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Schlaflos in Franken

Letzte Nacht hatte ich viel zum darüber Nachdenken. Wie es jetzt weitergehen soll mit mir. Psychisch, Privat und so fort. Einen guten Teil konnte ich mit meinem Schatz in einem 4-Augengespräch auf der Bettdecke sitzend, für mich vorerst klären.

 

Und dann habe ich den armen Kerl seinen gerechten Schlaf gegönnt und bin auf leisen Sohlen zurück ins Büro.

Was hat mich bisher noch nie weitergebracht?

Klar, meine geliebten "Hauruck-Aktionen" die wie aus der Pistole geschossen kommen.

 

Was hat mich weitergebracht?

Wenn ich die Dinge sinnvoll und mit Plan angegangen bin.

 

Das hat bei der Vorbereitung auf den Schlauchmagen geklappt. Das hat bei meinen Antrag für die Straffungs-OPs funktioniert. Und das hat mir bei meiner Abnahme geholfen.

 

Warum soll es mir nicht auch jetzt helfen, auch wenn die Probleme anders gelagert sind.

 

Gestern habe ich dann ziemlich schnell für mich erarbeitet, was ich auf KEINEN Fall möchte.

 

  • vorerst in die Arbeit zurück
  • in die Psychiatrie (gerade unter Vorbehalt)
  • noch mehr falsche Medikamente
  • eine unsichere finanzielle Zukunft

 

Mein Freund war erst einmal stolz und meinte: da hast du ja deine Ziele. Ne, ne das sind keine Ziele!

 

Und dann habe ich meine Ziele klar formuliert!

 

ICH WILL:

  • die Erwerbsminderungsrente, ohne das ich dafür in die Psychiatrie muss
  • ich will wieder gesund werden
  • ich will mit meinen Eltern sprechen, weil mir die Aufteilung des Erbes verletzt hat
  • ich will mehr für mich persönlich machen

 

Meine erste Handlung war gestern Abend noch, das neue Medikament aus zu sortieren. Die häufigste Nebenwirkung ist Müdigkeit (hat eine sedierende Wirkung) und eine Gewichtszunahme von 10 - 15 kg.
Mein altes Medikament habe ich wieder aufgenommen und die Dosis erst einmal halbiert. Vom zweiten Medikament nehme ich nun anstatt 90mg nur noch 60mg. Die erste Wirkung zeigt sich: ich bin Morgens ausgeschlafener und den Vormittag über Leistungsfähiger.

 

Meine Rente werde ich nun gezielt angehen. Ich werde ehemalige Hausärzte anrufen und mir Berichte über frühere Medikamentengaben und Therapien wegen Depression geben lassen. Ebenso werde ich noch einmal den Bericht von meinem ersten Therapieaufenthalt anfordern. Medikamente habe ich ja schon einige durch und stationäre Therapien ebenfalls. Auch die Verhaltenstherapie werde ich noch einmal anfordern, mit dem Bezug auf meinen derzeitigen Zustand.

 

Es ist immer gut, sehr gut vorbereitet zu sein.

 

Das Gespräch mit meinen Eltern wird mir sehr schwer fallen, aber das brauche ich für mein Seelenheil und um die Dinge einfach mal auf den Tisch gebracht zu haben. Meine beiden jüngeren Geschwister haben jeweils eine Grundstückhälfte als Schenkung erhalten. Mein Neffe erbt das jetzige Elternhaus. Mein Bruder und ich bekommen einen Geldanteil. Und der wird gerade nach Gutdünken bestimmt, was ja auch das Recht meiner Eltern ist. Sie denken einfach, ich bin in einer gesicherten Stellung und mit meinem Freund gut versorgt für mein Alter. Es ist ihnen nicht wirklich bewußt, das dem eben nicht so ist. Ich bekommen einmal knapp 1.000 € Rente, inkl. meiner Auslandsaufenthalte (EU-Rentenfond) und damit muss ich dann zurecht kommen. Das Haus in dem wir wohnen, gehört irgendwann seinen Kindern (was so auch vollkommen richtig ist) und ich muss im Falle des Falles im Alter noch ausziehen. Wir werden zwar ein Wohnrecht notariell vereinbaren, aber ich kann jederzeit wegen Eigenbedarf aus der Wohnung müssen. Wenn das auch nur über Anklage funktioniert.

 

Na ja, lange Rede - kurzer Sinn. Ich frage mich halt, was ich anders gemacht habe, das wir eben nicht alle den einigermaßen gleichen Anteil bekommen. Den ansonsten ist es meinen Eltern sehr, sehr wichtig, das wir immer das Gleiche im Wert erhalten.

 

Das liegt mir einfach auf der Seele und ich will es aussprechen. Ob das die Sicht meiner Eltern ändern wird, das liegt nicht in meinen Händen. Aber ich werde mich nach der Aussprache wahrscheinlich deutlich besser fühlen.

 

Auszusprechen, das ich einfach nur noch die Rente möchte. Das war sehr schwer für mich. Ich habe immer noch Befürchtungen, das mich meine engste Familie, mein Lebensgefährte .... das man mich für einen Sozialschmarotzer halten könnte. Der einzige, der das tut, das bin wahrscheinlich ich selbst.

 

Ich muss lernen, Dinge die mir unangenehm sind, endlich anzusprechen und auszusprechen. Ich bin in gewissen Lebensbereichen einfach viel zu naiv und möchte lieber Harmonie und "Friede, Freude, Eierkuchen", als das die Dinger zu jedermanns Zufriedenheit geregelt werden.

 

Alleine diese Dinge jetzt allesamt in die Hand zu nehmen: meine Medikation, meine Rente ohne Umwege, die Aussprache mit den Eltern .... es wirft jetzt schon einen Ballast von mir ab. Und siehe da, zumindest für Heute gehen auch die Essgelüste stark nach unten. Ich habe es Gestern ausgesprochen, ich halte es Heute schriftlich fest, ich muss es einfach nicht hinunterschlucken in Form von Essen.

 

Auch habe ich um ein klärendes und richtungweisendes Gespräch gebeten, nach dem ich weiß was ich im ungefähren von dem Erbe erwarten kann. Ich brauche einen flexiblen Rahmen, der mir vermeintliche Sicherheit gibt. Mein Freund hat dem zugestimmt und mir geht es auch damit nun viel besser. Er macht zwar immer Andeutungen, aber ich kann nicht gut zwischen den Zeilen lesen. Oder man interpretiert das Falsche hinein. Ich brauche klare Worte, egal wie sie sind, damit ich weiß, wie ich weitermachen muss.

 

Und jetzt kümmere ich mich erst einmal um mein Lieblingsmittagessen. Ich habe mir extra mehr Zutaten gekauft, damit ich auf Vorrat ein gefrieren kann.

 

 

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