· 

4 Tage für mich

Balsam für die Seele. Seit gestern ist mein Schatz im hohen Norden um sich bei seinem Tinitus helfen zu lassen und kommt erst wieder am Freitag später Nachmittag zurück. Isa ist in der Arbeit und so habe ich ganz viele Stunden nur für mich. So wunderbar, ich geniesse es. Nur an den Abenden, da vermisse ich meinen Schatz schon sehr.

 

Gestern habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht viel gemacht. Kurz einkaufen gewesen, mein Buch zu Ende gelesen, auf der Couch das ein oder andere Nickerchen gehalten und noch Trainieren gewesen. War aber auch zu schön, sich mal wieder so richtig in den Lümmelmodus zu begeben.

 

Heute sieht der Tagesplan schon wieder ganz anders aus. Gerade geht mein Hefeteig in Ruhe vor sich hin. Gleich muss ich einen organisierten Einkauf erledigen und neben dem Hefe-Swirl will ich auch noch die ersten Zimtschnecken meines Lebens backen und gleich mal eingefrieren.

 

Der Termin für den VDK am Freitag muss auch noch zu Ende vorbereitet werden und die Bäder sind gleich auch noch dran. Der Rest des Tages gehört dann wieder mir ganz alleine.

 

Am Sonntag beim Wandern hatte ich einen echten Lichtblick. Mein Freund hat so erzählt, seine beruflichen Sorgen, die man als Alleinunternehmer so hat. Und irgendwann kam mir ganz automatisch ein: "mach die keine Sorgen, dann öffnet sich eben eine andere Türe für dich" über meine Lippen.

Das war früher immer "mein Satz", egal was gerade passiert war.

 

Ohne Arbeit - egal, dann öffnen sich halt andere Türen für mich.

Wieder ein Griff ins Klo bei dem aktuellen Freund - egal, dann öffnen sich halt andere Türen für mich.Kein Geld für einen netten Urlaub - egal, dann öffnen sich halt andere Türen für mich.

 

Die Liste könnte ich unendlich fortführen, den dieses "Egal, dann öffnen sich halt andere Türen für mich" war mein absolutes Credo und nichts konnte mich wirklich aus der Bahn schmeissen.

 

Als mir das dann am Sonntag über die Lippen kam, ich hätte schreien können für Glück. Hab ich nicht, aber ich bin wie ein grinsendes Honigkuchenpferd hinter meinem Freund hermaschiert. Und meine Gedanken, ich sags euch, die haben nur so geschwurbelt im Kopf. Das erste was mir in den Sinn kam, war natürlich sofort eine neue Arbeit zu suchen. Ich kenn diese Euphorie und die Gedanken ja schon ganz gut. Ich werde auf alle Fälle die Rente beantragen, weil es mir finanzielle Sicherheit gibt und einen Schutzraum, das ich mich wieder in kleinen Schritten in der Arbeit ausprobieren kann. Den die EU-Rente ist ja erst einmal auf 2 Jahre begrenzt und Gott alleine weiß, wie es bis dahin bei mir aussieht. Vielleicht kann ich bis dahin ja wirklich wieder meinen Lebensunterhalt alleine bestreiten. Das wäre mein größter Wunsch. Ich - einfach unverbesserlich. ;-)

 

Das ganze Essensproblem bei mir ist hausgemacht, das weiß ich nun auch endlich. Mein Schlauchmagen funktioniert wie eine "Eins+". Wenn ich langsam esse, viel kaue und achtsam bei der Sache bin, bin ich nach einer Scheibe Brot pappsatt und nichts geht mehr rein. Zu Hause bin ich leider nicht so achtsam und esse für meine eigenen Verhältnisse viel zu schnell, auch wenn ich immer noch die langsamste am Tisch bin. Da passiert es mir dann, das ich mich regelmässig ÜBEResse. Ich glaube ich habe mal wieder ziemlich viel Glück, das mein kleiner Schlauchmagen sich bisher trotzdem nicht dauerhaft ausgedehnt hat. In der Klinik ist es mir sogar passiert, das ich einmal das Kuchenstück nicht geschafft habe. Und ich habe mich den kompletten Tag über, immer satt und zufrieden gefühlt.

 

Das mir das hier in meinem Raum so sehr schwer fällt es umzusetzten, das will mir gerade überhaupt nicht in den Kopf. Und so will ich mit Heute beginnen und das achtsame, langsame Kauen wieder einzuüben. Irgendwann ist es dann hoffentlich in meinem Unterbewußtsein verankert und hat sich automatisiert. Ist immer gut, wenn der Autopilot bei solchen Dingen die Regie übernimmt. Zumindest, wenn ich ihm vorher die richtige Richtung antrainiert habe. Das muss und WILL ich nun ein allerletztes Mal in Angriff nehmen.

 

Beginnen werde ich wirklich mit dem langsamen und achtsamen Kauen. Den ganzen anderen Rest lasse ich erst einmal so, wie es gerade ist, sonst wird es wieder zuviel. Wenn ich an mehreren Dingen gleichzeitig arbeite, dann überfordere ich mich oft und es klappt nicht. Das ist immer gleich ein Grund für mich, mich selbst als eine Versagerin abzustempeln und dann aufzugeben. Das will ich unbedingt vermeiden.

 

Ansonsten geht es mir gut. Die Standpauke von meinem Freund wirkt immer noch nach, von wegen das ich wieder sehr Bewegungsfaul geworden bin. Am Samstag wollte er unbedingt spazieren gehen und ich nicht. Ich habe ein paar Mal Nein gesagt und das fand ich dann auch ziemlich scheiße. Also habe ich ihm einen Kompromis vorgeschlagen. Meine Lieblingsroute, die zwar kleiner ist, aber er kommt Raus und ich habe mich dann auch für 40 Minuten in der freien Luft bewegt. Der Spaziergang war dann echt toll und wir haben auf einer Anhöhe kurz Rast gemacht und konnten auf der Bank die komplette Umgebung überbliegen. Das war Klasse und ich konnte den Sonnenschein mit meinem Mann geniessen.

 

Am Sonntag waren wir dann wandern und ich habe mich einfach angeschlossen. Also im Gedanken nicht rebelliert, sondern bin mitgelaufen, egal wohin und welche Richtung. Wir haben einen wunderschönen Wanderweg ausfindig gemacht und hatten einigen Highlights auf dem Weg.

 

https://www.fraenkische-schweiz.com/de/poi/detail/5717416f975a56a179b7efaf

 

Ich bin sogar auf einen der 2-Meter hohen Felsen rauf geklettert und habe mir das Ganze von oben angesehen. Das war schon irgendwie komisch dort, also so energiemässig. Ich habe mich leichter und fröhlicher dort erlebt - ein ganz schöner Ort und dort waren wir sicherlich nicht das letzte Mal.

 

Und gestern war ich dann noch im Kieser Training ohne Schatz aber mit Leihtochter. Ganz alleine hätte ich mich sehr schwer getan, den Schweinehund zu überwinden. Aber vor Isa wollte ich echt nicht faul dastehen. Egal was die Motivation war, ich war dort und habe trainiert. Das ist schon mal gut.

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0