· 

BELA - sanfter Start

Heute war der Beginn meiner 5-tägigen BELA (Belastungserprobung) in einem Klinikum und der Start die die Woche viel deutlich sanfter aus, als von beiden Seiten geplant und erwartet wurde.

Mit der BELA ist jeden Morgen und Mittag ein ca. 15-minütiger Spaziergang durch die Stadt verbunden. Ich merke, das mir die paar Schritte echt gut tun und ich damit jeden Tag sicherlich auf meine "um die 10.000 Schritte" kommen werde. Und die frische Luft und der Regen machen meinen Kopf frei.

 

Also gut, meine BELA. Ich war heute morgen schon ganz schön nervös, weil ich ja nicht wußte, was auf mich zukommt. Laufe ich nur mit oder bin ich für eine Aufgabe verantwortlich. Das hatte sich ziemlich schnell geklärt. Ich habe meine eigene(n) Aufgabe(n), für die ich eine kleine Verantwortung trage. Gelandet bin ich in der Abteilung QM (Qualitätsmanagement) und soll hier erst einmal alle Umfragebögen in eine Access-Datenbank eintragen. Das ganze wird codiert in die Datenbank eingetragen und ich muss jeweils Kästchen zählen, wo genau angekreuzt wurde. Natürlich sind noch andere Dinge zu beachten, aber das ist schwer zu beschreiben.

 

Zuerst fanden sie meine Zugangsdaten für den Gast-Laptop nicht. Also gingen wir erst einmal die Datenschutzbestimmungen durch und erledigten die anderen Formalitäten. Nach einer Stunde waren meine Zugangsdaten dann auch zur Verfügung gestellt, leider konnte man trotzdem nicht auf die Datenbank zugreifen. Die musste erst über einen Server auf mein Netzwerk verschoben werden und für mich freigegeben werden. Um kurz nach halb Zehn schickte man mich dann erst einmal wieder zurück. Das schien wohl alles nicht so einfach zu sein.

 

Für mich war das schon die erste Belastungsprobe. Warum? Weil ich dann das schlechte Gewissen habe. Erstens, weil sie mich so kurzfristig untergebracht haben. Zweitens, weil ich den guten Mann seit über eineinhalb Stunden von seiner eigenen Arbeit abhielt und ich mir dann einfach wie ein Störenfried vorkam.  Ich musste innerlich schmunzeln, als ich mich bei meinen Gedankengängen ertappte. Den seit in die Depressionen habe, suche ich die Fehler grundsätzlich immer zuerst bei mir.

 

Ich habe mich gut mit dem Herrn unterhalten und der meinte dann, das ich mit Nichten ein schlechtes Gewissen haben bräuchte. Den, sie wären anscheinend nicht gut genug auf mich vorbereitet und das, obwohl sie das letzte Mal auch schon so Probleme zu Beginn hatte. Sie hätte nichts aus ihren eigenen Fehlern gelernt. War gut für mich, die andere Seite zu hören und für mich nebenbei noch eine kleine Lektion.

 

Ich nahm natürlich nicht den direkten Weg zu meinem Klinikum, sondern nutzte den freien Vormittag um mich bei Ernstings mit einem kurzen Tellerrock, passender Bluse und einer passenden Jacke auszustatten. Mein Geld wird hier regelmässig in Kleidung investiert. Aber was willste auch großartig machen in deiner freien Zeit. Ich male, ich höre Hörbücher, ich surfe, ich denke und nebenbei shoppe ich wie blöde für mich. Mein Freund hat zum Glück mit den Augen gezwinkert und gelacht, als ich ihm von meinem Shopping-Marathon hier berichtet habe. Hat er gemeint, das das hier natürlich schon doof sei.

 

Na, ich hab regelmässig an ihr gedacht, als ich wie wild neue BHs (die endlich sitzen und so richtig toll an mir aussehen) und passende Unterwäsche dazu gekauft habe. Er freut sich schon, die Winterkollektion 2017 zu Hause zu inspizieren und ich soll mir für den Sommer dann ruhige wieder neue Wäsche kaufen.

 

Mein Schatz, mein Schatz, mein Schatz. Es tat so gut, als er am Sonntag da war. Punkt halb Zehn fuhr er vor und wir hatten wirklich eine tolle Zeit. Ich muss uns öfters mal Trennen, den dann trägt er sein Herz auf der Zunge und das tut mir unendlich gut. Endlich, nach 5 Jahren kam ihm von ganz alleine über die Lippen: Ich liebe dich!  Das habe ich bisher noch nie gehört. Ich hab dich lieb - ja. Ich liebe dich - nein.

 

Das er das nach 5 Jahren zum ersten Mal zu mir sagt. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich das wertschätze, weil ich weiß das ihm so etwas nur schwer über die Lippen kommt. Das macht es für mich noch wertvoller, als es im Grunde ja schon ist.

 

Morgen Vormittag kommt dann die Deutsche Renterversicherung Bund ins Haus und ich habe ein Gespräch. Dauer ist ca. 40 Minuten. Danach gehe ich kurz essen und dann werde ich hoffentlich voller DRV-Freude, leicht und beschwingt in Richtung BELA federn.

 

Ja, Federn ist gut. Das Leben beginnt immer öfters, sich endlich wieder "Federleicht" anzufühlen. Endlich öffnen sich für meinen Geist auch wieder Türen. Früher war es so: schloss ein Türe, sah ich mind. drei neue Türen für mich aufgehen.

 

Sprich, aus meinem Unterbewusstsein kamen sofort immer Alternativen, die ich am Ende dann oft noch besser fand, als das Original. Das blieb mir die letzten Jahre ja verschlossen. Und hier taste ich mich merklich gut wieder voran.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0