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Sunny Inside

Ich fühle mich so sonnig in mir Drinnen!

 

Das ist ein schönes Gefühl, welche ich am liebsten nie wieder loslassen möchte. Wenn das innere Getriebe anläuft und sich vom Störsand befreit, dann läuft es mir der Zeit einfach wieder runder und harmonischer. Und genauso fühlt sich mein momentanes Leben endlich wieder an.

 

Erste Gedanken tauchen auf. Wenn eine Türe zufällt, dann öffnen sich nun endlich auch wieder andere Türen gedanklich für mich.

Und noch etwas tut sich. Ich habe die Ahnung tief in mir drinnen, das mich nun nicht mehr jeder Windhauch aus dem Konzept bringt. Den inneren, seelischen Ballast zu finden und aufzuräumen, das tut dem ganzen Körper gut.

 

Es schreibt sich nur so einfach und ist so schwer zu erfüllen. Bisher hat sich das für mich immer sehr abstrakt angehört. Egal ob in der Reha, bei meiner Verhaltenstherapeutin oder aus diversen Selbsthilfebüchern. Immer wieder fällt der Begriff "Innere Hygiene" und ich konnte bei mir einfach keinen Ansatz finden.

 

Wie weit muss ich den zurück? Muss ich in meiner Kindheit graben? Was ist den nun so ein innerer Ballast oder ein störendes Muster, die es sich in meinem Unterbewusstsein anscheinend bequem gemacht haben? Ich sag doch, einfach nur Abstrakt.

 

Ich blicke da auch immer noch nicht ganz durch, kommt vielleicht noch. Das das Gespräch mit meinen Eltern so eine Initialisierung in mir ausgelöst hat, das konnte ich nicht einmal erahnen. Vor allem wusste ich selbst überhaupt nicht, das es mich belastet. Bisher sah ich mich als sehr sozial geprägt, mit einem Hang zur Harmonie. Das habe ich auch, wie mir mein Lebensgefährte bestätigt. Aber er ist in manchen Situationen zu sehr ausgeprägt. Eher würde ich von alleine auf das komplette Erbe verzichten, als ein anstrengendes Gespräch mit Eltern und Geschwister zu führen. Zu sehr habe ich Angst, das es die Familie auseinander bringt und wenn habe ich dann noch in der Not, wenn nicht meine leibliche Familie?

 

Mein Mann hat lange und immer wieder versucht, mir das klar zu machen. Am Schluss hat er dann auf die Tube gedrückt und das war gut so. Den mir geht es seit dem wirklich viel besser.

 

Und auch die anderen Stellschrauben, an denen ich so nach und nach drehe.

 

Und immer noch ist es so, das ich seit Dienstag kein Verlagen mehr nach Süßigkeiten habe. Verlangen ist vielleicht die falsche Beschreibung. Ich hatte eine Gier nach Süßem, Knabbersachen und dem Essen überhaupt. Sie konnte nicht einmal durch das "Satt sein" befriedigt werden. Kaum hatte ich wieder etwas Platz in meinem Magen, habe ich ohne Zögern weiter genascht oder gegessen.

 

Das hat mir große Angst gemacht, muss ich ehrlich eingestehen. Meine Kleider wurden immer enger und hätte ich noch 1 bis 2 Wochen so weiter gemacht, hätte ich mir mit Sicherheit eine größere Größe zulegen müssen. Es war alles schon sehr, sehr eng und knackig. Also, wenn man Abends die Hose aufmacht, hatte ich den Abdruck von Bund und Knopf gut sichtbar auf meinem Bauch.

 

Alleine, das die Gier nach ständigem Befriedigen durch Nascherei oder Essen nicht mehr da ist, hat mich binnen weniger Tage anscheinend abnehmen lassen. Auf die Waage gehe ich nicht. Ich habe Angst, das sie ein Gewicht zeigt, das ich nicht sehen möchte und das ich dann wieder schief laufe.

 

Gerade läuft es gut und ich esse ganz normal zu den Essenszeiten und einmal am Tag eine Hand voll frischer Kirschen. Ich schaue darauf, das es ausgewogen ist, ist aber auch kein Drama, wenn mal was mit Käse überbacken ist. Die Jeans, welche vor ein paar Tagen nur unter erschwerten Umständen zugingen, kann ich inzwischen wieder gut schließen. Die Hosenbeine an den Oberschenkeln sind nicht mehr zu eng, sondern sitzen wieder perfekt. Und das alles ohne Kalorien zählen, unsinnigen Verboten und ständigem Wiegen. Ob das nun wohl immer so geht? Also ohne Zahlen und strenger Kontrolle sondern einfach nur mit etwas bewussten Auswählen?

 

Zudem versuche ich mich nun immer schön beschäftigt zu halten. Entweder mir Haushalt, Bewegen, Garten oder Lesen. Das entspannt mich etwas und ich habe keine ständigen Gedanken mehr ans Essen. Dieses ständige ans Essen denken müssen, in den letzten Wochen oder Monaten, das hat mich fast verzweifeln lassen.

 

Es war, als hätte ich die Schlauchmagen-OP nie gehabt. Das Ghrelin (Hormon das für den Heißhunger verantwortlich ist) wird nun wieder produziert. Das ist schon in Ordnung, wenn die Seele wieder in Balance ist. Wenn hier eine große Schieflage vorliegt, bin ich im erst einmal ausgeliefert.

 

Ich hoffe für die Zukunft, das ich entweder selbst spüre, wo ich im Unterbewussten Probleme habe und diese dann immer zügig für mich klären kann. Und ich wünsche mir, das mein Mann auch weiterhin so ein Gespür für mich hat und mir ab und zu dabei helfen kann.

 

Ja und so fühle ich mich schon seit Tagen nunmehr "Sunny Inside". Es ist dieses angenehm sonnige, nicht das gleißende Sonnenlicht. Ich vertraue darauf, das ich diesen angenehmen Zustand möglichst lange in mir habe und werde mich jetzt mit einem netten Buch auf die Terrasse verziehen.

 

 

 

 

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