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Ernste Diskussion - Augenöffner

Während unseres Urlaubes in Taisten / Südtirol hatte ich im Auto eine Unterhaltung mit meinem Freund. Er hat die Faxen dicke. Zum ersten Mal hat er mir gesagt, das die letzten 3 Jahre auch für ihn sehr anstrengend waren und es einfach mal gut sein muss. Gerade auch, was jetzt die Essstörung betrifft.

Eigentlich wollte ich ja eine Therapie machen, aber er ist der Meinung, das muss auch so funktionieren.

Also, natürlich würde er mich eine Therapie machen lassen, aber er kann eben nicht mehr nachvollziehen, warum bei mir alles Therapiert werden muss.

Und irgendwie hat er vielleicht auch Recht damit. Man kann nicht alles im Leben therapieren und sich ständig darauf ausruhen. Essstörung hin oder her. Uns so habe ich mich nach der harten Diskussion in Klausur genommen. Ich versuche es selbst, es muss doch einfach machbar sein. Zur Unterstützung habe ich ja immer noch meine normale Therapeutin, auch wenn ich so das Gefühl habe, das sie von Esstörung nur wenig Ahnung hat. Vielleicht mein Vorteil, keine Ahnung.

 

Das "Wie fang ich es an" ist mir nicht ganz so klar. Daher habe ich mir mal drei! Selbsthilfebücher dafür besorgt und werde sie versuchen, allesamt durchzuarbeiten.

 

  • Esstörung ade von Olivia Wollinger
  • Intuitiv abnehmen von Elyse Resch und Evelyn Tribole
  • Food 'n' Love - Ich ess' dann mal normal von Moritz Warntjen

 

Die beiden ersten sehe ich mir schon 2 oder 3 Jahren an und liebäugle damit. Ich dachte aber immer: nu is mal genug mit der Büchersammlung. Ich konnte aber aus gegebenen Anlass nun doch nicht wiederstehen und erhoffe mir einige gute Tipps, damit ich einige Schritte weiterkomme.

 

Ersteres habe ich schon angefangen zu lesen. Es ist nicht schlecht und es hat viel mit "sich selbst kennen und liebenlernen" zu tun. Beides Punkte, dich ich gerade was mein Essverhalten und die Selbstliebe betreffen, so überhaupt nicht kenne oder kann.

 

Die beiden anderen werde ich in die nächsten Wochen durcharbeiten und gucken, ob sie mir etwas bringen. Was ich allerdings weiß: ich muss an die Wurzel, damit sich dauerhaft was ändert. Ich muss wohl lernen, mich selbst zu lieben und nicht so streng mit mir sein.

 

Ich habe Angst vor der Arbeit. Ich habe Angst, weil es keine Verbote mehr geben soll. Daher habe ich Anst, das ich wieder gnadenlos anfange hochkalorische, süße, fettige Dinge zu essen. Angst, das ich erst mal wieder heftig zu nehme und dann alles abbreche, weil es "eh schon egal ist". Also, ich habe quasi Angst vor alten Mustern.

 

Und trotzdem weiß ich, das all das bisherige Nichts bringt, wenn ich mich dem nicht endlich stelle. Ich muss herausfinden, warum ich oft esse und was ich damit betäuben will. Den das Essen hilft in dem Moment ja nur oberflächlich. Sobald ich dann wieder bei Sinnen bin, schäme ich mich für all die blöden Sachen, die ich einfach so in mich hinein gestopft habe. Oft bekomme ich gerade dieses nebenbei Essen, wenn ich irgendetwas damit kompensieren möchte, nicht mal mehr richtig mit. Ich merke dann noch: jetzt will ich unbedingt essen, weils mir danach besser geht.

 

Der Gedanke: du hast ja gar keinen Hunger! Der taucht vielleicht Bruchtteile von Nanosekunden bei mir auf, oder auch überhaupt nicht. Und ehe ich mich versehe, ist der Zucker-Müsli-Riegel weg und zwei weitere sind ihm gefolgt, ohne das ich sie wirklich geschmeckt oder genossen habe. Also nur mal so als Beispiel.

 

Das ärgert mich im Nachhinein ungemein. Manchmal denke ich mir, das Leben wäre soviel einfacher, wenn ich gerade solche unnützen Essattacken einfach mit dem "sich danach übergeben müssen" ausgleichen könnte. Aber das kann ich nicht. Ich bin zu doof dazu, ekele mich davor und kann ein bewußtes Übergeben selbst nicht herbei führen. Wenn ich dann mit den Abführmittel ankomme, hat der Körper die überflüssige Energie ja schon aufgenommen und im Grunde genommen auch an den Hüften als neuen Speck eingelagert.

 

Könnte ich mich übergeben, wäre das nicht der Falle. Bevor auch irgendetwas davon in den Darm und in die Verdauung gelangen könnte, wäre es schon wieder aus dem Magen raus.

 

Aber ich kann es halt nicht und eine Lösung ist das auch nicht. Ich will ja lernen, das ich Situationen und Gefühle aushalten kann.

 

Und so arbeite ich mit Hilfe der Bücher daran. Leider weiß ich auch, das es wohl ein jahrelanger Weg ist, der mir da bevor steht und ich hoffe, das ich ihn meistern werde.

 

Ich will das, weil ICH möchte das es MIR endlich besser geht. Und ich will das, weil ich meinen Freund mit meinem Verhalten nicht länger vor den Kopf stoßen möchte. Er soll endlich ein beschwerdefreieres und sorgloseres Leben mit mir Leben können.

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Kommentare: 2
  • #1

    Daniela (Donnerstag, 08 Februar 2018 07:43)

    Wenn du das Food'n'Love Buch liest, würde ich unbedingt auch Moritz Blogeinträge dazu empfehlen, da er da schon wieder gewisse Dinge anders erklärt hat als in dem Buch. Da haben sich mir einige Fragen gelöst, die ich beim Lesen vom Buch hatte. Viel Geduld auf deinem Weg wünsche ich dir...ich habe am Anfang mit intuitivem Essen zwar auch nocheinmal 10 kg zugenommen, aber gleichzeitig mich psychisch und physisch besser gefühlt als die Jahre zuvor :-)

  • #2

    Fräulein M. (Donnerstag, 08 Februar 2018 14:31)

    Danke für deinen Tipp Daniela.
    Ja, vor einer ersten Zunahme habe ich schrecklich Angst. Daher klammere ich mich ja auch immer noch an irgendwelche selbst gesetzten Regeln oder habe eben so meine Methoden für mich entwickelt, um genau dem zu entgehen.
    Aber so wie sich das bei dir anhört, lohnt es sich, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

    Herzliche Grüße
    Michaela