der Therapie verloren, auch wenn mir das ab Montag untersagt wird. Weil: ich muss lernen, diesen Druck zu regeln und ich muss diese jetztige, mir unbekannte Zahl auf der Waage aushalten können.

 

Hm, alles sehr konfus und schwer verständlich, weil ich müsste ja einfach nur machen und mich nicht so anstellen. Leider ist es überhaupt nicht einfach. Ich hätte am liebsten, die Ernährungsberaterin würde mir einen klaren Plan geben, von was ich wann, wieviel essen soll mit meinem Schlauchmagen. Ich brauche was zum entlanghangeln, weil ich jeglichen Bezugspunkt verloren habe.

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Kommentare: 2
  • #1

    Elelen (Samstag, 11 November 2017 17:24)

    Ach, du Arme. Du machst dir selbst den meisten Druck. Es tut mir schon fast weh, wenn ich zwischen deinen Zeilen lese.

    Ich kenne die Gedanken aber auch, die aufkommen, wenn man weiss, dass man vor fremden Augen auf die Waage muss. Ich habe an solchen Tagen immer nichts getrunken, manchmal auch am Vortag schon nicht, um nicht das Getrunkene auf der Waage mitzuwiegen. Wie blöd das ist, weiss ich selbst. Bei dir ist das noch blöder, denn du bist schlank und auf ein paar Gramm mehr oder weniger kommt es den fremden Augen gar nicht an. Es sind deine eigenen Augen, die ein Urteil fällen.
    Bitte bleib aufrichtig, dir und allen anderen gegenüber, denn das hört sich nicht mehr gesund an und sprengt auch den Rahmen dessen, was man nach einer Schlauchmagen-OP so als Verhalten an den Tag legt.

    Gute Gedanken in deine Richtung.
    Elelen

  • #2

    Margarita (Samstag, 11 November 2017 20:28)

    Genau, das ist nicht mehr "gesund" und es ist auch unabhängig von irgendeiner Adipositas-OP oder ab man Schlank oder Dick ist.
    Es ist eine psychische Krankheit und wir arbeiten seit dieser Woche daran, herauszufinden, wo die Wurzeln stecken.
    Darum ist dies hier auch ein guter Ort, um mir das endlich auch selbst einzugestehen.