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Mal wieder Alles und Nichts

Die letzten Tage waren heftig, aber der Rückzug hat mir gut getan. Schlussendlich habe ich mit einer Mitpatientin aus meiner REHA Kontakt aufgenommen. Nur wer in den gleichen Schuhen läuft, kann verstehen wo es drückt.

Und so habe ich mein direktes Umfeld komplett außen vor gelassen und von meinen komischen Gedanken und der Schwermut nichts erzählt.

 

Nebenbei habe ich eine Routine bei meiner Narbenpflege entwickelt. Nachts kommen die Silikonpflaster auf die Narben und Morgens reibe ich sie mit der Narbenpflege von Bepanthen ein. Wenn die Narbenpflege aufgebraucht ist, werde ich ganz normale Vaseline hernehmen. Es geht ja im eigentlichen Sinne darum, die Narben bis zur kompletten Heilung nicht austrocknen zu lassen. Das kann die gute, alte Vaseline ebenfalls bewerkstelligen und sie ist nur einen Bruchteil so teuer.

 

Es gibt ein paar Stellen auf dem Bauch und in der Pofalte, die sich als Druckempfindlich erweisen. Wenn ich da mit dem Finger richtig reindrücke, dann habe ich das Gefühl, das sich darunter noch ein richtig doller blauer Fleck aufhält. Sehen kann man aber von außen überhaupt nichts.

 

Das einzige das mich jetzt aktiv noch an die OP erinnert, ist der Abend. Da spüre ich die beiden Narben im Schritt und auf der linken Seite die Narbe unter der Pofalte. Ansonsten fällt mir das im aktiven Alltag überhaupt nicht mehr auf.

 

Nächste Woche habe ich dann endlich meinen Beratungstermin bei der Rentenversicherung. Ich bin aufgeregt und gespannt, was das persönliche Gespräch mit meiner zuständigen Beraterin bringt. Telefonisch war sie eher distantziert und wollte mich in ein Schema F bremsen. Dabei zeigt mir der jetztige Depressionsschub, das ich von einem regelmässigen Arbeiten weit entfernt bin.

 

Alleine die letzten beiden Wochen waren für mich stressig, weil es Feiertage gab und die gewohnten Wochentage nicht die Möglichkeit hatte, mich frei einzuteilen. Der Partner war an einem der Tage zusätzlich wegen Gartenarbeit zu Hause und die letzten zwei Tage, weil er eine Erkältung angeschleppt hatte. Seit der Chemotherapie in Tablettenform hatte, holt er sich 3 - 4 mal im Jahr eine saftige Erkältung und muss zu Hause bleiben. Sein Immunsystem hat sich nicht ganz erholt. Er wird daher die nächste Zeit wieder mal zu seinem Heilpraktiker gehen, der ihm bisher am Besten helfen konnte.

 

Ich für mich habe mich so sehr an die ruhige Zeit unter der Wochen gewöhnt, das ich jede Person, die zu Hause ist, als störend empfinde. Als ob sie mir etwas von meiner wertvollen Zeit für mich nehmen. Dabei mache ich in der Zeit ja auch meinen Haushalt und gehe einkaufen. Ist aber noch jemand zusätzlich unter der Woche im Haus, bin ich Nachmittags oft so müde, das ich auf dem Sofa einschlafe. Das konnte ich die letzten Monate, wo ich alleine zu Hause war, gut abstellen. Gesellschaft unter der Zeit strengt mich anscheinend ziemlich an. Fühle mich dann beobachtet, will nicht im Blog schreiben, weil ich denke ich darf das nicht. Suche verkrampft Haushaltsarbeit (ich sehe sie in den Moment meist nicht) um möglichst beschäftigt auszusehen. Wenn alle Stricke reißen, setzte ich mich ins Auto und entkomme der Situtation, indem ich Einkaufen fahre.

 

Gewichtstechnisch habe ich die letzten Tage wieder vermehrt Angst, das ich zunehmen könnte. Mein Übergewicht sitzt mir noch im Nacken und ist in mein Unterbewusstsein eingehämmert. Dabei trage ich wie gehabt 36/38 und bin schlank.

 

Ich weiß, ich müßte das jetzt endlich loslassen, nur weiß ich ehrlich nicht so ganz, wie man so etwas einfach loslässt. Ich versuche jetzt schon immer meine Kommentare zu zügeln. So nach dem Motto: Schokolade macht dick. Hier schwabbelt der Oberbauch ....oder dergleichen. Ich erinnere mich also ständig selbst daran, das es mal andere Zeiten gab und habe Angst, das ich sie damit einfach wieder heraufbeschwöre.

 

Dadurch das ich versuche auf das zu Achten, was ich bezüglich Figur, Kalorien, dick sein so ganz nebenbei ausspreche, merke ich erst, wie tief das Thema "Dick sein" in mir verankert ist. Es vergeht quasi kein Tag, kein Essen wo das Thema nicht irgendwie anwesen ist. Und sei es nur durch die Blume oder im Gedanken. Das loszulassen wird glaube ich, noch viel schwieriger, als das Abnehmen der ganzen Kilos zuvor. Wie lange so etwas wohl wirklich dauert? Also das Kopf, Gefühle und Seele etwas loslassen können und endlich mit dem Ist-Zustand syncron sind?

 

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