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So weit weg und doch ganz nah

Wie weit ich mich doch eigentlich von meinem Ursprungsthema entfernt habe inzwischen. Eigentlich wollte ich für mich meinen Weg von Dick nach Dünn dokumentieren. Es sollte mich erinnern, wenn es mir schwer fiele beim Halten.

 

Davon fühle ich mich inzwischen Lichtjahre entfernt und trotzdem noch immer ganz nahe. Eines hängt irgendwie mit dem anderen zusammen und so ist eine ganze Landschaft für mich persönlich entstanden.

 

Was als Abnahmeprojekt startet, wurde für mich zu einem "Projekt zu mir selbst". Schreiben sortiert aus, ich kann Situationen, Gedanken und Sachverhalte anders betrachten. Als wäre ich eine neutrale Person. Ich habe während des Schreiben so oft schon eine Lösung gefunden, auf die ich sonst nie gekommen wäre. Input bekommen und mich neu sortiert.

 

Zusammen mit der Reha war dieser Blog die beste Entscheidung für mich persönlich. Mein ständiges Auf und Ab, das Hin- und Herschwingen von Berufen, Meinungen, Essverhalten, Bewegungsabläufen. Immer wieder zeigt es mir auf, das ich mich mitten in einem lebendigen Prozess befinde und sich dadurch meine Meinung auch immer anpasst und ändert.

 

Über zwei Jahre wußte ich nicht, was ich beruflich Tun sollte. War es das schon, geht es so weiter bis ich in Rente gehe. Mit meiner Depression wußte ich zwar, das ich nicht mehr zurück möchte. Habe mich aus lauter Verzweiflung aber doch im Gedanken wieder darauf eingelassen. Oder auch, weil ich es als Vernünftig fand. Einfach auch, weil ich schlicht und ergreifend nicht wußte, wohin mit mir und was mir überhaupt gefallen könnte.

 

Ich habe ganze Bücher durchforstet, mir im Internet die Finger wundgesucht. Ich bin auf Berufe gekommen, von denen ich dachte, sie könnten mir gefallen. Bei näherem Hinsehen konnte ich mich aber dann doch nicht darin wiederfinden. Ich habe sie mir teilweise nicht zugetraut oder ich wußte, das ich das finanziell nicht gebacken bekomme. Wobei, wenn einer der Berufe eben "das Eine" gewesen wäre, dann hätte ich ganz andere Energien reingesteckt.

 

Hier in der Ruhe und in der Reha bin ich mir selbst sehr nahe gekommen. Meine Blätter, die ich mit Kompetenzen, Fachwissen, Werte, Wünsche ..... in der letzten Woche gefüllt habe .... sie haben mich weitergebracht.

 

Je ruhiger und leiser es inzwischen um mich herum ist, umso wohler fühle ich mich. Das heißt nicht, das ich keine Menschen um mich mag, nein im Gegenteil. Aber meine Kerntätigkeit würde ich gerne in Ruhe und einer gewissen Gelassenheit ausüben. So das es immer wieder Ruheinseln für mich gibt und ich bei der Arbeit Energie tanken darf.

 

Dann habe ich auch die nötige Energie um die "andere" die lautere und hektischere Arbeit wieder gelassen zu bewältigen.

 

Noch bin ich in der Findungsphase, aber ich werfe schon einmal die ersten Seile aus. Ich werde zu Hause einen Meditationskurs und einen Kurs für Autogenes Training besuchen. Autogenes Training kenne ich von Früher, aber hier wurden uns nur Geschichten vorgelesen, was dann eher einer geführten Meditation glich.

 

Mit verschiedenen Kursen will ich nun herausfinden, ob ich mir vorstellen kann, so etwas selbst zu lernen und zu lehren. Anfangs hatte ich noch eine Trainerausbildung in MBSR im Sinn. Meine Begeisterung verpuffte aber schnell als ich die Veranstaltungsorte und die Kosten sah. Dann dachte ich mir: gut, hier sehe ich zuerst die Probleme und lasse mich davon beeindrucken. Willst du so einen Kurs den wirklich, wenn du nur die Schwierigkeiten siehst? Nein, habe ich bemerkt, das wäre mir zuviel für den Augenblick.

 

Und dann habe ich nachgedacht, was dem den in Teilen verwandt ist und nicht so intensiv und lange von der Ausbildung ist. Teil von MBSR sind Achtsamkeit, Meditation und Autogenes Training. Hier gibt es auch Ausbildungen ganz in meiner Nähe und vor allem Kurse, damit ich es noch einmal selbst als Interessierter erfahren darf.

 

Ob es das sein wird? Das weiß ich noch nicht, erst einmal ausprobieren. Aber alleine schon, das ich mich wieder bewege und nicht mehr nur schwarz sehe, finde ich einen tollen Erfolg. Meine Sicherheit kommt langsam zurück. Was habe ich den zu verlieren, außer die ersten Kursgebühren und ein paar entspannende Abende?

 

Ich war die letzten Jahre ein lauter, aufgedrehter Mensch, der gerne und oft die Klappe auf hatte. Ich kann sehr leicht Kontakte knüpfen und bin das Gegenteil von schüchtern. Und nun beginne ich das ruhige an mir zu entdecken und es gefällt mir. Als Hotelfachfrau habe ich Menschen ein Zuhause von Zuhause gegeben. Ich habe versucht, ihnen eine gute Zeit zu bereiten. Ich mag das immer noch gerne, Menschen eine gute Zeit zu bereiten. Ich brauche nur nicht mehr den Trubel drumherum. Keine 5-Sterne-Hotels an den exotischten Orten.

 

Heute brauche ich einen ruhigen Ort, einen Ort wo ich anderen Menschen evlt. eine Auszeit von dem täglichen Lärm und Stress in ihrem Alltagsleben geben kann. Wo auch ich zur Ruhe komme, wenn ich andere zur Ruhe kommen lasse. Ja, ja, das hört sich alles viel zu romantisch an. Aber es muss mich nicht ernähren, das ist vielleicht mein Zauberstab, der mir den Mut gibt. Es wird eben meinen Vernunftberuf geben, den ich max. 30 Stunden die Woche machen und es wird meine Berufung geben, bei der ich Energie tanken darf.

 

Vielleicht ist meine Berufung auch, in aller Stille Blumensträuße binden oder bei unserem Bauern am frühen Morgen beim Ernten helfen (er sucht händeringend jemanden für ein paar Stunden jeden Tag) Ich weiß es nicht. Es ist ein Abenteuer und gehe gerade die ersten zögerlichen Schritte. Aber ich gehe sie.

 

Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?
Vincent van Gogh

 

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