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Es muss anders werden ....

Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

Georg Christoph Lichtenberg

 

 

 

Dieses Zitat bezeichnet so ziemlich alles, was in mir gerade vorgeht und wie ich versuche zu handeln. Ich grabe vieles um und es macht Spass und es macht mich ruhig und gelassen. Und es lässt mich gerade auch nicht schlafen.

 

Heute hatte ich den ersten Termin bei meiner alten Verhaltenstherapeutin. Leider zahlt die Kasse nicht, weil sie mich als austherapiert ansehen. Wir werden sehen, sobald mein Bericht von der Psychos-omatischen Klinik da ist, werde ich einfach erneut beantragen. Ansonsten werden wir die Therapie fürs Erste selbst bezahlen. Vorerst im 2-Wochen-Rhytmus, sobald als möglich nur noch alle 3 - 4 Wochen ausschleichend.

 

Die Therapie nehme ich auf alle Fälle noch in Anspruch, um das was ich in der REHA gelernt habe,  mit ihrer Hilfe zu festigen und vor allem um meiner Essstörung die Spitzen zu nehmen.

 

Es hat sich gut angefühlt, meine Therapeutin nach so langer Zeit wieder zu sehen. Das letzte Mal war ich glaube ich, im Mai diesen Jahres bei ihr. Danach hat die Krankenkasse ja alles gestoppt.

Wir haben die REHA durchgesprochen und ich soll mir erste Ziele für die nächsten Monate überlegen. Ich möchte auf alle Fälle meine Ausgeglichenheit so gut als Möglich beibehalten, das ist mir wichtig.

 

In der REHA habe ich gelernt, das meine Depression etwas ist, womit ich auch gut leben kann. So wie jemand anders mit Diabetes leben lernen muss oder mit einem Spenderorgan, so kann man auch mit einer mittelgradigen Depression leben. Evlt. muss ich Zeit meines Lebens Medikamente nehmen, das erschreckt mich nicht mehr. Andere Krankheiten erfordern die selben Maßnahmen.

 

Ich muss meinen Lebens- und Arbeitsstil anpassen - ja und? Das müssen andere auch. Hat lange gedauert für mich, dahinter zu kommen. Aber auch ich habe es schlussendlich kapiert und meinen Frieden mit meiner Krankheit geschlossen. Manchmal ist es einfach besser, mit ihr mitzuschwimmen, als ständig dagegen anzukämpfen. Es lebt sich deutlich leichter so. Und auch zu sehen um wieviel schlimmer es manche andere getroffen hat, ich darf mich glücklich schätzen.

 

Und so habe ich heute Abend spontan beschlossen, das ich keine Lust auf weiteres Plätzchen backen habe. Drei Sorten sind da und wenn die nicht reichen, dann kaufe ich beim Bäcker nach. Dafür probiere ich morgen das erste Mal in meinem Leben Kohlrouladen mit Kartoffelpürree und Blaukraut aus. Kohlrouladen habe ich bisher noch nie gemacht, ich freu mich drauf.

 

Außerdem haben wir heute Abend unseren Schneeurlaub gebucht. Es geht mal wieder nach Südtirol, aber dieses Mal in den Italienischen Teil. Ein kleineres Hotel mit einem schönen Wellnessbereich, der mehrere Saunen und Schwimmbecken hat. Muss mir noch einen Skianzug kaufen, damit wir schön im Tiefschnee wandern können.

 

Mensch, das habe ich ja fast vergessen. Ich habe am vorletzten Tag noch ein nettes Bild in der REHA gemacht. Das ist der Ausblick von meinem Stationsflur aus gewesen, wenn man zum Speisesaal geht. Da stand ich öfters davor und habe einfach meine Gedanken auf Reise geschickt.

 

Weihnachten wird dieses Jahr etwas anders als sonst. Es ist ja das erste Weihnachten seit 5 gemeinsamen Jahren, das wir ohne die Mama von meinem Schatz den Heilig Abend begehen. Außer das wir Lachs wollen, wissen wir ansonsten noch nicht, was wir an Heilig Abend genau kochen werden. Nur dem Fisch bleiben wir wie immer Treu.

 

Die Christmette steht auch schon fest auf dem Plan, mit einem ausgiebigen Spaziergang davor oder danach.

 

Am 1. Weihnachtsfeiertag wird bei uns dann Taufe gefeiert. Sie wurde ja extra für mich verschoben, da ich die Taufpatin bin. Heute habe ich dann auch die Taufkerze geholt. Ganz der kirchlichen Tradition entsprechend mit christlichen Motiven und dem Namen.

 

Den 2. Weihnachtsfeiertag verbringen wir dann als kleine Familie und gehen Abends noch zum Sushi essen. Das haben wir bisher auch noch nie an einen der Feiertagen gemacht. Aber wir haben Beide das Gefühl, das es einfach Zeit für Neues wird.

 

Zwischen den Tagen wollen wir einen Tag in einer Therme ausspannen, den schon an Silvester geht es weiter. Meine Freundin wird 50 und feiert ins neue Jahr hinein. Und wir feiern dieses Jahr mit, was bestimmt lustig wird, so am Lagerfeuer im Freien.

 

Mit meinem Freund habe ich kurz wegen einer evlt. Ausbildung zur Entspannungstherapeutin gesprochen. Aber erst teste ich ja mal vor um festzustellen, ob das ein zweites Standbein für mich wäre. Wenn dem so ist, habe ich seine volle Unterstützung, was mir den Rücken immens freihält.

 

Sollte ich von der Rentenversicherung ein Weiterbildungsmodul bekommen, möchte ich inzwischen ein Modul für Buchhaltung bekommen. Rein aus praktischen Gründen. Nach gründlicher Recherche habe ich festgestellt, das es hier in der nahen Umgebung viele freie Stellen für den Bereich gibt. Vor allem in Teilzeit, was mir sehr entgegenkommt. Das ist jetzt zwar noch nicht mein Steckenpferd, aber ich stelle mir das erst einmal zumindest interessant vor. Außerdem soll es ja nur einen Teil meines zukünftigen Berufslebens abdecken und Buchhaltung / Kaufmännisches kann man immer gut gebrauchen. Also ist das dann eine reine Vernunftsentscheidung, die mir in der Zukunft aber einen breiten Spielraum gibt. Auch was eine evlt. Selbstständigkeit auf Teilzeitbasis anbelangt.

 

Ich sehe die Dinge entspannter und nicht mehr so verbissen, wie noch vor einigen Wochen. Aus schwarz-weiß wurde schwarz-weiß mit Grauschattierungen.

 

Ach ja, apropo Ziele für die Verhaltenstherapie. Erstes Ziel ist immer noch ein Leben ohne Kalorien-zählern und irgendwelchen Apps und Tabellen. Auch die Waage würde mir alle paar Wochen reichen.

Mein langfristiges Ziel ist es, mein emotionales Essen soweit zu reduzieren, das es nicht mehr den großteil meines Lebens beherrscht. Es ist schon gut, wenn man mal aus Frust oder Freude isst, aber es soll halt nicht mehr ständig der Fall sein.

 

Auch hier möchte ich einfach lockerer werden und lernen, meine Gefühl anders zu kompensieren. Und zwar nicht mit einer anderen Sucht, sondern im normalen und ausgeglichenen Rahmen. Wenn mir das auf lange Frist bis zu 70 % gelingt, bin ich überglücklich. Den wer will auf Dauer schon perfekt sein.

 

 

Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

Georg Christoph Lichtenberg

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