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Anspannung lässt nach

Es ist soviel passiert seit vorgestern mit dem Vorfall in der Tagespsychiatrie. Und ich war dadurch die letzten beiden Tage komplett angespannt. Private große Ängste, Respekt und Scham in der Tagesklinik, Angst warum sich die Ärzte von der Essklinik immer noch nicht bei mir gemeldet haben. Ich stand unter Strom, so das ich gestern und heute ständig aus Auslaufen war - aus den Augen ;-). Jetzt pendelt sich alles ganz langsam wieder ein.

Also der Reihe nach.

 

Der Tag nach dem Klinikvorfall mit dem Mitpatienten war schrecklich für mich. Schon bei der Morgenrunde saß uns das komplette Personal gegenüber, gab es bisher so noch nicht. Und ganz klar wurde am Ende der Morgenrunde das Thema von jedem einzelnen (Therpeuten, Pflegerinnen, Arzt) angsprochen. Auch wenn es für die Allgemeinheit galt, ich wäre am liebsten im Boden versunken, mir war zum Heulen zumute.

 

Dann war große Visisite, das heißt der Chefarzt kam vom Stammhaus extra in den Klinikableger gefahren. Auch da wurde ich vom Chefarzt persönlich angesprochen, ebenso noch einmal von einer Pflegerin und einer Therapeutin. Ich brach in Tränen aus und habe mich gerechtfertigt. Ich war ja an dem Abend so weit, das ich am liebsten die komplette Therapie abbrechen wollte und im Internet schon recherchierte, wieviele von meinen Schlaftabletten ich nehmen müsste, um mal für 2 - 3 Tage ausgenockt zu sein.

 

Später wurde ich noch einmal im Einzelgespräch mit meiner Psychotherapeutin angesprochen und noch einmal am Schluss von einer Pflegerin alleine. Der Tag war Bescheiden aber ich habe ihn überlebt. Klar doch, daran stirbt man ja auch nicht. Scham halt.

 

Schlimmer noch war für mich die Begegnung mit dem Mitpatienten. Ich konnte ihn nicht in die Augen sehen und traute mich nicht in seine Richtung zu gucken. Mit der Therapeutin habe ich besprochen, das ich trotzdem in der gleichen Gruppe bleibe. War spannend, weil wir ja in der gleichen Therapiegruppe für die Gruppenpsychologie sind. Hier habe ich mich nur sehr zögerlich beteiligt, weil ich total gehemmt war.

 

Heute war er plötzlich nach dem Mittagessen nicht mehr da. Keine Ahnung, auch die anderen Mit-patienten wissen nichts. Ich fände es für seine Krankheit / Heilung schade, bin aber auch irgendwie für mich persönlich erleichtert. Den auch heute waren die Aufeinandertreffen nicht viel einfacher für mich.

 

Dann hat uns mein Schatz die letzten Tage sehr auf Trab gehalten. 4 Kg Gewichtsverlust in 2 Wochen, diffuse Rückenschmerzen seit über 3 Wochen ohne Grund, Plötzlich zusätzliche Ohrgeräusche zum Tinnitus seit 3 Wochen und Schlaflosigkeit (keine Nacht durchschlafen können, max. 3 Std. Schlaf am Stück). All diese Symptome haben ihn an seine letzte Krebserkrankung erinnert. Wir haben dann einen Termin bei seinem Onkologen ausgemacht und ich durfte ihn für die Untersuchung kurz begleiten. Die Schilddrüsen sind schon mal ohne Befund, das Blut wird noch untersucht und ins CT muss er am Montag.

 

Aber der Onkologe hat uns beruhigt und hat gemeint, das alles auf den Beginn eines BurnOuts hinweist und er einen Neurologen aufsuchen sollte. Auch nicht schön, aber die viel schönere Diagnose als ein erneuter Krebsausbruch. Mit ein bisschen weniger Angst warten wir jetzt noch die letzten Untersuchungen am Montag ab und dann können wir hoffentlich an der Front auch durchatmen.

 

Während mein Freund noch im Wartezimmer saß, bekam ich einen Anruf von der Klinik für Essstörung. Das Vorgespräch war lediglich ein längeres Telefonat. Ich kann mich nur noch schwach erinnern, weil ich gedanklich bei meinem Schatz war. Was ich aber ganz genau weiß: ich habe die Zusage bekommen! Mal im Kopf in die Luft springen.

 

Mit der Ärztin konnte ich gleich noch den schon gebuchten Urlaub über Silvester ansprechen und so stehe ich nun am 07. Januar auf Abruf bereit. Mal sehen wie schnell es dann schlussendlich geht. Die Klinik hat gerade eine lange Vorlaufzeit.

 

Ich freue mich so sehr über die Zusage, gleich mal ein bisserl die Mail reinkopieren, die ich bald danach bekommen habe.

 

Sehr geehrte Frau Meyer,

Ihre Anmeldung und die medizinische Prüfung wurden erfolgreich abgeschlossen.

 

Demnächst werden wir Sie in Ihrer Schön Klinik aufnehmen.

 

Ihre Anmeldung haben wir nun direkt an die Kollegen des Patientenmanagements der Klinik übergeben.  

 

 


Der konkrete Aufnahmetermin ist abhängig vom nächsten frei werdenden Behandlungsplatz in der Klinik. Bedingt durch die behandlungsabhängige, variable Aufenthaltsdauer und durch die Vielzahl der Anmeldungen kann es zu Wartezeiten kommen. Aktuell beträgt die Wartezeit durchschnittlich 6 – 10 Wochen.

 

 

 

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass daher im Moment noch keine detailgenaue Auskunft über Ihren Aufnahmetermin getroffen werden kann. 1-2 Wochen vor Ihrem Aufenthalt erhalten Sie von der Klinik die Nachricht mit Ihrem Termin.

 


Mit freundlichen Grüßen

 


 

Das mit der Wartezeit werden wir ja sehen, weil die eigentlich ja schon ab jetzt läuft und ich ab 07.01.19 auf Abruf bereit stehe. Es kann dann also ganz schnell gehen und ich freue mich wirklich sehr darauf.

 

Ja, es ist viel passiert die letzten Tage. Wir hatten viel Aufregung und einiges davon konnten wir jetzt gut auf den Weg bringen.

 

Zum Tagesabschluss waren wir heute noch bei unseren Heilpraktiker. Mein Schatz hat eine Infusion bekommen, damit seine Nerven mal kurz runterfahren durften um neu zu starten. Ich durfte dafür das erste Mal sein Baby (BMW Automatik) fahren ;-). Die Belohnung für den langen Tag? Das zusätzlich Ohrgeräusch von meinem Schatz ist etwas leiser geworden. Freitag Nachmittag steht der nächste Termin für ihn, da bekommt er die gleiche Infusion. Und dann werden die Termin für nächste Woche vereinbart. Der Heilpraktiker ist nämlich über 1 Fahrstunde entfernt und hat ihm schon gut durch die Chemotherapie begleitet. Da wird er nächste Woche evlt mal für ein paar Nächte gleich vor Ort schlafen.

 

Ja, genug der Aufregung. Morgen ist bei uns Feiertag und wir machen uns einen entspannten Tag. Nachmittags fahren wir zu meinen Eltern.

 

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