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Die Koffer sind gepackt

Zumindest fast ... bis auf die letzten Kleinigkeiten, die Frau noch so braucht, bis es los geht.
Die Bilder sind von den Wänden und es sieht inzwischen wieder sehr unpersönlich aus, in meinem Zuhause der letzten Wochen. Ich freue mich tierisch und dennoch gehe ich mit Respekt nach Hause.

Ich habe viel geschafft, ich hoffe das ich es zu Hause gut umsetzten kann und das es so weiter geht, wie die letzten beiden Wochen.

Meine Ton-Mädels habe ich heute das erste Mal mit gebrannter Glasur gesehen. Sie sind sicher verstaut, zwischen all meiner Kleidung. Ich werde sie zu Hause schön ablichten und dann reinstellen.

 

Ansonsten lasse ich den Abend ebenso ruhig und harmonische Ausklingen, wie die letzten 10 Tage. Lesen, autogenes Training, Blog schreiben, Hörbuch hören und nebenbei Mandala ausmalen. Nur nicht stressen sondern einfach auf mich selbst besinnen. Der Alltag holt einen schneller ein, als einen lieb ist. Wer kennt das nicht.

 

Heute hatte ich die Abschlussbesprechung mit der Bezugstherapeutin oder besser gesagt, mit der Urlaubsvertretung. Mit welchen Gefühlen ich nach Hause gehe, in wie weit ich meine Ziele erreicht habe, welche ich mir zu Anfang vorgenommen habe. Wie ich zu Hause weitermache und ob mein Netzwerk an Nachbehandlung steht.

 

Und mir wurde berichtet, was alles in meinem Entlassbrief stehen wird.

  • Entlassung mit einer rezidivierenden mittelgradigen Depression (noch vorhanden)
  • beidseitiger Tinitus
  • Hyperakusis
  • Ausfallerscheinungen wegen Bandscheibe
  • noch in medikamentöser Behandlung
  • Nachbehandlung in Form von Verhaltenstherapie dringend empfohlen
  • Esstherapie dringend Empfohlen

Des weiteren wurde vermerkt:

  • keine Nachtschicht
  • kein Großraumbüro
  • keine Tätigkeit mit überwiegender Telefonarbeit
  • keine Tätigkeit unter Druck
  • KEINE Vermittlung in das alte Berufsfeld (dafür dauerhaft krank geschrieben)
  • keine Tätigkeit mit einseitiger, körperlicher Belastung
  • keine Tätigkeit mit schwerer körperlicher Belastung

 

Ich werde als Gesund entlassen, weil ich eine Weiterbildung bei der Rentenversicherung beantragt habe. Hier stehen die Chancen für weiterbildende Module, die auf meine Kauffrau aufbauen sehr gut. So lange dieser Antrag läuft, beziehe ich zwar Arbeitslosengeld, jedoch darf ich nicht vermittelt werden.

 

Ansonsten ist meine zukünftige Vermittlung für die Arbeitsagentur doch recht eingeschränkt. Aber da ich inzwischen andere Pläne für mich habe und ins Büro nur noch max. 30 Std. zurück möchte, lässt mich das augenblicklich sehr gelassen. Ich kann wohl auch mit anderen Arbeiten meinen Lebensunterhalt verdienen. Der Weg dahin dauert natürlich etwas und bis dahin eben eingeschränkt Büro. Ziel sind auf alle Fälle wieder 35 - 40 Std. die Woche und darauf freue ich mich.

 

Ich habe schon großen Respekt, den hier hatte ich 6 Wochen einen sehr geregelten Tagesablauf. Die Therapie war harte Arbeit, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe nur wenig Nächte durchgeschlafen oder länger als 5 Std. geschlafen. Das ist fast ein durchgehendes Phänomen in einer Psychosomatischen Klinik.

 

Am meisten hat mich überrascht, das ich hier eine berufliche Perspektive für mich entwickeln konnte. Eine, die ich mir so gar nicht vorstellen konnte. Aus der Enttäuschung, keine Umschulung zu bekommen, ist zwischenzeitlich pure Erleichterung geworden. Meine Therapeutin hat mich hier auch positv bestärkt. Sie sind beide der Meinung, das eine Vollzeitstelle im Büro für mein Naturell denkbar angeeignet ist. Das motiviert mich zusätzlich, endlich mit Ende 40 meinen Weg zu suchen. 18 Jahre Arbeit sind noch so lange und ich sollte aus meiner Arbeit so oft wie möglich auch Kraft schöpfen können und Stress die meiste Zeit als positiv empfinden. Wenn dann negativ stressige Zeiten anbrechen, mich diese nicht mehr so schnell aus aus der Bahn werfen.

 

Rückblickend muss ich sagen, das mich mein langer Zusammenbruch nun nicht mehr wundert. Zu erst die Scheidung von meinem ersten Mann. Dann die Unsicherheit Anfangs, das mich mein Schatz wegen meiner Figur verlassen könnte. Der Entschluss, endlich gesund zu werden und abzunehmen. Der Druck, das ich die Schlauchmagen-OP bekomme. Die schnelle Abnahme, die mein Kopf nicht geschafft hat. Die Essstörung, die mich ziemlich einholt und mir mit jeden Tag bewusster wird. Der ständige Stress mit Arbeitgebern in den letzten 7 Jahren und der aktive Vertrieb. Ich hätte es kommen sehen müssen, kannte mich bisher abert nur als Macherin, die immer alles gewuppt hat.

 

In den letzten zweieinhalb Jahren war ich auf mich selbst zurück geworfen. Ich war extrem über-verletztlich und habe vieles persönlich genommen. Ich war keine einfach Person, das musste mein enges Umfeld oft mittragen. Ich bin froh und dankbar, das sie das einfach so getragen haben, obwohl es von außen nur sehr schwer nachvollziehbar ist.

 

Die letzten Tage denke ich nun, das ich auf den richtigen Weg bin. Ich habe mir dem "Alten" abgeschlossen und fühle mich bereit für Neues. Und so konnte endlich auch der Knoten platzen, was meine beruflichen Pläne anbelangt. Manche mögen es für Spinnerei halten oder esoterischen Kram. Ich merke, was autogenes Training, PMR und Feldenkreis mit mir und meinem Seele gemacht haben. Ich sehe das halbe Potential und weiß, es ist noch soviel mehr möglich. Ich erlebe es am eigenen Körper und an der eigenen Seele. Und es ist mir ein Bedürfniss, dieses weiterzugeben, so gut ich kann. Den nur, was ich selbst als wirklich gut empfinde, kann auch auch so weitergeben.

 

Die wichtigeste Person in meinem Leben steht zu meinem Erstaunen komplett hinter mir. Den diese Bereiche sind schwarze Flecken in seinem Leben, damit hatte er noch nie etwas zu tun. Er merkt nur, wie ich mit jedem Tag ruhiger und gelassener werde und Kraft tanke.

 

Tja, und so packe ich jetzt meinen Laptop ein für Heute und geniesse evlt. noch ein paar entspannte Malzüge oder lege mich ins Bett. Je nach dem. Für Heute und aus der Reha-Klinik ist nun Schluss.

 

Ich kann verstehen, wenn man sich anfangs wehrt. Es gibt einen Zeitpunkt, dann kann man sich darauf einlassen und den sollte man abwarten. Hat man ihn erreicht, dann kann so ein Aufenthalt wahre Wunder wirken.

 

Liebes St. Franziska Stift in Bad Kreuznach, ihr seit ein eingespieltes und tolles Team. Vom Hausmeister zu den zauberhaften Mädels in der Küche. Von Köchen, die Berge versetzten, damit man sein Essen bekommt. Der Putzfee, die dich morgens mit einem fröhlichen Lachen begrüßt, egal wie es dir geht. Therapeuten die dich aufbauen und in den Hintern treten. Ohne euch, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

 

Mein besonderer Dank gilt meiner Therapeutin für Feldenkreis und meinem PMR Kurs. Sie haben mich beruflich ins neue Universum gekickt. Ganz lieben Dank.

Ein weiterer Dank gebührt den beiden Therapeuten in der Ergotherapie. Sie sind beides Kunst-therapeuten und sie haben mein innerstes nach außen gekehrt. Ihr habt mich zur Ruhe gebracht und mich in meine Mitte geführt.

 

Meinen Mitpatienten, die mir Lehrmeister wahren. Mit zugehört haben und von denen ich lernen durfte. Lieben Dank.

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