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Therapieantritt steht fest

Seit gestern weiß ich nun, das ich am 07. Januar meine Therapie in der Klinik antreten darf. Im Gedanken bin ich schon am organisieren und packen. Vor allem bin ich offen dafür, auch wenn ich großen Respekt vor dem habe, was auf mich dort zukommt.

Mein Krafttraining läuft weiterhin gut und ich konnte noch das ein oder andere Pfund auf einige Geräte drauf packen.

 

 

Am 7. Januar ist es also soweit. Ich soll mich bis um 10:00 Uhr einfinden und dann geht es los. Erst der ganze Verwaltungskram, Zimmer beziehen und die ersten Therapeuten und Patienten kennenlernen. Ich gehe ich die Schön Klinik nach Bad Staffelstein. Sie sind bekannt für ihre resoluten Regeln bei Essgestörten. Freiheiten muss man sich durch Mitarbeit erst erarbeiten. Ich habe so ziemlichen Bammel vor dem Aufenthalt und der Therapie. Ich kann mich schlecht unterordnen und mit Regeln, die ich nicht mag, bin ich oft auf Konfrontation. So war es zumindest bisher.

 

Bei mir selbst herrscht eine komische Stimmung. Am liebsten würde ich gleichzeitig alles in mich hineinfuttern, weil ich ja nicht weiß wann ich es wieder essen kann. Da wären zum Beispiel Schokolade, Blätterkrokant, Gumminbärchen, Vinegar Chips .... nur ungesundes, stark schmeckende Nahrungsmittel.

 

Gleichzeitig würde ich gerne mein Essen auf Null fahren, nebenbei noch ein vermeintlich letztes Mal Abführmittel nehmen (was ich zum Glück ja vor einigen Wochen komplett entsorgt habe) und bis zum Antritt auf Biegen und Brechen 3 - 5 kg abnemen, weil ich Angst habe, das sie mich dort ja mästen könnten.

 

Und dann habe ich gestern noch gelesen, sie nach dem Set-Point-Prinzip verfahren. Dort wo sich der Körper mit normaler, kaloriengerechter Nahrung einpendelt, dort ist auch dein Gewicht. Und sie lernen dir, dich damit anzufreunden. Als abstinente Dicke habe ich nun unendlich Angst, das mein Set-Point jenseits von Gut und Böse bei mir liegen könnte. Meine Gedanken eilen also schon wieder weit voraus, ohne abzuwarten was am Ende ist.

 

Ich freue mich also auf der einen Seite, endlich die von mir ersehnte Hilfe zu bekommen und andererseits mache ich mir vor Schiss in die Hose. So ist das nun mal, alles hat zwei Seiten im Leben.

 

..... Schlafpause.....

 

Habe während des Schreibens das Blätterkrokant gegessen. Leider so schnell, das ich weniger vom aktuellen Geschmack hatte, als von der Übelkeit danach.

 

Warum tut man das immer wieder? Warum isst man zu schnell oder zuviel, obwohl  man weiß das es einen später damit körperlich schlecht geht. Übelkeit, Schlafkoma, Unterzuckerung, zu hoher Blutzucker.

Vorgestern hatte ich von einer Sekunde auf die andere eine Unterzuckerung von 48. Mein Freund konnte das nicht glauben und hat ein paar Minuten später noch einmal gepickst. Dann war es sogar schon bei 46! Ich habe dann eine Scheibe Brot ohne alles gegessen und vorab noch eine kleine, halbe Scheibe Nusszopf. Nach ein paar Minuten war der Spuck vorbei und mir ging es wieder besser. Leider merke ich nicht, wenn ich in Richtung Unterzucker gehe. Oft bin ich dann schon zwischen 56 und 65, bis ich es spüre. Mir wird dann von einer Sekunde auf die andere schwindelig, ich bin verlangsamt in meinem Reden und meiner Reaktion, mein Hirn gaukelt mir Dinge vor ... wie im Delirium.

 

Ich habe viel versaut, habe die Abnahme zwar sehr ernst genommen, bin aber in die falsche Richtung getrampelt. Mir fehlt die Richtschnur.

 

  • Adipositasklinik A empfiehlt:  sich strikt an 3 Mahlzeiten pro Tag zu konzentrieren
  • Adipositasklinik B empfiehlt: zwischen 3 - 5 Mahlzeiten je Tag zu essen
  • Adipositasklinik C empfiehlt: ernähren sie sich von normalen, gesunden Lebensmitteln
  • Adipositasklinik D empfiehlt: nehmen Sie, wenn möglich fettarme Lebensmittel oder Lightprodukte zu sich

 

Mein Freund empfiehlt: höre auf dein Bauchgefühl und iss einfach gesund!

Ich denke: ich sollte essen, wenn ich hunger habe und aufhören wenn ich satt bin.

Allerdings habe ich morgens auch nach 12 Stunden Esspause noch keinen Hunger, weil ich erst einmal in den Tag starten muss, bis mein Magen sich meldet. Das passiert dann so gegen die Mittagszeit. Mein Freund mein dann, das ist Quatsch, ein normaler Mensch hat einfach nach 10 oder noch mehr Stunden ohne Essen Hunger und sollte Essen. Er braucht ja Energie um wieder weiter machen zu können.

 

Ich selbst stehe mittendrin, will es jedem Recht machen und bin komplett verpeilt. Ja was den nun, wer von den ganzen Adipositasexperten hat den nun Recht. Esse ich regelmässig, habe ich Angst wieder dick zu werden. Esse ich nach Hungergefühl, dann bin ich bald weniger als ein Strich. Das einzige Light sind nur mein Softdrink und meine 1,5%ige Milch, weil mir Beides besser schmeckt, als die Normalversion.

 

Ich hoffe nun, das sich das Rätsel für mich in der Klinik etwas lüftet und ich durch den Dschungel der verdammten Ernährung endlich meinen richtigen Weg finden kann.

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Kommentare: 2
  • #1

    Tinka (Sonntag, 23 Dezember 2018 12:57)

    Hi,

    ich schreibe einfach mal meinen Senf zu dem Thema "Hunger"... auch das kann man trainieren. Aber wir als "Ex-Fette" denken dann immer, dass das mit Magenknurren und Übelkeit zu tun hat. Ist aber so wie mit dem Trinken. Wenn man Durst hat, ist es eigentlich schon zu spät.,

    Ich dachte auch immer, dass ich nichts morgens brauche... aber seitdem ich morgens nach dem Aufstehen einen Shake trinke, weiß ich, dass ich meinem Körper die notwendigen Eiweißbausteine gebe, die er braucht, um nicht meine Muskeln zu "zerfressen" und ich kann dann in 2-3h oder mehr, die nächste Mahlzeit essen - wie auch immer.
    Ich habe dann auch mehr Energie um durch den Tag zu kommen...
    ich bin gespannt auf deine Therapie und freue mich dann davon hier hoffentlich auch zu lesen... Und lass deinen inneren Rebellen zu Hause ;)
    Wünsche dir und deinen Lieben eine schöne Weihnachtszeit und ein gesundes und tolles neues Jahr!

  • #2

    Fräulein M. (Mittwoch, 26 Dezember 2018 18:48)

    Hallo Tinka,

    ich bin auch schon mächtig gespannt.
    Und beim Essen ohne Hungern, ja da muss ich echt noch verdammt viel lernen.
    Freue mich schon, wenn ich es mal schaffe, das sich meine Gedanken im Wachzustand nicht auf das Essen konzentrieren.

    Liebe Grüße
    Michaela Meyer