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Eine kleine Maus genügt

Ein einziges Ereignis genügt, um mich wieder zurück zu werfen. Unglaublich, wie zerbrechlich meine Psyche und mein Denken inzwischen geworden ist. Mäuse! Unser jüngster Kater, den ich mit in die Beziehung gebracht habe, ist leidenschaftlicher Mäusefänger. Meist hat er sie im Garten gehortet oder uns die Beute erledigt für die Füße geworfen. Das hat Anstand und Stil. Wir werfen ihn ja auch nicht lebendige Futterdosen hinterher und er muss sie noch jagen. Zumal der Mensch nicht zum Mäusejagen in den eigenen vier Wänden ausbildet ist.

Aber in den letzten 5 Tagen hat er uns ganze 3 Mäuse ins Haus geschleppt und alle noch quicklebendig. Klar, das hat sicher was, wenn man bei dem Regenwetter seine Beute genüsslich im eigenen Reich jagen kann. Aus Oskars Sicht kann ich das gut nachvollziehen. Aber die Sicht des Hausbesitzers ist dann noch mal eine ganz andere. Wir wohnen in einem Holzhaus, die Innenwände sind alles Holzständerwände und es gehen unsere Schächte durch Wände oder zwischen der Massivholzdecke und dem Estrich hin und her. Damit kann so eine Maus locker mal durch das komplette Haus maschieren und kommt am Ende aus einen der beiden Verteilerkästen raus. Ein Albtraum wie er nicht schlimmer sein könnte. Sie könnten uns die komplette Elektrik des Hauses annagen und wir müssten die Wände und den Boden einreissen, bis wir die entsprechende Stelle finden.

 

Haus oder Kater? Diese Frage ist dann nur noch rein rethorisch, das ist dann auch klar. Wir haben eine entsprechend schlechte Nacht hinter uns, allesamt. Fürs Erste bleibt die Türe zum Obergeschoß für die drei Kater geschlossen, obwohl nur Oskar der Jäger unter ihnen ist. Aber im Obergeschoß stehen die Verstärker, Vorverstärker und teuren HighEnd-Kabel die vor dem Versenden an Kunden, hier immer einer ausgiebigen Prüfung unterzogen werden. Das ist unser Einkommen, die Arbeit, welche unser Leben finanziert. Wenn da etwas angeknabbert wird, das geht so richtig ins Geld.

 

Ich muss heute noch die Tierärztin anrufen, vielleicht gibt es ja eine andere Möglichkeit, als einen unserer Kater wegzugeben. Den das Jagen können wir ihm natürlich nicht abgewöhnen, schon klar. Das hat er aber auch erst hier am neuen Wohnort für sich entdeckt. In meiner alten Heimat, wo er auch Freigang hatte, kam er nie mit Mäusen ins Haus.

 

Mich hat die gestrige Jagd nun total aus dem Ruder geworfen. Wir haben das Wohnzimmer auf dem Kopf gestellt und die Maus war wirklich in einen der Schächte. Nach über einer Stunde Mäusejagd haben wir sie schlussendlich gefangen und ich habe sie in Nachbars Garten geworfen - lebendig, natürlich.

 

Aber mein Mann meinte dann logischer Weise auch, das es so nicht weitergehen kann. Wir können uns ein beschädigtes Haus nicht leisten. Den wenn sie sich in den Schächten der Innenwänden einrichten, dann ist das eine wirklich große Katastrophe. Dort tickt das Herz des Hauses, die komplette Verkabelung für unseren Strom, Internet, Telefon.

 

Ich habe die komplette Nacht überhaupt kein Auge zugemacht. Gestern Abend fiel die Glasglocke "Depression" über mich und ich komme einfach nicht raus da. Gedankenkreise, die ich nicht zu Ende denken kann, aber die auch nicht aufhören zu kreiseln. Und wieder nur der eine Ausweg in meinem Hirn. Alle anderen normalen Lösungen in meinem Hirn sind für mich nicht erreicht. Sie sind wie hinter verschlossenen Türen und ich komme nicht mehr ran. Selbstmord ist das einzige was mir mal wieder in den Sinn kommt. Ich weiß nicht, wie oft ich heute Nacht Briefe an meine Eltern, Geschwister und meine kleine Familie hier formuliert habe.

 

Meine Gedankengänge sind natürlich vollkommen überzogen, das weiß ich selbst verdammt noch mal. Früher hätte ich zig andere Wege gesehen, inzwischen leuchtet immer wieder der gleiche Pfad in meinem depressionsgeschüttelten Hirn auf.

 

Und ich weiß, man hält meine Reaktion für dumm und übertrieben und niemand kann es nachvollziehen. Heute Nacht war ich das erste Mal froh, das es niemand nachvollziehen kann, von den Menschen, die mir am Herzen liegen. Weil, könnten sie das wirklich, dann stände es selbst sehr schlecht um sie und ihre Psyche. Ich möchte nie, das irgendein Mensch, der mir am Herzen liegt, die gleichen Gedanken haben muss, wie ich.

 

Das geht jetzt seit dem Hausbau so. Seit dem Hausbau haben sich die ersten Gedanken über den Tod bei mir eingeschlichen. Anfangs kamen diese Gedanken nur ab und zu und haben mir viel Angst gemacht. Ich war erschrocken von den Gedanken und das ich so etwas überhaupt denken konnte.

Dann kamen sie immer öfters und inzwischen sehr, sehr oft. Noch schlimmer, sie machen mir keine Angst mehr, sie gehören zu meinem gedanklichen Alltag!

 

Was heißt das den am Ende für mich. Da will ich doch überhaupt nicht hin. Warum sehe ich für jeden kleinen Scheiß, der mich nur etwas aus der Bahn bringt, nur noch Selbstmord als Ausweg??????

 

Gleich geht es zum Zahnarzt, nachprüfen ob die Wunde gut verheilt. Heute Mittag fahren wir dann bei strömenden Regen nach Regensburg und versuchen dort die nächsten 2 Tage Weihnachtsmärkte zu geniessen. Ich hoffe, das lenkt mich etwas ab. Selbst mein Mann kann mich nicht beruhigen, obwohl er ganz klar andere Lösungsansätze ausprobieren will. Glöckchen um den Hals, Obergeschoss bei Abwesenheit und in der Nacht verschlossen lassen. Das alles kommt schon lange nicht mehr bei mir an. Ich höre es wie durch eine dicke Nebelsuppe und trotzdem kann es mein Hirn nicht mehr verarbeiten. Es kommt keine Entspannung mehr, ich bin nur noch Dauerangespannt. Der berühmte Säbelzahntiger, dem ich entkommen muss und zwar die meisten aller gelebten Tage.

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Kommentare: 2
  • #1

    elenayasmin (Dienstag, 08 Januar 2019 10:40)

    Oh Mann, von mitgebrachten Geschenken kann ich auch ein Lied singen, dabei haben unsere Katzen nur gesicherten Freigang in einem Gehege. Trotzdem schaffen sie es auch dort, ab und zu eine Maus zu erwischen und die schleppen sie gern ins Haus (zum Glück haben wir aber keine Holzständerbauweise, so dass die Maus sich nur im Raum verkriechen kann und wir haben inzwischen schon eine gewisse Übung darin, die Mäuschen einzufangen). Momentan wird eine Katzenklappe mit Gesichtserkennung von Petporte entwickelt, leider ist sie aber noch nicht auf dem Markt. Vielleicht wäre das dann eine Überlegung wert? Oder dein Mann entwickelt selbst sowas und meldet es zum Patent an, ich wäre schon mal die Erste, die ihm eine abkauft :-).

  • #2

    Michaela (Dienstag, 08 Januar 2019 17:19)

    Hihi, das mit Gesichtserkennung wäre echt ein Kracher. ;-)
    Oder lieber doch eine Schnurrhaarerkennung *gg*
    Seit dem letzten Theater hat uns unser Oskar mit Mäusen verschont. Nichts desto trotz bleibt das OG während unserer Abwesenheit geschlossen. Ist ja immer nur Tagsüber.

    Liebe Grüße