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Gute Zeiten, schlechte Zeiten ;-)

Das mit dem Ton für meine 1-jährige Entdeckungsreise muss warten, habe ich grad beschlossen. Ist ja doof wenn ich da munter schreibe und kein Bild mit reinstelle. Töpfern ist auf alle Fälle super ... ähm superschmierig, superdreckig, superglitschig und supercool. Auch wenn ich komplett Talentfrei auf dem Gebiet bin, lass ich da kreativ und emotional die "Sau" raus.

Hinter mir liegt eine anstrengende Therapiewoche, von der ich froh bin, das sie Heute um kurz vor 15:00 Uhr zu Ende ging.

 

Es gab einige sehr interessante Pflichtvorträge über Gesundheit und Ernährung, wo ich ganz schön Bauklötze gestaunt habe. Bei mir wurde übrigens leicht erhöhtes Cholesterin festgestellt, war ganz überrascht. Den bisher ist in den letzten beiden Jahren nichts bekannt gewesen. Muss wohl an den letzten paar Wochen vor der Therapie liegen. Ich konnte ja quasi keiner Schokolade, Nuss, Gummibären oder Chips aus dem Weg gehen. Nö, die ganzen Dinge hatten sogar noch mich als Fahrservice gehabt und ich hab das Zeugs tütenweise angeschleppt und heimlich aufgegessen.

 

Bin froh, das sich diese Gelüste wieder vollkommen in Luft aufgelöst haben. Mir reichen schon die anderen Baustellen, die ich aktiv bearbeite.

 

Muss nächste Woche zu einem Hörakustiker gehen, dort testes man meinen Tinitus und macht eine Hyperakusiesbestimmung. Was auch immer das nun wieder sein soll. Das legt meine Bezugstherapeutin mit in die Akten für die DRV (Deutsche Rentenversicherung). Und da habe ich heute den Termin bekommen, für die Beratung hier im Haus. Ende November darf ich mich dort vorstellen und die Beraterin gibt dann hoffentlich eine Empfehlung auf Weiterbildung oder Umschulung. Was auch immer.

 

Ansonsten geht in meinem Hirnkasterl gerade der Punk ab, aber eher Unterbewusst. Weder grüble ich, noch denke ich den ganzen Tag "mein Gott ich bin ein Depressivchen". Mir geht es gut hier und ich fühle mich wirklich gut aufgehoben. Und trotzdem habe ich von Montag bis Freitag nur sehr wenig jede Nacht geschlafen. Da hat es auch nichts geholfen, das ich den kompletten Tag über wach blieb. Schlafmangel bedeutet bei mir leider nicht nur Müdigkeit, sondern in dem Zustand halt auch, das ich einen Depressionsschub bekomme und dann wie in Trance komplett teilnahmslos durch den Tag maschiere. Nichts kommt im Hirn an, ich bin wie abgeschnitten.

 

Heute war es dann soweit. War schon beim Frühstück sehr einsilbig, die tägliche Morgenrunde auf Station habe ich über mich ergehen lassen. Und bei der Therapiestunde mit der Basisgruppe war der Ofen dann komplett aus. Egal was ich gemacht habe, ich konnte mich nicht fokusieren und den Gesprächen folgen. Immer wieder zog sich mein Hirn, der Verstand und das Bewusstsein in mich selbst zurück. Ich habe die komplette Therapiestunde wie aus der Ferne beobachtet und konnte überhaupt nichts beitragen. Ich bin danach sofort niedergeschlagen ins Bett und habe tief und fest geschlafen. Das Mittagessen lief ohne mich und es war mir schnurz. Zwei von den Mädels haben nach mir geguckt und wie es mir geht.

 

Um 14:00 Uhr hatte ich eh noch einen Termin, von daher hatte ich noch gut Zeit zum wach werden. Ich war bei meiner Sozialtherapeutin, mit der ich meine berufliche Zukunft bespreche. Der Termin hat mir gut getan und mir einen kleinen Schub verpasst. Ich habe gefragt, ob ich freiwillig eine BELA (Belastunsprobe bei einem Praktikum) machen darf. Sie fand das gut, das ich selbst nachgefragt habe. Sie hat sich meinen Lebenslauf durchgelesen und noch einige Fragen gestellt. Büro ja, aber nicht mehr so, wie in der Vergangenheit. Vertrieb auf KEINEN Fall, bitte ganz, ganz weit weg. Ich habe über 10 Jahre Berufserfahrung im Vertriebsinnendienst. Das heißt: Angebot, Rechnungen, Aufträge, Präsentationen, Briefverkehr, Termine koordinieren, Telefongespräche, Telefonzentrale, Büromittelbestellung, Speditionen beauftragen, Post....

 

Eigentlich ein ziemlich großes Spektrum. Aber da ich keine offizielle Kaufmännische Lehre habe, hatte ich bisher keine Chance in den Bereich unterzukommen. Hier wollen wir ansetzen.

 

Also nächstes wurden dann die Rahmenbedinungen für meinen Arbeitsplatz besprochen. Und wir haben festgestellt, das ich mich nur noch teilweise für die Freie Wirtschaft eigne. Besser wären Arbeitgeber, wie: Schulen, Altenheime, Kliniken, Stadtwerke, Bibliotheken, Verwaltungen. Gerne Publikumsverkehr, aber halt nicht mehr soviel und Zeit, das ich die anfallende Bearbeitung ohne viel Plublikumsverkehr abarbeiten kann.

 

Die BELA-Maßnahme wird natürlich im Team besprochen. Sollte ich das Glück haben und sie mitmachen dürfen, würde man versuchen, mich für eine Woche direkt hier in der Stadt unterbringen. Es wären jeden Tag 4 Vormittagsstunden, damit es nicht zuviel wird. Danach fülle ich einen Fragebogen aus, und der gleiche Fragebogen wird noch einmal von der Mitarbeiter/in ausgefüllt, die mich angeleitet hat. So wird versucht herauszufinden, wie belastbar ich in dem Arbeitsumfeld bin und ich kann sehen, ob mir der Bereich auch liegt.

 

Sollte ich eine Empfehlung von der Beraterin der DRV bekommen, werden wohl ca. 2 - 3 Monate ins Land ziehen, bis ich eine Einladung zu der für mich zuständigen DRV bekomme. Ich weiß ja inzwischen, das das Nürnberg ist, weil ich da schon mal vorstellig war.

 

Ein erneuter Hoffungsschimmer für die berufliche Zukunft, auf die ich mich sehr freue. Mein Mann meinte heute Abend dann auch: "und wenn du nur mehr 25 Std. die Woche arbeiten kannst oder willst, das ich auch vollkommen in Ordnung." Will ich natürlich nicht ;-), aber es nimmt mir zusätzlich Druck von den Schultern.

 

Wegen meiner Essstörung muss ich ja nun Tagebuch führen. Tja, ich steck da wohl schon seit Jahren drin, ohne es bemerkt zu haben. Das hat nix mit zu dünn oder zu dick zu tun, sondern das kann durchaus auch bei normalgewichtigen Menschen vorkommen. Wenn natürlich auch nicht so oft.

 

Mein Gedankengut dreht sich nur ums Essen, Kalorien (obwohl ich ja nicht zähle), gut und schlech tund Figur und ... und ... und. Auf alle Fälle geniesse ich mein Essen schon seit ganz vielen Jahren nicht. Also nicht, das es mir nicht schmeckt und ich zum Beispiel die knusprige Hähnchenhaut nicht geniessen würde. Nö, nö, das kann ich durchaus.

 

Was anscheinend besorgniserregend ist, ist das es immer mit einem schlechten Gewissen und irgendwelchen Restriktionen danach verbunden ist. Das hat sich in mein Hirn eingebrannt. Überbacken ist schlecht! Sahnesoße ist schlecht! Schokoladen-Knuspermüsli ist schlecht! Es gibt immer noch Kategorien bei mir, die ungut sind. Und ich schiebe keinen Bissen über die Lippen ohne davor oder danach zu überlegen, ob das jetzt gut oder schlecht oder zuviel war. Essen hat KEINEN Stellenwert bei mir.

 

Müsste man meinen es hätte einen zu hohen Stellenwert, wenn ich den ganzen Tag darüber nachdenke. Eben nicht, wurde mir erklärt. Ich achte weder meinen Körper, noch geben ich meinem Essen die Beachtung, die es verdient. Ich habe eine über die Rübe (liebevoll natürlich) bekommen, als ich hier anfing von KH, Eiweiß, Proteinen, Fett und so zu sprechen. Boah, Essen hat einen Namen und ist keine Sache. Wenn dann heißt das dann Sättigungsbeilage oder noch besser Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Hirse...... Essen ist seit vielen Jahren bei mir also nur noch ein Mittel zum Zweck und wurde vollkommen von mir Artverfremdet.

 

Nun gut, ich glaube ich hatte ja schon geschrieben, das ich eine Empfehlung für meine Krankenkasse bekommen. Nach dem ich ja für meine KK austherapiert bin, schlagen die hier jetzt dann zwei unterschiedliche, ambulante Therapien für mich vor. Einmal die Weiterbehandlung meiner Depression und einmal eine Behandlung für meine Essstörung. Und zwar keine Ernährungsberatung, wie meine Mama heute fälschlicherweise meinte, sondern eine Therapie bei einem Psychologen der sich auf Essstörungen spezialisiert hat.

 

Ach ja, meine Eltern waren heute auch da. War mir Anfangs zuviel, aber am Ende hat es dann doch sehr gut getan. Mit meiner Essstörung habe ich dieses Mal nicht hinterm Berg gehalten, so wie mit meiner Depression. Jetzt ist es eh schon egal. Meine Mama hat dann gefragt, ob es mit dem Schlauchmagen zusammen hängt. Das konnte ich verneinen, jetzt fällt mein Essverhalten nur viel leichter auf. Wenn man fast 100 kg bei 155 cm wiegt, fallen 10 Kg weniger oder mehr nicht auf. Bei  meinem jetztigen Gewicht fällt jedes Pfund das ich weniger wiege extrem auf.

 

Ich dürfte hier jetzt nichts abnehmen, laut Therapeutin. Das wird mir aber zuviel. Ich setze ihre Essvorschläge schon um, aber die Zwischenmahlzeiten wollen mir selbst bei leichtem Hunger nicht über die Lippen. Da will ich jetzt aber auch gar nicht dran arbeiten, weil mir das in großen Teilen eh schon zuviel ist. Die Depribehandlung erfordert meine ganze Aufmerksamkeit und Kraft. Und ich kann mich einfach noch nicht komplett auf die Essstörung einlassen.

 

Meine Bezugstherapeutin hat gemeint, das würde jetzt auch gar nichts bringen. Ich sollte zu Hause eine ambulante Therapie beginnen und wenn ich dann noch einmal intensive Unterstützung brauche, noch mals eine Klinische Therapie machen. Aber vielleicht entzerrt sich das ja auch ein wenig, wenn ich beruflich wieder eine Zukunft habe.

 

Mein Mann macht mir auf alle Fälle jetzt immer Komplimente. Er trägt ja sein Herz nicht gerade auf der Zunge und ist nicht der romantische Wortakrobat. Er zeigt mir seine Lieber eher mit seinen Handlungen und Taten. Aber gerade jetzt mit der Essstörung will er mir nun zeigen, das er mich so, wie ich bin, wunderhübsch findet. Ein ziemlich ungewöhnliches Gefühl für mich, den das kannte ich so nicht wirklich.

 

Mein geschiedener Mann konnte zwar auch Komplimente machen, aber die liefen dann so ab: "Du bist echt hübsch, aber wenn du schlanker wärst, wärst du noch hübscher" Bäm, ich hätte ihn gleich eine Knallen sollen. Ich habs ihn aber auch gesagt, das er  das mit den Komplimeten sein lassen kann, weil er sie danach ja selbst wieder entwertet und das somit eben kein Kompliment ist.

 

Und wieder ist es so spät. Morgen haben wir unsere Stationsaktivität. Pflichtprogramm - ich wollte eigentlich nicht mit, nach dem ich in so einem Loch bin. Aber ich rauf mich zusammen, das tut mir wahrscheinlich richtig gut. Danach gehe ich in die Stadt, kaufe mir alles für eine schöne Maniküre und so Dingens für Gesichtsmasken, den wir sollen jetzt 2mal pro Woche nur war für uns machen. Gesichtsmaske hatte ich seit 20 Jahren schon nicht mehr und meine Nägel waren das letzte Mal bei meiner Hochzeit 2004 lackiert. Wird mal wieder Zeit! It´s girls time also bei mir.

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