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Ruhiges Fahrwasser - Teil 2

Seit meiner Küchenmaschine bin ich zur Hobbybäckerin mutiert. Kuchen, Kuchen, Kuchen, geschnitzeltes Gemüse, geriebene Kartoffeln, Zwiebelkuchen. Das Teil wird inzwischen fast jeden Tag zur Arbeit gezwungen. ;-) Der Motor gibt Höchtsleistung und für mich war Backen noch nie so einfach wie jetzt.

 

Kein Wunder, den bis vor einer Woche habe ich immer noch mit Rührgerät und Schüssel meine Teige angerührt. Sprich jedes Mal das Rührgerät wegstellen, sobald eine neue Zutat rein muss und dann wieder minutenlang schaumig gerührt. Mein Rührgerät hat inzwischen über 10 Jahre auf dem Buckel und war noch nie das Stärkste. Umso glücklicher und verwöhnter komme ich mir jetzt mit der Küchenmaschine vor.

 

Für meinen Freund war wichtig, das wir gleich Teig für mehrere Pizzableche auf einmal kneten können und das die Maschine einen SlowJuicer an Bord nehmen kann. Das kann sie Beides und wir warten nun geduldig auf diesen langsamen Entsafter.

 

Ich habe in den letzten 10 Tagen 3 Kuchen, 1 Zwiebelkuchen, viel Kaiserschmarrnteig und jede Menge Gemüse und Käse durch die Maschine gejagt. Jedes Mal mit einem Dauergrinsen im Gesicht, weils einfach nur riesig Spass macht.

 

Es geht mir weiterhin gut ohne die abendlichen Tabletten. Die Schüssler Salze verrichten ihren Dienst und meine wechselnden Gefühle sind nicht mehr ganz so extrem. Natürlich schwanke ich immer noch zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Aber die Wechsel werden etwas weniger und sind nicht mehr ganz so arg ausgeprägt.

 

Und wir lernen Beide dazu. Letzte Woche war ich an einem Tag anscheinend so aufgedreht, obwohl ich es schon entspannter fand. Dabei sind mir dann anscheinend auch einige Spitzen herausgerutscht oder ich wußte nicht wann es gut ist. Mein Freund hat mich leider machen lassen und ist erst am nächsten Tag aus allen Wolken gefallen. Das hat wiederum mich erstaunt, weil ich ja dachte ich bewege mich im Grünen Bereich.

 

Mein Heilpraktier hat zu mir gesagt, er hätte mich schon lange nicht mehr so ausgeglichen gesehen. Mein Freund hat dem zugestimmt und für mich war die Welt in Ordnung. Während der Behandlung muss ich mich an dem Klingeln des Handys von meinem Freund anscheinend etwas zu lange ausgelassen habe. Sie haben das Beide angesprochen, als ich aus dem Zimmer war. So ohne Rückmeldung ist halt auch doof, ne.

 

Und so war ich dann am nächsten Morgen schon erstaunt, als mein Freund nach einer Kleinigkeit an die Decke ging und ich nicht wußte was wirklich los ist. Den eines war mir klar, die Kleinigkeit konnte es nicht sein. Und so kam er dann um die Ecke, das am Vortag doch nicht alles so entspannt war, wie ich das dachte.

 

Heute morgen habe ich dann gesagt, das ich mich wieder so aufgedreht fühle, weil ich mit nur 5 Stunden Schlaf auskam und putzmunter bin. Mein Redefluss ist kaum zu unterbrechen und ich bin wieder sehr aufgezogen. Ich habe ihn darum gebeten, mich bitte sofort auf die Seite zu nehmen, wenn ich eine Grenze überschreite. Nur so lerne ich, mit meinen Emotionen umzugehen, das ich anderen nicht zuviel werde.

 

Des weiteren schreibe ich nun seit knapp einer Woche das 6-Minuten Tagebuch, das man kaufen kann. Es legt den Fokus ganz gut auf die Fortschritte und bleibt nicht beim Mist stehen. Wie würde meine ehemalige Verhaltenstherapeutin sagen: "Damit kreisen sie nicht den ganzen Tag wie eine Fliege um den Scheißhaufen, wenn es ihnen eh schon schlecht geht." Recht hat sie.

 

Die paar Minuten am Tag tun mir gut und ich schreibe gerne rein.

 

Was ich von der Essklinik mitgenommen habe, ist:

 

  • meine tägliche Butter unter jedem Brotaufsstrich ist Routine geworden
  • mein Stück Kuchen am Tag brauche ich, ansonsten fange ich an zu grasen (schon leidvolle Erfahrung gesammelt und wieder auf den Kuchen gekommen)

 

Nicht viel, was ich aus den vier Wochen retten konnte, aber ein solider Anfang für eine stabile, gesunde Basis.

 

Immer wieder habe ich grasende Momente hier zu Hause, aber ich versuche mich dafür nicht zu verurteilen und sogleich wieder das Grasen aufzuhören. Bisher klappt das ganz gut.

 

Was mir aufgefallen ist, in der Klinik konnte ich ja keine 10 Minuten am Stück ein Buch lesen. Hier kommt das nun ganz langsam wieder zurück. Meine Konzentration kommt also wieder, das ist schön.

Als Belohnung habe ich mir heute ein Puzzel mit 1.000 Teile geschenkt. Kostet 15 € und sollte Anfang nächster Woche hier sein.

 

Ich möchte gerne tagsüber im Esszimmer etwas Puzzeln und dabei Hörbuch oder Musik hören. Im Esszimmer kommt die Sonne so schön durch die bodentiefen Fenster rein. Mein Hoffnung ist auch, das mein Mann und Isa am Abend Gedankenverloren ein bisschen mitpuzzeln. Im Augenblick verneinen sie das noch ganz vehemennt. Aber man weiß ja nie ... wenn ich da nach dem Abendessen so vor mich hin puzzle, ist das vielleicht ja doch ansteckend. ;-)

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniela (Sonntag, 03 März 2019 09:45)

    Schön so positives zu lesen :-)
    Puzzlen macht süchtig, zumindest bei uns...auch mein Mann puzzelt immer mit, obwohl ihm das vor einigen Jahren auch noch nix gesagt hat :-)
    Und wegen dem überdreht sein...trinkst du mal Kaffee und mal nicht? Bei mir ist es so, wenn ich ausnahmsweise mal nen Kaffee trinke am morgen, dann hab ich "sprechdurchfall", heisst ich rede dann ohne Punkt und Komma und merke es manchmal selbst nicht :-)
    Liebe Grüsse Daniela