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Zumindest lasse ich mich nicht gehen

Mein Tief ist noch immer da und ich fühle mich traurig, einsam und undendlich fehlt am Platz. Aber ich lasse mich nicht gehen. Kraftsport, Weihnachtsbäckerei, Anrufe erledigen, lesen, kochen ...

... auch wenn es mir gerade ziemlich schwer fällt.

 

Heute habe ich einen backfreien Tag eingelegt. Habe die restlichen Lebkuchen mit einem Schokoguss überzogen und dann die 17 Päckchen für die Kunden von meinem Mann fertig gepackt. Schon Morgen gehen die ersten zwei Weihnachtspäckchen auf Reisen.

 

Ansonsten habe ich mir für Heute backfrei verordnet. Das war mir die letzten Tage dann doch zuviel. Auch wenn ich gestern bei einer Sorte Plätzchen auf einen fertigen Teig aus der Kühltheke zurück gegriffen habe. Ganz ohne schlechtes Gewissen und der Familie schmecken sie.

 

Ich will noch zwei Sorten selbst backen - Zimtsterne und Husarenkrapfen - diese Woche und dann ist erst einmal ein paar Tage Auszeit auf den Weihnachtsmärkten in Regensburg angesagt. Kurz vor Weih-nachten mach eich dann noch Rumkugeln, da die ja bekanntlich keine lange Haltbarkeit habe.

 

Dann gehe ich ja inzwischen wieder fleissig ins Fitnessstudio um wieder mehr Kraft und Muskulatur aufzubauen. Für die Kondition müsste ich auch etwas tun, kann mich aber nur schwer überwinden. Zumindst lasse ich mich am Wochenende immer auf einen längeren Spaziergang ein.

 

Auch bei meiner Erwerbsminderungsrente bin ich einen Schritt weiter. Ich habe ja einen negativen Bescheid bekommen. Zwischenzeitlich war ich in einer Psychiatrischen Tagesklinik und gehe Anfang 2019 noch einmal für einige Wochen in eine Stationäre Einrichtung. Hier steht die Essstörung an erster Stelle, aber auch meiner Depression wird sich wieder angenommen. Nach dem Telefonat wurde mir gesagt, ich sollte diesen Aufenthalt noch abwarten und dann die Erwerbsminderungsrente erneut beantragen. Mit den ganzen Therapien die schon hinter mir liegen und denen, die da aktuell kommen, müsste es laut dem Rechtsbeistand des VDKs mit dem Teufel zugehen, wenn ich mit einem Neuantrag nicht durchkomme. Das erleichtert mich. Und die Rentenversicherung hat sich mit der Ablehnung ein Eigentor geschossen, gut für mich. Da ja ab Januar 2019 das neue Gesetzt in Kraft tritt und meine Rentenjahre gleich gestellt werden, als hätte ich bis zu meinem 65. Lebensjahr in die Rente eingezahlt.

Das ist jedes Monat bares Geld, das mir dann mehr ausgezahlt wird. Mit einem Widerspruch, der ja jetzt keinen Sinn macht, ohne die beiden anstehenden Therapien, wäre ich nicht in den Genuss des neuen Gesetzes gekommen.

 

Und trotz dem will es mir im Moment einfach nicht besser gehen. Ich fühle mich traurig, alleine und irgendwie nicht richtig am Platz. Unabhängig ob hier die Sonne scheint oder ob es neblig ist. Meine Depressionen sind einfach Wetterunabhängig. Mehr den je wünsche ich mir, das ich diese Rückfälle wirklich verhindern könnte. Ich weiß einfach nicht, warum mir meine Medikamente über Wochen helften und dann wieder komplett ohne Wirkung sind. Schon seit Tagen kann ich wieder nicht mehr schlafen. Dieses Mal ziehen leere Gedankenkreise ihre Wege durch meinen Kopf und lassen mich nicht zur Ruhe kommen.

 

Selbst Fernsehen, Musik oder Lesen mag mich nicht wirklich ablenken. Gespräch mit meinem Mann oder Isa helfen für den Augenblick - manchmal - nicht immer. Die meiste Zeit kann ich mich nur kurz auf Gespräche konzentrieren und schweife dann immer wieder ohne Absicht ab. Anstrengend auf Dauer, kann ich nur sagen.

 

Gedanken an meine Person als eine tote Person kommen inzwischen jeden Tag vor. Es hat seinen Schrecken verloren. Neulich habe ich überlegt, welche Art von Lebensende wohl am wenigsten weh tut oder wo man einfach nur in einen Dämmerschlaf gerät und dann auf die andere Seite schwebt. Vielleicht eine Kohlenmonoxidvergiftung? Hört und liest man doch immer wieder, das die Leute einach nur müde werden und irgendwann einschlafen und nicht mehr aufwachen. Das stelle ich mir schön vor.

 

Ach ja, zu Hause habe ich nun wieder mit dem Zeichnen angefangen. Ich habe ja Aquarell für mich (neu) entdeckt. Für mich als Anfängerin haben sich die Aquarellstifte als einfachstes herausgestellt. Ich habe das Gefühl, das ich sie besser im Griff habe, die Bilder und Konturen. Ich übe nun öfters und jedes Bild auch mehrmals.

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