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Woche 1 geschafft

Es liegt eine aufregende und anstrengende Woche hinter mir. Montags der Termin bei der Psychologischen Gutachterin der Rentenversicherung. Und seit Dientstag bin ich nun in der Psychiatrischen Tagesklinik und unterziehe mich erneut einer Therapie.

Der Druck den ich mir mache ist groß und eines meiner Druckventile ist sinnloses Essen von hochkalorischen Lebensmittel.

 

Ich habe es also geschafft, den Termin bei der Gutachterin. Sie war neutral, ja geradezu empathisch auf ihre Art und Weise. Ich wurde natürlich viel befragt, nach meinem jetztigen Zustand, wie es dazu kam und wie ich therapiert werde.

 

Es kam ihn dem Zusammenhang auch meine Essstörung zu Wort. Das Ding hat jetzt einen Namen bekommen. Binge Eating Disorder. Davon kann ich mir eh nichts kaufen und Wissen alleine macht sie mir auch nicht weg.

 

Sie hat mir dringend ans Herz gelegt, das ich die Essstörung in einer spezialisierten Klinik stationär behandeln lasse und hat mir zwei Kliniken in der Umgebung empfohlen.

 

Für meine erneute Therapie, die ich ja einen Tag später begonnen habe, hat sie mir alles Gute gewünscht. Wie ihr Gutachten ausfällt? Keine Ahnung, aber ich habe ein positives Gefühl, warum auch immer. Die letzten Mal hat sich mein Bauchgefühl ja immer bestätigt. Ich hoffe inständig, das es hier auch so sein wird.

 

Und nun bin ich seit Dienstag wieder in einer Therapieeinrichtung. In erster Linie ein strukturierter Tag, der mich auffängt, wenn es mir schlecht geht. Professionelle Menschen und Mitpatienten um mich herum, das ist auch ein gutes Umfeld für den Moment.

 

Es gibt Dinge, an die ich mich wieder gewöhnen muss und die mir sehr, sehr schwer fallen. Wir sind 21 Patienten auf zwei Gruppen aufgeteilt. In den Pausen treffen wir immer wieder aufeinander, auch beim Morgenspaziergang. Das Stimmengewirr von 20 Menschen, das schafft mich immer sehr. Es ist laut, ich höre nur Gesprächsfetzen, kann mich nicht auf bestimme Gespräche konzentrieren oder auf mein eigenes Tun. Das macht mich nach einer gewissen Zeit mürbe und aggressiv. Mein Tinnitus versucht dagegen anzustinken, das find ich dann noch einmal mehr Scheisse.

 

Die Gruppen- und Einzeltherapien machen mir zu schaffen. Den da geht es ja dann immer ans Eingemachte und das wühlt so einiges auf. Nach drei Jahren in diesem Zustand habe ich mich selbst in Verdacht. Das ich die Krankheit nicht loslassen will, warum auch immer. Ich gebe mir die Schuld an meinen Zustand. Die Therapeutin widerspricht mir hier zwar, aber es ist schwer nicht hart mit mir selbst umzugehen.

 

Aber ich stehe ja jetzt erst einmal am Anfang "dieser Therapie", wir werden also sehen. Irgendwie bin ich auch von 5-6 Wochen ausgegangen, weil die stationäre Therapie auch so lange gedauert hat. Ich habe dann aber erfahren, das eine ambulante Therapie zwischen 6 und 8 Wochen oder länger dauert.

 

Aufstehen fällt mir zwar schwer, geht aber gut. Morgens noch die Spülmaschine ausgeräumt und die Küche aufgeräumt, geht es dann los. Abends kochen mein Schatz (ab und an mit Leihtochter gemeinsam) und ich gehe noch ein bisserl übers Bad oder die Böden drüber. Wäsche wird am Wochenende gemacht. Sie helfen mir also sehr gut und ich habe die beste Unterstützung. Und trotzdem bin ich nach den ersten 4 Tagen fix und foxi. Gestern und heute ging ich nach der Therapie erst einmal ins Bett zum schlafen. Mein Kopf war jeweils leer und meine Akkus auch, ich habe mich gefühlt wie ausgekotzt.

 

In all den eingebildeten Stress schlägt das Frustessen voll zu. Und zwar in Form von Zucker, Kohlenhydrate und Fett. Frustfutter in Reinkultur also. Her mit den Süßigkeiten, Keksen und Chips. Es macht mir Angst und löst Panik in mir aus und gleichzeitig bin ich nicht in der Lage dazu, es zu stoppen. Ein Bissen um den Anderen landen in meinen kleinen Magen und füllen mich aus.

 

Das Problem ist in der Klinik bekannt, aber hier kann mir nicht geholfen werden. Daher bekomme ich ein Schreiben, damit ich mich Anfang des neuen Jahres in einer Spezialklinik für Binge Eating vorstellen kann. Und dann gehe ich die wohl größte und längste Baustelle meines Lebens an. Mein Essverhalten, das alles andere als normal ist.

 

Jetzt kann ich mich darauf einlassen, jetzt bin ich soweit, jetzt will ich es selbst! Ich will die Kontrolle über mein Essverhalten zurück gewinnen und mich nicht ständig von meinen Gelüsten und Mustern runterziehen lassen.  Diese Therapie ist längst überfällig und man weiß im Grunde genommen nicht, ob die Depression meine Essstörung ausgelöst hat oder die Essstörung sogar zu erst da war. Auf alle Fälle verstärken sie einander und um wieder Heil zu werden, hat man mir gesagt, das ich beide Themen angehen muss.

 

Ich mach das jetzt auch - endlich.

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