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Mut haben!

Bin für Heute und Morgen krank geschrieben. Ähm, geht eigentlich nicht, weil ich für die Tagesklinik ja schon krank geschrieben bin. Ich habe mir einen viralen Infekt eingefangen und bleibe daher die nächsten zwei Tage zu Hause.

 

Außerdem war ich diese Woche mutig in der Klinik. Ich weiß nun mein aktuelles Gewicht und ich war bei meinem Arzt der die Nachsorge für den Schlauchmagen macht.

 

 

Diese Woche habe ich schon einige Mutproben hinter mir. Ich war mit zwei männlichen Mitpatienten und einer Pflegerin statt dem üblichen Spaziergang dieses Mal joggen. Ich hatte mir im Vorfeld schon Gedanken darum gemacht, das ich die alle beim Laufen aufhalten werde. Wir haben aber eine gute Lösung für alle gefunden, so das ich schließlich das gemeinsame Joggen wirklich mit angegangen bin. Herrlich, ich habe seit Dienstag Muskelkater in beiden vorderen Oberschenkeln und es fühlt sich gut an. Ich habe immer noch ein Hochgefühl, das ich erstens mitgejoggt bin und das ich bis zum Schluss in meinem Tempo durchgehalten habe. Wir waren 20 Minuten joggen und die Jungs sind voraus gelaufen und die Pflegerin mit mir gemeinsam. Nächste Woche werden wir wieder an 1 - 2 Tagen joggen gehen.

 

Das zweite Mal habe ich diese Woche Mut bewiesen und mir beim offiziellen Wiegen das Gewicht sagen lassen. Ich wiege "Luft holen und nochmal Mut sammeln um es öffentlich zu machen" gerade um die 66 kg. Also fast 20 Kilo mehr, als zu meinem niedrigsten Gewicht. Das ist eine große Zunahme, wobei ich laut Ärzte auf alle Fälle keine 48 kg wiegen soll. Das wäre für mein Alter und meine Größe einfach viel zu wenig. Laut BMI bin ich für mein Alter sogar im richtigen Rahmen, aber es geht ja weiterhin bergauf.

Ich bin natürlich schon sehr traurig, das ich es so weit habe kommen lassen und wieder mit offenen Augen in die Kilofalle gerannt bin. Gleichzeitig bin ich froh, das ich mit der Therapie für Binge Eating nun hoffentlich an der richtigen Leine ziehe.

 

Und das dritte Mal Mut habe ich diese Woche bewiesen, als ich meinen Nachsorgearzt und meine Ernährungsberaterin aufgesucht habe, die gleich im Klinikum neben der Tagespsychiatrie arbeiten. Beide sind einstimmig froh, das ich den Weg der Esstherapie nun aktiv angehe. Sie hatten beide schon zu meiner Zeit mit 48 kg die Befürchtung, das ich gerade in die andere Richtung schlage. Mein Arzt meinte aber auch aus Erfahrung mit anderen Operierten, das sie es selbst merken müssen. Mein Arzt und meine Ernährungsberaterin unterstützen mich aus vollem Herzen und wir drei freuen uns, wenn ich die  nächste Nachsorge nach meinem ersten Intervall in der Klinik für Essstörung wahrnehme.

 

Alle drei Mutproben haben mein Selbstwertgefühl gesteigert und haben mir weiteren Druck genommen. Heute ist der erste Tag seit vielen Wochen, das ich noch keinen einzigen Bissen genascht habe. Und bis jetzt bin ich zuversichtlich, das ich den Tag ohne Naschgelüste schaffe.

 

Am liebsten würde ich jetzt natürlich wieder ins andere Extrem gehen, aber ich hoffe, das ich mich hier einigermaßen unter Kontrolle habe. Es spricht sich so leicht, dann halt einfach nur die Naschsachen wegzulassen, oder nur 3 Mahlzeiten zu essen. Ich denke dann immer, das das allein ja nicht reicht und ich trotzdem weiterhin zunehme. Auch wenn mein Kopf weiß, das das nicht so sein wird und auch sein kann. Dank Klinik bin ich zum Mittagessen gezwungen, den ein Auslassen würde sofort auffallen. Ebenso Frühstück und Abendessen zu Hause. Aber ich werde garantiert die Mengen ziemlich herunter-schrauben, weil ich mich so dick sooooo sehr unwohl fühle.

 

Wäre ich ohne Aufsicht alleine zu Hause, wäre das die Stunde des "Essens verweigern", so lange niemand da ist. Ich würde also täglich auf eine Höchstmenge von 500 - 600 kcal herunterschrauben. Ganz alleine und ohne jemanden würde ich schlicht und ergreifen nichts mehr essen und stolz auf meinen knurrenden Magen sein. Kaffee, Getränke .... mein Kopf würde denken, das die mich dicken machen und ich würde Abführmittel nehmen, obwohl ich eh nicht essen würde.

 

Tja, aber Abführmittel .... das ist das was sich in meinem Gehirn jetzt festgesetzt hat. Das vermindert meinen Druck, das ich unter Aufsicht essen muss um den Schein zu wahren. Daher habe ich heute das erste Mal seit letztem Jahr wieder Tropfen genommen. Auf keinen Fall will ich weiter zunehmen, sondern bis zur Eiweisung in die Klinik etwas weniger wiegen. Ich weiß ja nicht, was dort auf mich zukommt und ob ich dort nicht wieder zunehmen muss, weil es Teil der Therapie ist. Von daher will ich mir jetzt ein kleines Polster schaffen. Ich will ehrlich sein, könnte ich 10 Kilo abnehmen, dann wäre ich heilfroh. Bei 5 Kilos wäre ich bitter enttäuscht, das ist so. Mein Hirn fährt also die Spirale ... ich werde heimlich alles tun, um die nächsten 8 - 10 Wochen gut abzunehmen. Auf keinen Fall gehe ich dort so fett hin, wie ich jetzt bin. Immerhin muss ich dann erst einmal für einige Wochen die eigene Esskontrolle abgeben und liefere mich freiwillig aus. Ich will für mich die vermeintlich besten Kilo-Startbedingugen schaffen.

 

Noch was schönes am Schluss?

 

Hier meine beiden Bilder, die den Anfang meiner Aquarellversuche markieren.

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Kommentare: 3
  • #1

    Daniela (Freitag, 26 Oktober 2018 18:04)

    Hm, ich verstehs jetzt irgendwie grad nicht...du möchtest in ne Klinik für Essstörungen, bis dahin aber noch essgestört abnehmen??? Echt jetzt? Wenn die Ärzte sagen, dein jetziges Gewicht (weiss nicht wie gross du bist) sei ok, dann wirst du in der Klinik ja kaum zu immensen Portionen gezwungen werden? Sondern in meiner Vorstellung wird dir wohl einfach eine zu deinem Gewicht entsprechenden Menge zugeteilt werden, und ich vermute, du würdest kaum dazu gezwungen, einen Teller leerzuessen, wenn du schlicht satt bist? Und dafür willst du dich jetzt wieder selbstschädigend runterhungern, damit du dich dann therapieren lassen kannst? Kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich therapiere mich immer noch bloss über Onlinekurse oder einfach Internet, doch versuche ich wirklich, das selbstschädigende dauerhaft zu vermindern mit dem Ziel es ganz weglassen zu können. Liebe Grüsse Daniela

  • #2

    MM (Samstag, 27 Oktober 2018 15:34)

    Schön das du dich selbst therapieren kannst, Daniela. Darauf kannst du wirklich stolz sein.
    Ich therapiere an meinem Essverhalten herum, seit ich in die fünfte Klasse gehe. Gut das ich nun eingesehen habe, das ich für mich eine Therapie brauche.

    Würde ich die selbstschädigenden Handlungen einfach aufhören können, dann müsste ich in keine Klinik. Gut, dann lasse ich halt die Abführmittel weg, dafür ist mein Magen dann so zugeschnürt, das ich nichts essen kann.

    Ich hab mich da selbst ganz schön in die Scheiße geritten und bin froh, wenn ich in der Klinik an die Hand genommen werde. Einfach nur, damit man mir das alleine Essen (Laufen) wieder beibringt.

  • #3

    Daniela (Samstag, 27 Oktober 2018 17:47)

    Ich glaube, du hast mich falsch verstanden...ich finde es gut, suchst du dir Hilfe in einer Klinik! Nur verstehe ich es absolut nicht, wieso du dir dann vor einem Eintritt noch so unglaublich Druck machst...sei es wegen ein paar kg mehr oder weniger...die sind nicht die Welt...und für mich las es sich halt so, als möchtest du prophylaktisch die Vorgehensweise in der Klinik untergraben mit einer Abnahme vorher...und das fühlt sich für mich einfach sehr komisch an. Mein Gewicht ist ja noch in einem ganz anderen Bereich und springt derzeit munter wie mein Essverhalten um 3-4 kg rauf in wenigen Tagen und dann vielleicht wieder 2-3 kg runter in mehr Tagen...aber ich lass mich nicht mehr durch Termine terrorisieren, entweder geh ich an gewisse Anlässe einfach nicht, und wenn es unausweichlich ist, dann bin ich einfach so wie ich bin, denn ich kann es nicht von heute auf in 2 oder 3 Wochen ändern, sonst wäre ich ja schon längst am Wohlfühlgewicht. Und wenn ich noch 2 oder 3 Jahre bis zu meinem Wohlfühlgewicht brauche, ich gebe niemals mehr auf.