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Wie ich "gespiegelt werden" liebe ;-)

Ich habe ja schon mehrmals mit dem Buch geliebäugelt, aber mir ein "zusätzliches Kaufzöllibat" auferlegt. Mit meinem neuen Hörbuchguthaben habe ich dann aber endlich zugeschlagen.

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Es geht unter anderem auch darum, zu was der Mensch fähig ist und welchen Unsinn er zu glauben beginnt, wenn er unbedingt abnehmen will / muss. Und das in einem sehr lockeren, lustigen Ton und mit viel Selbstironie gewürzt.

 

Ich habe selten so viel geschmunzelt, mit dem Kopf stumm bejaht und bin mir gleichzeitig wie eine Idiotin vorgekommen. Aber eine Idiotin unter ganz vielen Idioten. Ich glaube, sie liest das Hörbuch sogar selbst. Das ist an Witz kaum zu übertreffen, den sie bringt alle Emotionen mit rein. Man kann förmlich hören, wie sie sich selbst die Hand vor den Kopf schlägt. Ich kann das Buch / das Hörbuch nur wärmsten empfehlen.

 

Und mich persönlich bringt es wieder einen Schritt weiter zu meinem ganz "ureigenen Ich". Den die letzten Tage bin ich förmlich wieder in einen Nasch- und Knabberflash zurückgeflogen. Zu 80 % bestand meine tägliche Nahrungsaufnahme aus viel Schund, gepaart mit Zucker und Fett und die restlichen 20 % waren ausgewogen. Wobei ich die dann auch nicht mehr gebraucht hätte, weil ich eh schon randvoll war.

 

Im Auto auf der Heimfahrt von meiner Familie habe ich mir dann wieder sämtliche Strategien zurecht gelegt, wie ich meinem ungesunden Essverhalten und der drohenden Gewichtsexplosion zu Leibe rücke. Nur die tollsten Strategien natürlich, ist das klar. Ein paar Beispiele gefällig?

 

Bitteschön:

  • KHs auf ein Minimum reduzieren
  • Mich von Shakes und Eiweißriegeln ernähren
  • Nur noch Essen, wenn ich mit Mitmenschen zusammen bin, ansonsten das Essen komplett einstellen
  • Abnehm Apps installieren
  • meiner kleinen Familie heimlich WW Gerichte oder andere Diätrezepte unterjubeln
  • es noch ein letztes Mal mit Hypnose versuchen
  • krampfhaft Therapeuten für Essstörungen ausfindig machen und stalken bis sie mich aufnehmen
  • jeden Tag ultimativen Sport einbauen

 

Ihr seht schon, alles wieder nur extreme Lösungen. Mein normaler Menschenverstand hat sich, wie so oft beim Thema Gewicht, mal eben verabschiedet.

 

Diese Gedanken gingen mir nebenbei so immer wieder beim Hörbuch hören durch den Kopf. Sie gab das Stichwort und ich habe sofort losgelegt im Kopf. Als hätte es die letzten 40 Jahre krampfhaftes Abnehmen nicht gegeben. Den wie man sieht, ich nehme ja immer noch ab. Also, ich versuche immer noch mein "Wunschgewicht" zu erreichen. Dabei denke ich, ich weiß nicht mal was mein Wunschgewicht ist. Ist schon krass, wenn man über die letzten beiden Sätze noch nachdenkt.

 

Auf was arbeite ich eigentlich hin? Warum ist mir eine unbekannte Zahl auf der Waage oder als Etikett in den Klamotten so wichtig? Wo bleibt mein eigenes Gefühl? Was fühle ich überhaupt, wenn ich mich so spüre?

 

Also, wenn ich mal die Tatsachen so betrage von Früher bis jetzt, dann ist das alles nur halb so wild, wie ich es mir persönlich immer einbilde. So hatte ich eigentlich nie ein Problem, was das männliche Geschlecht anbelangt. Dabei war das immer einer der Hauptgründe, warum ich abnehmen wollte. Pardon, warum ich auch jetzt gerne knackiger aussehen möchte. Ich würde meinem Mann gerne ein Dellenfreies Bild von Hinten bieten können. Unterdessen ich mit um die 50 kg gar nicht mehr ohne meine Strings konnte, tauchen jetzt wieder die ersten Pobedeckenden Schlüppis auf.

Ich find den Anblick meines prallen Hinterns sollte mein Mann nicht ausgesetzt sein. Was sagt er zu mir letzten Sonntag? "Ich vermisse die schönen farbigen Sachen an dir, mit möglichst wenig Stoff und wenn dann bitte Spitze"

Aha - damit hab ich überhaupt nicht gerechnet. Jetzt wo ich meinen Körper wieder in eine Kleidergröße 40 einhülle, wirds für ihn erst so richtig interessant. Gut, es ist irgendwie auch eine Erleichterung für mich. Gut zu Wissen, das mein Mann meine Kurven mehr mag, als den damals fast fettfreien Körper. Ich will also unter anderem für meinen Mann knackiger sein und der findet mich so aber mal so richtig toll. Den Abnehmgrund kann ich also abhaken.

 

Vielleicht sollte ich aufhören mir mit 50 so alberne Vergleiche aufzuhalsen. Ich vergleiche mich ständig mit anderen Frauen. Sind sie dicker als ich, fühle ich mich dummerweise gut. (Das finde ich selbst total gemein an mir) Sind sie schlanker als ich, beginne ich mit mir selbst zu hadern und fühle mich gleich unwohl, nein falsch, mein Selbstwert sinkt in den Keller.

 

Ich mache mein Äußeres seit ich denken kann, von meiner Umwelt abhängig. Menschen, Medien, Männern, Familie, jüngeren Frauen. Ich sollte es einzig und alleine von mir abhängig machen!

Ich muss lernen mich zu lieben. Also raus mit den Klamotten, dir mir inzwischen zu eng geworden sind. Ich werde wohl nie wieder in 36 passen. Ist Fakt und ich fand mein Spiegelbild eh zu knochig. Ich fand nur das Etikett in den Klamotten super und ich fand es toll, damit bei anderen zu kokettieren. So, nun ist es raus. Größe 36 ist nicht mein Ding, aber es war halt echt super damit mit anzugeben und das Gefühl zu haben, das ich mit all den anderen Schlanken mithalten kann. Nur das ich im Grunde meines Herzen nicht das zierliche Mädchen bin.

 

Der Größe 38 hingegen trauere ich schon nach, das muss ich wirklich mal zugeben. Auch wenn ich selbst schuld bin, das ich gerade wieder dicker werde. Ich muss mir mal die nächsten Wochen darüber klar werden, wie wichtig mir diese Zahl wirklich ist. Es ist ja nicht nur eine Zahl, da hängt noch einiges anderes mit daran.

 

  • ist es körperlich ein großer Unterschied oder ist er eher marginal
  • wie sieht es mit der Bewegung aus? Leichter oder schwerer oder gleich?
  • meine Selbstsicherheit? Besser - schlechter - gleich!

 

Und dann muss ich mir ja auch noch die Frage stellen, ob ich gewillt bin mich dafür wirklich zu ändern.

 

  • Will ich auf meine 3 - 4 Stückchen Kuchen /Hefeteilchen mein Leben lang verzichten?
  • will ich erst einmal wieder strenger auf mein Essverhalten achten, bis ich wieder in Größe 38 reinpasse?
  • bin ich gewillt, mehr Sport zu machen um anschließend das Gewicht zu halten?
  • wie sehr würde es mich stressen, das Gewicht zu halten?

 

Das sind die Fragen die mir eben dazu einfallen. Ich muss in mich gehen und mich fragen, ob ich bereit bin einen bestimmten Preis zu bezahlen. Sind mir gewisse dauerhafte Einschränkungen und zusätzliche Bewegungseinheiten soviel wert, das ich ich abnehmen will? Braucht es diese Abnahme, damit ich gesund bin oder bin ich auch jetzt in einem gesunden Bereich?

 

Ich werde nie einen reelen Körper haben, wie ihn all die Bildbearbeitungsprogramme in den Medien hinzaubern. Das muss ich nicht. Ich muss lernen stolz auf meinen Körper zu sein. Meine Füße tragen mich jeden Tag. Meine Knie haben mir Gott sei gedankt, das viele Übergewicht fast verziehen. (nur die letzten zwei Tage machen sie mal wieder etwas Radau).

 

Meine Haut, hey, sie ist das ewige Auf und Ab auch Leid. Ich sollte ihr nun endlich mal die Pause geben, die sie sich vom vielen Dehnen und Zusammenziehen verdient hat. Sie hat genügend andere und wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als ständig mit mir zu gehen.

 

Ich habe 10 gesunde und voll bewegliche Finger die tippen, schreiben, puzzeln, kochen, schnippeln, greifen, streicheln, trösten, sehen, fühlen, .... sie sind perfekt!!!!! Und ich nehme das als eine absolute Selbstverständlichkeit hin.

 

Oh man, gerade kommt es mir echt siedend heiß. Ich bin so, so doof. EHRLICH!!!!

Ich bin PERFEKT. Gott, die Natur, meine Eltern, sie haben mir alles Wissen doch mitgegeben. Ich sollte keine x-te Anleitung brauchen, wie ich mich noch mehr perfektionieren. Ich sollte der Diät-Industrie den Finger zeigen und sie links liegen lassen.

 

Good Bye ihr Diätrezepte, good bye ihr Apps, Drinks, Pillen, Pülverchen, geführte Abführgruppen ..... ich sollte mich auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen und mich von euch und euren Vorstellungen und Regeln befreien. Ihr habt mir noch nie etwas gebracht, sonst würde ich 40 Jahre später nicht immer noch um diese Diät-Götter herumeiern.

 

Und ich sollte wieder mehr Vertrauen in meine eigenen Instinkte bekommen. Ich diäte seit 40 Jahren, das lege ich nicht so einfach ab. Aber ich bin mir sicher, je mehr ich lerne auf meine Instinkte und mein natürliches Wissen zu hören, umso seltener werde ich irgendwelchen Diätgurus folgen.

 

Ich muss mir Fehler endlich zugestehen. Ich mache sie ja trotzdem, auch wenn ich immer groß antöne, das ab Heute alles anders wird. Nichts, garnichts wird ab Heute radikal anders! Aber ich habe ein weiteres kleines Puzzelstück gefunden, das mich wieder etwas mehr "Ganz" macht.

 

Dafür bin ich Heute sehr, sehr dankbar!

 

 

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