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Wie mach ich das meinem Unterbewusstsein klar?

Boah, ich find das grottenschlecht, wenn ich mal wieder in so Panikphasen gerade, wie in den letzten Tagen. Irgendwie wurschtel ich mich alleine durch meine Essstörung, weil ich einfach keinen Bock mehr habe auf Reden, Regeln und gute Ratschläge von Menschen die mir gegenüber sitzen. Vor allem, wenn ich dann zwangsläufig alle paar Tage / Wochen von meiner Essenswoche erzählen soll. Ich bin halt nicht immer bereit dazu, weils mir dann einfach zuviel wird.

Also lese ich mich jetzt durch "Intuitiv abnehmen" durch. Wobei es in dem Buch nicht um das "Abnehmen" geht, sondern das man wieder lernt zu einem intuitiven Essverhalten zu finden. Vor einigen Jahren ging dazu auch das Buch "Esslust statt Essfrust" durch die Bücherregale. Ich beschäftige mich also schon viele Jahre mit diesem Thema, habe aber bisher noch nicht den richtigen Zugang dazu gefunden.

 

Vielleicht auch, weil es bei der "Esslust" ums Abnehmen ging, was ja auch mein erklärtes Ziel ist. Immer noch ist!

 

Und gestern haben sich dann meine Gedanken teufelsschnell im Kreis gedreht. Ich werde nie aus dem Kreislauf ausbrechen, ich werde doch wieder Diäten machen müssen, werde doch wieder Zählen müssen....

 

Heute morgen bin ich dann aufgewacht und dachte mir: einen Scheiss muss ich!

 

Meine Panikgedanken kommen daher, das ich wieder angefangen habe, heimlich zu essen. Und zwar genau die Dinge, die ich mir immer verbiete. Das ging soweit, das in meinem Büroschrank hinter mir, eine Papiertüte mit Verlängerungskabeln steht. Und darunter hatte ich dann Gummibärchen, Kandierte Mandeln und Chips stehen. Und Abends wenn alles schlief oder keiner im Haus war, bin ich wie eine Wilde darüber hergefallen und habe kein Ende gesehen.

Von Mittwoch auf Donnerstag war es so schlimmt, das ich mir fast eine ganze Tüte Gummibärchen in meinen Minimagen gequetscht habe. Und zwar auf Teufel komm raus und ohne Sinn und Verstand. Mir war elendig schlecht und ich bin Nachts mehrmals aufgewacht, weil Magensäure mit Gummibärchengeschmack hoch kam. Donnerstag Morgen waren meine Stimmbänder so in Mitleidenschaft von der Magensäure gezogen, das ich eine Stimme wie bei einer schlimmen Erkältung hatte. Das hielt bis Abend an.

 

Ich habe mich natürlich selbst einen "Deppen" geschimpft. Meine beste Freundin würde ich nicht schimpfen, sondern sagen: Schwamm drüber, beim nächsten Mal versuchst du daran zu denken.  Selbst mache ich mich zur Minna.

 

Das hat also die ganze, verdammte Angst in mir ausgelöst, das bei mir das Intuitive Essen nie und nimmer funktionieren kann.

 

Und doch verdammt, es kann funktionieren. Und so habe ich das, was noch übrige geblieben ist, in die Küchenschränke gepackt. Für jeder Mann zugänglich und sichtbar! Keine Heimlichkeiten mehr, das will ich nun versuchen. Und ich bin heute sehr bewußt zwischen den Süßigkeiten- und Knabberregalen gestanden und habe mich gefragt, auf was davon ich WIRKLICH Lust habe. Geworden sind es: stinknormale Butterkekse (mit den 48 Originalzacken) und diese kleinen runden Cracker von Ritz. Wenn man da mit der Zunge zuerst ableckt, schmeckt das so leicht nach Salz.

 

Ich habe mir die Erlaubnis gegeben, alles Essen zu dürfen, wonach mir is(s)t. Oh man, mir geht der Arsch ehrlich gesagt auf Grundeis, wenn ich ehrlich bin. Ich seh mich schon in einem Bad von Schokolade und Chips schwimmen und zwar jeden Tag und Tütenweise. Da möchte ich jetzt aber durch. Denn je mehr ich Essen in "Gut und Böse", "Erlaubt und Verboten" eingeteilt habe, umso schlimmer wurde mein Gusto auf die bösen, unerlaubten Sachen. Irgendwann war meine Willenskraft kleiner als mein Ego und meine Psycho und ich habe mich entweder mit einem unsäglichen Fressattacke über Wasser gehalten, damit ich ja nicht das "Verbotene" esse. Oder ich habe das vermeintlich "Verbotene" gegessen und mich einfach nur daran überfressen. Den Gott weiß, ich musste ja jetzt wieder ganz lange darauf verzichten, weil ich so tief gesündigt habe.

 

Jetzt kann ich mir natürlich viel erlauben, so ganz bewusst. Aber wie bekomme ich nun mein Unterbewusstsein dazu, das es auch die Erlaubnis gibt. Ich will ja wirklich keine schlechten Gedanken  mehr haben, wenn ich zum Beispiel im Vanille-Baiser versinke. Ich hoffe halt, das es auf Dauer seinen reiz verliert. Ich denke daran, habe Lust darauf, gönne mir ein paar Stückchen und dann vergesse ich es wieder. Als schlankes Kind konnte ich das. Meine Eltern hatten eine Süßigkeitenschublade zu Hause. Ich kann mich nicht daran erinnern, das ich mit sabberndem Mund davor stand und ständig bettelte, bis sie leer war. Hatten wir Kids Lust darauf, dann haben wir uns ein bisserl geholt.

 

Später in unserem Umfeld hörten wir dann so Sachen wie: Schokolade macht dick, fetter Käse macht fett, nach 18 Uhr essen macht dick, Gratin zu essen macht dick......

 

In der Hauswirtschaftsschule hat mal unsere Ernährungslehrerin gesagt, das unser Körper uns Signale gibt, was er braucht.

 

Als Kind habe ich nur gegessen, wenn ich Hunger hatte. So kam es regelmässig vor, das wir zwar am Mittagstisch saßen, aber das Mittagessen verweigerten. Meine Mama hat mir mal erzählt, das wir dann trotzdem immer eine Kleinigkeit essen mussten. Den natürlich hatten wir sonst eine oder zwei Stunden später Hunger. Da hatte ich noch ein natürliches Hungergefühl und es wurde einem im Laufe des älter werdens abgewöhnt. Schon im Kindergarten fängt das Spiel an. Da gibt es Brotzeitpausen, in der Schule die Schulpausen, ich habe mein Hungergefühl dem Zeitrhytmus anderer Institutionen und Regeln unterworfen.

 

Jetzt mit dem kleinen Magen und der ständigen, überdurchschnittlichen Trinkerei (damit ich nicht ständig grase), kenne ich keinen Hunger mehr. Beim Wandern bekomme ich Hunger, manchmal nach 3 Stunden, manchmal erst nach 5 Stunden. Je nach dem, wie anstrengend die Wanderung für mich war.

 

Früher war ich immer eine der letzten am Tisch, die mit dem Essen fertig wurden. Mit Beginn meiner Lehre wurde das anders. Die waren alle immer so schnell fertig, ich wußte gar nicht, wie die das gemacht haben. Aber es hat natürlich nicht lange gedauert und ich war ebenso am schlingen. Heute muss ich mir das richtige Essen wieder beibringen, wie bescheuert ist das den, wenn man es mal genau betrachtet.

 

Ich muss lernen, wieder mein Hungergefühl zu spüren und auch ein Gefühl dafür bekommen, das ich ab einem bestimmten Hungergefühl auch esse. Vor meiner OP war ich eine Meisterin des hinauszögerns und war soooo stolz darauf. Und dann hab ich reingehauen, wenn ich es mir endlich erlaubt habe. Und das hatte ich mir auch verdient, weil ich ja so lange ohne Essen durchgehalten habe.

 

Also, lerne ich jetzt wieder meinen Hunger zu erkennen und zu honorieren.

Und dann das Satt-Gefühl. Das ist bei mir ja auch nicht so einfach. Ich esse ohne Pausen und merke oft zu spät das ich schon satt wäre und bin dann "Voll".

Ich nehme mein Essen oft nicht mehr bewusst war, als kann ich es auch nicht wirklich geniessen. Entweder ich esse nebenbei oder ich unterhalte mich während des essens. Dadurch das ich mein Essen zur Nebensache deklariert habe, was Aufmerksamkeit und Genuss anbelangt, habe ich es zum Hauptthema in meinem Leben gemacht. Wie abstrus das Ganze doch eigentlich ist.

 

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man all das in einer Gemeinschaft umsetzten soll. Nur essen wenn man Hunger hat und Essen auf was man Hunger hat. Das geht doch gar nicht, also so stell ich mir das gerade vor. Aber irgendwie habe ich auch Glück. Den ich sitze ab und zu mal mit am Frühstückstisch und wenn ich überhaupt nichts essen will, dann trinke ich auch nur Kaffee. Mittags bin ich meist alleine. Da kann ich schon mal nur auf mich hören.

 

Und bei seinen gemeinsamen Mahlzeiten *Schulter zucken*. Ich werde es herausfinden.

 

Was ich aber auch schon zu meiner Erleichterung herausgefunden habe. Ein paar verschüttete Gewohnheiten von meinem früheren Intuitiven Essverhalten habe ich mir seit meiner OP dann doch schon wieder zurück erobert. Ich liebe gedünsteten Fisch und wenn mir mal nach Fisch aus der Pfanne ist, dann gibt es das auch. Ist aber sehr selten bei uns hier der Fall.

 

Ich mag eher gedünstetes Gemüse ohne dicke Soßen. Außer es gibt Karottengemüse. Da muss Butter mit rein und etwas Zucker. Alles andere geht gedünstet oder im Backofen gegart mit wenig hochwertigem Fett.

 

Früher war mir Paniertes und in der Pfanne herausgebackenes vermeintlich lieber. Und über einen Gemüsegratin oder Kartoffelgratin konnte sich nichts herheben. Meine Geschmacksknospen haben sich erweitert. Den von diesen Sachen konnte ich mir irgendwann Unterbewusst das GO geben und nun sind sie nicht mehr wirklich interssant. Pommes und Co. kommen nur noch selten auf den Teller, weil ich einfach viel seltener Lust darauf spüre. Und wenn das mit Pommes und Co. funktioniert, dann muss es doch auch mit Nasch- und Knabbersachen funktionieren.

 

Das Rationieren oder Verbieten hat in den letzten 30 Jahren auf alle Fälle nicht funktioniert. Das Schlechtmachen und Einteilen in "Gut und Böse" hat mir nur das Gegenteil gebracht. Ich habe verzichtet bis ich nicht mehr dagegen ankam und dann mit einem furchtbar schlechtem Gewissen davon gegessen, bis mir schlecht war.

 

Oh ja, mir ist himmelangst, wenn ich daran denke, das ich mir alles erlauben will. Mir ist himmelangst, das ich wieder dick werde. Mir ist himmelangst, das ich viel mehr esse, als ich Hunger habe. Oder noch öfters als jetzt esse. Ich habe kein Vertrauen mehr zu mir und ich kann meinem natürlichen Hungerfühl keine Vorschusslorbeeren geben. Und trotzdem will ich es versuchen. Den ganz tief im Inneren weiß ich, das jeder Körper die Weisheit besitzt. Jeder Körper wurde damit geboren, wir haben es nur verlernt. Ich habe es verlernt.

 

Also bitte ich darum, mir auch innerlich alles zu erlauben. Ich bitte darum, das mein Unterbewusstsein wirklich mitmacht und nicht nur mein Bewusstsein. Und ich möchte wieder lernen, das ich meinem Körper vertrauen kann. Ich konnte ihm als Baby vertrauern, in konnte ich als Kleinkind und Kindergartenkind vertrauen. Also kann ich das jetzt auch wieder. Ich muss nur wieder seine Sprache lernen, seinen Signale.

 

Ich will versuchen, auch gnädig mit mir selbst zu sein. Es wird immer Rückschritte geben und es ist kein Weltuntergang. Wenn Lothar in der Arbeit ein Fehler unterläuft, baue ich ihn auf. Wenn er sich über seinen kleinen Bauch und das Bier ärgert, dann lese ich ihm nicht auch noch die Leviten, sondern baue ihn auf und motiviere ihn, was er alles richtig macht. Das ist der Weg, den ich auch mit mir gehen sollte.

 

Also versuche ich zu lernen, gnädiger mit mir zu sein und mir zu verzeihen. Mich zu motivieren und mir immer wieder vor Augen zu führen, was ich schon alles erreicht habe. Zu was mein Körper und ich fähig sein, wenn wir ihm Vertrauen. Ich und mein Bewusstsein. Den mein Unterbewusstsein und meine Körperchemie haben in all der Zeit nichts verlernt. Ich und mein Bewusstsein, wir haben einfach seine Sprache verlernt.

 

Es gibt ein Leben ohne Kalorientabellen!

Es gibt ein Leben ohne "Gute und Böse Speisen"!

Es gibt ein Leben, wo man intuitiv ausgleicht, weil der Körper nicht jeden Tag gleich viel Energie braucht.

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