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Mehr geht scheinbar immer ;-)

Schon wieder eine Woche vergangen, so schnell kann ich gar nicht mehr schauen. Was gibt´s Neues?

 

  • Einen ziemlich turbulenten 1. November Feiertag mit Katerstimmung im Nachgang
  • Ein Spontanbesuch beim Heilpraktiker mit Lichtblick
  • Eine ziemlich bescheuerte Nachricht von meiner Rentenversicherung
  • Eine ziemlich schlaflose Nacht inkl. erwachtem Kampfgeist
  • Und erste Verhaltensstrategien bei Essdruck, die ich mir in der Gesprächstherapie gerade erarbeite

Ich kann nicht klage, im Augenblick ist ständig was los bei mir, so das ich kaum zum Luftholen komme.

1. November war Feiertag bei uns und wir haben unserer Toten gedacht. Nachmittag waren wir dann bei meinen Eltern zum Kaffeetrinken eingeladen. Dort habe ich auch mit einem Gläschen Sekt angestossen, so der eigentliche Plan. Herausgekommen sind am Ende mehrere Glässchen Sekt und 2 Schnäpse. Das hatte zur Folge, das ich in der illustren und zu späteren Stunde zum Glück auch kleineren Runde, einen Heulkrampf bekam. Mein Freund war überfordert und wollte mich in die nächste Klinik für einen Vollstationären Aufenthalt bringen. Wir haben noch auf der Straße vor meinem Elternhaus debattiert und er nahm mich schliesslich mit nach Hause.

 

Nach einem schweigsamen Heimweg brachen dann zu Hause alle Gesprächsdämme. Er war gänzlich überfordert. Ich habe mit nichts hinterm Berg gehalten.

 

  • die meisten Tage keine wirklichen Empfindungen
  • Selbstmordgedanken
  • chronische Müdigkeit und Überschöpfung
  • Hoffnungslosigkeit
  • Abführmittel, Entwässerungskapseln, überdosierung von Jodtabletten

Einfach die komplette Latte. Und mal wieder habe ich ihm die Trennung angeboten, weil ich nicht will, das er sich auch mit so einem Sack Problemen rumschleppen muss. Er ist ja selbst gerade auf letzter Rille und denkt an eine mehrmonatige Pause inkl. REHA Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik.

 

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht stellte er mich vor die Tatsache, das er mich jetzt mit in die Klinik begleitet um mit dem Arzt zu sprechen. Das war kein angenehmes Gespräch und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Er durfte mich an dem Tag um 11:00 abholen und ich hatte dann eine Stresserprobung zu Hause.  ( Das macht man nomalerweise erst zum Ende der Therapie)

 

Zu Hause angekommen wurde ich von meinem Freund zu seinem Massagetermin mitgenommen und später ging es dann noch zum Heilpraktiker von ihm. Dem Heilpraktiker hat er alles brühwarm erzählt und eh ich mich versah, lag ich auf der Liege und bekam eine Infusion. Natürlich mit meiner Einverständnis, wenn auch zögerlich.

 

Beim Nachhause fahren hat mich mein Freund zigmal gefragt, ob ich den schon etwas spüre. Ich wußte gar nicht worauf er hinaus wollte. Was sollte ich den überhaupt spüren? Die gleiche Frage bekam ich auch am nächsten Morgen gleich nach dem Aufwachen gestellt. Ja verflixt noch mal, was sollte ich den spüren???

 

Und Mittag kam es dann ;-). Ich kam runter von meinem Adrenalinspiegel, der mich über Tage hochgehalten hat. Meine innere Anspannung fuhr auf Null zurück und ich war nicht mehr traurig, ich war neutral gestimmt. Das steigerte sich im Laufe des Tages.

 

Samstag, Sonntag und Montag war ich wirklich sonnig gelaunt und voller Energie und Kraft. Ich wurde auch in der Therapie darauf angesprochen. Plötzlich ging ich wieder in Röckchen und fing an mich zu schminken. Dienstag kam ich dann schwer aus dem Bett und die Stimmung ging wieder etwas zurück. Mittwoch kam ich kaum noch aus dem Bett, trotz über 9 Stunden Schlaf. Wir bekamen spontan einen Termin beim Heilpraktiker für den gleichen Tag. Also holte ich mir gestern Abend meine zweite Infusion ab.

 

Die Stimmung ist etwas gedämpft, was auch an der scheiß Nachricht von der Rentenversicherung liegt. Aber die Kraft und Energie ist wieder da. Auch mein Kampfgeist ist erwacht. Ich habe einen negativen Bescheid von der Krankenkasse bekommen. Sie sind zu der Meinung gekommen, das ich jeden Tag 6 Stunden arbeiten kann. Ich investiere jetzt keine Zeit damit, mich aufzuregen. Ich weiß es besser, meine Ärzte wissen es besser. Ich investiere meine Zeit lieber für den Einspruch. Also werde ich heute den VDK anrufen, dort bin ich Mitglied. Ich werde mir einen Beratungstermin holen und dann den Einspruch vorbereiten.

 

Keine 10 Pferde bringen mich dazu, in nächster Zeit jeden Tag 6 Stunden zu arbeiten. Das schaffe ich rein körperlich schon gar nicht mehr und wenn ich eines gelernt habe: es ist Zeit Selbstfürsorge zu übernehmen!

 

Meine Nacht nach der gestrigen, zweiten Infusion war sehr kurz. Bin um 22:00 Uhr ins Bett und schon um kurz nach 04:00 Uhr wieder aufgewacht. Die Energie ist da und jetzt wo ich hier so vor mich hintippe, merke ich auch, das mein Gefühlspegel wieder in die "es geht mir besser" Richtung ausschlägt. Die letzten sonnigen Tage waren so, so schön für mich, ich bin bereite für weitere sonnige Tage.

 

Gestern war dann auch das erste Mal, das wir in dem Einzelgespräch mit meiner Therapeutin richtig tief in meine Essproblematik eingestiegen sind. Die Dame fühlt mir ganz schön auf den Zahn und kommt an Stellen hin, an die ich einfach nicht denken würde.

 

Wann den mein Essdruck hoch ist und was ich zum Beispiel in der Therapie machen könnte. Den hier in der Tagesklinik stehen ja immer Naschsachen aus. Gestern beim Heilpraktiker hatte ich einen Blutzucker von 189!!!!!!! Erschrecken, aber nach einem halben Dutzend Dominosteinen, einigen Keksen mit Schoko und ein paar Lakritzsachen keine wirkliche Überraschung. Der Stress setzt mir zu und ich gekomme gar nicht mehr bewusst mit, das ich mir ständig etwas in den Mund stecke.

 

Warum ich den Esse und in welchen Situationen. Ich habe ihr einige Antworten geliefert, aber das schien sie alles nicht zu befriedigen. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich mich mit meinen Antworten zufrieden gegeben. Und dann kam ich endlich darauf. Ich esse vermehrt in der Klinik, wenn es mir zu Laut wird von den vielen gleichzeitigen Gesprächen, wenn mir die Menschen zuviel um mich werden. Für mich den Bogen zu finden, was ich dagegen tun könnte, das war echt schwierig. Aber ja, ich habe es schlussendlich geschafft.

 

Wenn es mir zukünftig zu laut und hektisch in der Klinik wird, soll ich mich zurückziehen in unseren Ruheraum. Um auf diese Lösung zu kommen, musste sie minutenlang immer wieder neu ansetzten. Den bisher habe ich dieses Bedürfnis nach Ruhe mit sinnlosem Essen gefüllt. Es ist halt die naheliegenste Lösung gewesen und das hochkalorische Essen ist ja ständig da.

 

Ich soll für mich noch andere Strategien erarbeiten und überlegen, die wir dann das nächste Mal gemeinsam durchgehen und beleuchten werden. Und sie wird wieder jede einzelne Strategie hinterfragen, bis sie zum Kern durchdringt. Den mit Essen befriedige ich im Augenblick ja fast jedes Bedürfniss, weil ich es mir seit Jahrzehnten so antrainiert habe und es zwischenzeitlich perfektioniert ist.

 

Mein Freund hat überigens im Nachgang noch einmal mit dem Oberarzt telefoniert. Er meinte nur: ich habe einen großen Berg vor mir und ich kann ihn nur Schritt für Schritt abarbeiten. Und es wird wohl noch ein längerer Weg, aber ich bin auf dem richtigen Weg.

 

Ja gut, so hatte ich zwar ziemlich turbulente Tage die letzte Woche. Aber aus etwas Schlechtem (meine Sektorgie mit anschließendem Geständnis) ist etwas Gutes entstanden. Ich habe einen weiteren Knoten entwirrt, bin froh, das ich mir alles von der Seele geredet habe. Mein Freund ist inzwischen auch sehr erleichert und merkt eine Veränderung an mir.

 

Und ich? Mir geht es inzwischen wie Jim Carrey aus " Der Dummschwätzer". Ich muss alles Sagen, sonst platze ich. Ich habe meinen Freund bezüglich meiner Depression oder Essstörung nicht angelogen, aber ich habe ihm eben einiges verschwiegen, weil ich ihn nicht belasten wollte. Seit dem 1. und 2. November geht das irgendwie nicht mehr. Wenn ich etwas mache, wie zum Beispiel alkoholfreie Bittertropfen zu kaufen, frage ich ihn vorher. Würde ich das nicht machen, hätte ich jetzt das Gefühl, ihn aktiv zu hintergehen.

 

Mir ist mit dem Aussprechen all dieser Sachen ein großer Stein vom Herzen gefallen. Zusammen mit dieser Cholincitrat-Infusion vom Heilpraktiger scheine ich einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben.

 

Alles in Allem eine sehr anstrengende Therapiewoche für mich, aber auch die beste Therapiewoche seit langem.

 

Ach ja, der Mitpatient mit dem ich diesen Ärger hatte, der mich ja auch belastet hat. Er wurde gegenüber der Verhaltenstherapeutin sehr ausfällig und sah das aber nicht ein. Er hat seine Therapie abgebrochen. Für ihn tut es mir leid, den es löst diese krankhaften Ängste nicht auf. Ich selbst fühle mich aber trotzdem wohler in der Klinik, seit er fort ist.

 

 

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