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Querfeldein

Bin auf dem zunehmenden Ast, weil ich voll ins alte Fahrwasser gefallen bin, mit meinem Essverhalten.

 

Erhöhte Dosis Antidepressiva haben mehr Nachteile als Nutzen.

 

Und jetzt versuche ich das alles aus zu sortieren, so gut es eben geht.

Mein Tagesplan besteht aus achtlosem Naschen, naschen, naschen und weil das nicht reicht, knabbere ich auch Chips dazu. Es ist zum Mäuse melken und ich sehe die ersten Röllchen, die ich in den letzten beiden Tagen zugelegt habe.

 

Ich schäme mich dafür und mache mir Vorwürfe. Natürlich weiß ich aus Erfahrung, das mich das nicht weiterbringt. Weiter bringt mich hingegen noch so jeder kleinste Erfolg und dafür versuche ich mich dann bewusst selbst zu loben. Heute bin ich zum Beispiel ohne Nasch- und Knabbersachen aus dem Laden gekommen. Erleichterung pur, den was nicht zu Hause ist, vermisse ich nur halb so stark. Für den Süßhunger gab es eben Zuchtblaubeeren und sie haben mir verdammt gut geschmeckt. Vor allem habe ich kein schlechtes Gewissen danach. Ich kapier es manchmal einfach nicht, warum ich immer wieder zurückfalle. Mir schmeckt Obst, ich liebe Obst und trotzdem greife ich oft zum Altbewährten.

Ich will versuchen, das ich das langsam über die Jahre ändern kann.

 

Die Essucht ist und bleibt einfach ein aktuelles Thema bei mir. Aber zu viele Baustellen auf einmal kann ich nicht gleichzeitig angehen. Das muss erst mal warten und wir versucht in Schach zu halten.

 

Meine erhöhte Dosis an den Antidepressiva hat inzwischen mehr Nebenwirkung und die anfängliche Besserung ist wieder zurück gegangen. Meine Erwerbsminderungsrente gehe ich später an, erst mal muss ich mich noch einmal diesem Thema stellen.

 

Meine Nebenwirkungen:

  • extreme Vergesslichkeit
  • kein Konzentrationsvermögen für länger als max. 30 Minuten am Stück
  • Aggressivität, wenn ich zu lange am Stück arbeite, brauche noch mehr kleine Pausen
  • Dauermüde (kann keine weiteren Strecken mehr mit dem Auto fahren)
  • keinerlei Libido mehr vorhanden
  • viele Stimmen auf einmal verwirren mich inzwischen und werden mir zu viel
  • bei ein klein wenig komplexeren Unterhaltungen bin ich nach wenigen Minuten raus
  • Dauergrübelei ist wieder zurück
  • surfe wieder durchs Netz und suche alles, was mit Suizid zu tun hat
  • Angst, weil sich so viele Menschen nach jahrelanger Depression als letzten Ausweg den Selbstmord wählen. Ich will das NICHT! Aber ich habe Angst, das es mir irgendwann zu viel wird, das ganz normale Leben ohne Freude

Die Liste wäre wahrscheinlich fortzusetzen, aber ich kann mich nicht zu lange auf diesen Punkt konzentrieren. Ich werde dann fahrig und plötzlich ist es so, als wäre mein Hirn nicht mehr erreichbar. Alle Gedanken im Dunkel verschwunden und nicht auffindbar.

 

Von daher habe ich für morgen einen Akuttermin bei meinem Psychiater bekommen. Wir sehen uns an, ob wir evtl. andere Antidepressivas nehmen oder was wir sonst noch für Möglichkeiten haben. Inzwischen bin ich selbst soweit, das ich mich am liebsten wieder in eine Klinik begeben möchte.

 

Wenn zu viel auf einmal auf mich ein prasselt, möchte ich am liebsten mein System herunter fahren. Ich merke wir mein Hirn total überfordert ist und ich habe in solchen Momenten Angst, das ich so eine Art Stromschlag im Gehirn bekomme. Overload oder so. Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll.

 

Ach ja, mit dem ganzen Junkessen. Ich versuche nun wieder öfters in einen inneren Dialog mit mir zu gehen, wenn ich gerade sucht-artig solche Lebensmittel kaufen will. Ob ich es jetzt wirklich brauche? Ob ich auch einen richtigen Nutzen daraus ziehe und es mir danach besser oder schlechter geht?

 

All solche Fragen halt, die mir in dem Moment evtl. einfallen. Leider denke ich halt nicht immer daran und kaufe einfach wir ferngesteuert. Denke ich aber daran, fährt mein Suchtgedanke etwas herunter und fühlt sich gedämmter an.

 

Ich habe noch viel zu tun. Gestern Abend hatte ich ein gutes Gespräch mit meinem Freund. Ich zolle ihn immer wieder Respekt und bedanke mich, das er alles mitträgt. Er musste bisher auf so manchen Urlaub verzichten, wegen Krankenhausaufenthalt. Oft sitze ich träge da und will nicht mal zum spazieren gehen raus. Manchmal bin ich für Tage ein Trauerkloß oder starre mit geweiteten Augen wie eine Irre ins Nichts.

 

Wir wünschen uns Beide eine gesunde Michaela zurück. Uns ist Beiden klar, das es nicht mehr so sein wird wie früher. Will ich auch gar nicht, sonst bin ich bald wieder da, wo ich heute bin. Aber einfach nur gesünder, fröhlicher und wieder ein optimistischer Mensch, der nicht mir jeder Kleinigkeit überfordert ist.

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Daniela (Sonntag, 17 Juni 2018 07:10)

    Denke oft an dich <3 Mein Weg hat auch so seine Steigungen, und plötzlich bin ich wieder auf einer Höhe angekommen und es geht wieder leichter. Was mir hilft, sind oft Hörbücher oder Vorträge, da ich im Moment nicht konzentriert lesen mag.
    Gerade höre ich diesen Vortrag hier
    https://www.youtube.com/watch?v=8HGplNoELTw
    und für mich kommen meist die ausgewählten (oft sehr intuitiv) Texte sehr passend.
    Herzliche Grüsse Daniela

  • #2

    Micha (Dienstag, 19 Juni 2018 10:10)

    Hallo Daniela,

    schön von dir zu hören. Tut mir aufrichtig leid, das es bei dir auch so ein Auf und Ab auf der Waage ist. Ich weiß ja, wie schwer du dich tust.

    Aber ich bin mir ziemlich sicher, wir beide werden dem ein Schnippchen schlagen. Wir Zwei, wir geben doch nicht einfach auf. Gelle ;-)

  • #3

    Daniela (Mittwoch, 20 Juni 2018 05:27)

    Nein, aufgeben gibts nicht :-)