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Morgen ist mein letzter Therapietag

So schnell kann die Zeit vergehen. Ich war jetzt 5 Wochen dabei und morgen ist schon wieder mein letzter Tag. Ich wollte noch etwas Verschnaufspause, bevor es im Januar Vollstationär weitergeht und sie fanden meine Lösung für mich gut.

 

Auch sonst hatte ich die letzten Tage einige tolle Momente und aufregende Minuten. Es läuft also weiterhin gut für meine Stimmung.

 

Und dann ist ja noch meine Essstörung und wie ich gerade versuche, neue Muster bei kleinem Essdruck zu erlernen.

 

 

Ich konnte meinen Essdruck am Mittwoch ganz gut bis zu meinem Abendessen aushalten und in den Hintergrund stellen. Die Lösung mit dem Hinlegen und bei Schummerlicht autogenes Training zu machen, um wirklich abschalten zu können, das war dann auch die richtige Lösung für mich.

 

Es fällt wir wirklich schwer, die waren Bedürfnisse die sich hinter meinem Verlangen nach Essen zu erkennen. Oh man, da gibt es noch eine Menge für mich zu tun. Irgendwann nach dem Abendessen konnte ich mich dann nicht mehr bändigen und ich habe die übrigen Gummibärchen gegessen.

 

Dafür konnte ich dann gestern wiederum den kompletten Tag gut damit umgehen. Bis zu einem Gespräch mit einer Therapeutin. Das Gespräch hat mich so durcheinander gebracht, das ich meinen Anti-Stressball zerlegt habe, beim knautschen und quetschen. Tja, soll vorkommen.

Zu Hause habe ich dann alles mögliche versucht um mich abzulenken. Ich bin dann zu später Stunde eingeknickt und habe zwei Eiweißriegel ohne Hunger gegessen.

Und trotzdem! Zu erfahren, das ich es auch immer wieder schaffe, damit gut umzugehen und danach kein Verlangen mehr nach Essen habe, das sind tolle Erfolgserlebnisse für mich. Das sind für mich die ersten Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Heute war also mein vorletzter Tag in der Tagespsychiatrie. Ich werde als "Nicht geheilt" entlassen und muss weiterhin meine Anti-Depressiva nehmen. Mein Arzt meinte, das ich einen guten Erfolg mit meiner augenblicklichen Stabilität erreicht habe. Er wünscht mir, das ich dieses Zustand bis in den Januar 2019 halten kann. Ich suche mir derweilen eine ambulante Verhaltenstherapie, zumindest gibt es einige Psychologen in der nahen Umgebung.

 

Und dann hatte ich heute ein ganz, ganz besonderes Erlebnis für mich. Dafür bin ich einer ganz tollen Mitpatientin ewiglich dankbar. Sie hat heute kurzerhand ihren Leo vorgestellt - ihr Haustier. Sie saß mit Leo auf dem Arm noch im Auto, schon hatte ich ihn auf meinem Arm und meiner Schulter. Darf ich vorstellen, Leo ist eine Würgeschlange. Und leider habe ich von diesem besonderen Augenblick kein einziges Bild gemacht. Schade eigentlich. Aber Leo, das war Liebe auf den ersten Blick! Er ist so schön glatt und warm. Er ist mir sogar am linken Ohr vorbei, durch meine Haare um den Hals gefahren. Ganz locker natürlich. Und immer wieder hat er mir voll ins Gesicht geblickt ;-) und dabei so schön gezüngelt. Leo ist der Hit!

Und ich weiß jetzt, das mir Schlangen überhaupt nichts ausmachen. Das wäre jetzt zwar nicht mein Haustier, aber Leo hat sich auch abknutschen lassen. Sogar von mir ;-).

 

 

Tja, und dann habe ich heute gleich mal mein Abschiedsgeschenk in die Gruppen mitgebracht. Meist wird Süßes oder Kuchen mitgebracht. Ich weiß nur, mir tun diese Kleinigkeiten wie Anti-Stressball, Anti-Stresswürfel, Seifenblasen und der ganze Kram unheimlich gut, wenn ich recht angespannt bin. Und so habe ich eine Klappbox mit diversen Teilen zusammengestellt, so das ich jeder in der Gruppe daraus bei Bedarf bedienen kann. Die Box bleibt in der Klinik stehen und ich denke, das ein oder andere wird seinen Weg nach Hause zu einem Patienten finden und anderes wird neu in die Box eingebracht werden. Auf alle Fälle standen meine Mitpatienten heute ständig um diese Klappbox herum und haben sich daraus genommen und gestaunt. Es war wunderschön und wir haben alle viel Lachen müssen. Habe gestern auch noch viele Bilder, Sprüche und anderes ausgedruckt. Lustiges, Achtsames, Nachdenkliches oder einfach nur Quatschbilder. Es ist auf alle Fälle viel dabei, das einen zum Lachen bringt, ob man will oder nicht.

 

Mir wird es schwer fallen, von dort zu gehen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die ich so nie angesprochen hätte. Es ergaben sich tolle Gespräche und ich hatte oft das Gefühl: Wir da drinnen, wir sind die Normalen und lehnen uns auf, gegen sinnlose und überfordernde 50ig Stunden Wochen.

Aber wahrscheinlich haben uns unsere Körper nur ein rigoroses Stoppzeichen gezeigt. Die meisten von uns brauchen an eine 40-Stunden Woche überhaupt nicht mehr zu denken. Viele von uns haben inzwischen die Erwerbsminderungsrente beantragt und eine Teilrente, weil wir nicht mehr arbeiten können.

 

Meine Mitpatienten/innen sind Mitte 20 bis Anfang 60 und fast alle von uns hat die Arbeitswelt ausgeknocked. Erschreckend. Oder wir sind einfach nicht tough genug für die heutige, globale Welt mir ihren immer schneller währenden Drehungen.

 

So, ich gönne mir jetzt einen entspannten TV-Abend und gehe morgen ein letztes Mal in die Klinik.

 

 

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