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Bestätigung im Außen gesucht

Habe gestern Sicherheit gesucht - im Äußeren - und zumindest teilweise gefunden. War gestern Vormittag spontan einen Stadtbummel in Erlangen machen. Wollte mal wieder alleine in Buchhandlung Papierluft schnuppern und in vielen interessanten Büchern blättern. Nebenbei bin ich auch eine große Angst von mir angegangen.

Kleideranprobe - ein ganz, ganz schwieriges Thema für mich. Und trotzdem habe ich mich getraut und bin mit einigen Kleidern in die Umkleide verschwunden. Nach meiner Zunahme war das für mich mit viel Herzklopfen verbunden und ich musste mich richtig überwinden. Entsprechend habe ich auch Kleider in Größe 44 mit in die Umkleide genommen. Und ich muss sagen, ich war so erleichtert, als ich festgestellt habe, das die Kleidergröße 44 zu groß für mich ist. Eine 42 brauche ich inzwischen aber, das ist leider auch die Wahrheit. Meine Brüste sind durch die Zunahme und die Hormone wieder richtig groß geworden. Und je nach BH brauche ich inzwischen wieder eine 85 D oder E. Gleich nach der Brust-OP war es eine 80 C.

 

Und so passen mir nun Kleider oder Oberteile in Größe 42 um die Brust herum perfekt. Um Oberbauch und Unterbauch ist es etwas zu groß geschnitten. Bei Hosen ist es das selbe Spiel. Am breitesten Punkt um Po und Hüfte trage ich eine 40 / 42, Tendenz auf alle Fälle 42. Um die Taille sind die Hosen dann wieder etwas zu weit und ich nähe öfters einen breiten Gummibund in den Hosenbund ein.

 

Ich habe das Gefühl, das die Mode nicht für weibliche Körper mit natürlichen Kurven gemacht ist. Also doch Nähen. Mein erstes Shirt liegt immer noch halbfertig in der Küche. Ich traue mich einfach nicht die Nähte setzten, so was Dummes. Ich habe unbegründet Angst, das das Shirt dann komplett Scheisse aussieht. Mein Gott, ist ja nicht wirklich schlimm, ist mein erstes Nähteil seit über 30 Jahren, das darf auf alle Fälle nicht perfekt aussehen.

 

Das ich mir als junges Mädchen ohne Hilfe Overalls, Hosen, Kleider oder Blousons genäht habe, kann ich mir schon gar nicht mehr vorstellen. ;-). Und ich habe meine Nähstücke alle mit Stolz getragen.

 

Die kommenden drei Tage sind wir wieder "on the road", aber gleich nächste Woche an einem Vormittag alleine zu Hause werde ich mein "Comeback-Shirt" fertig nähen und voller Stolz anziehen. Die nächsten Schnitte habe ich mir schon ausgesucht. Natürlich alles erst einmal für Anfänger und ohne großes Schnick-Schnack. Ich will mir noch eine Sommerhose und ein einfaches Sommerkleid nähen. Solltes das Shirt etwas werden, wird es vervielfältigt. ;-).

 

Ich muss mir endlich wieder mehr zutrauen. Beim Kochen und Backen bin ich inzwischen wieder sehr gut dabei. Ich bin stolz auf meine Kuchen und kann mich auf mein Backgefühl verlassen, wenn ich mal wieder eine Zutat von der Menge her zu großzügig abwiege. Die Kuchen werden bisher alle was und schmecken meiner Familie.

 

So will ich das bei meinen selbstgenähten Kleidern auch wieder fühlen.

 

Mein Freund hat übrigens auch in einem Satz erwähnt, das ich wieder leicht mollig bin. Er meinte: Anfangs war ich viel zu tun, dann hatte ich eine Zeit lang eine normale Figur und jetzt habe ich wieder etwas mehr an weiblichen Rundungen. Dann gab es ein Bussi und einen liebevollen Klapps auf den Po.

 

Komisch, ich habe die Phase mit dem normalen Gewicht total verpasst. Ich war mir immer nur zu dünn und dann plötzlich wieder zu dick. Diese Zeit mit der angeblichen "normalen Figur" habe ich nicht wahrnehmen können. Schon in der Klinik, als jeder zu mir sagt, ich sei normalgewichtig, fand ich mich wieder viel zu dick. Nach der Kleiderprobe gestern bin ich wieder etwas beruhigt. Wenn ich mich vom Nahen im Spiegel betrachte, fühle ich mich um die Taille herum nicht allzu dick. Nur meine Brüste, hm. Ich übe mich darin froh zu sein, das ich sie habe. Andere Frauen verlieren sie durch Brustkrebs. Die Natur hat mich halt von Beginn an mit einem üppigeren Busen vorgesehen. Denn selbst mit Kleidergröße 36 hatte ich noch ein im Verhältnis üppiges C-Körbchen.

 

Und ein weiterer Entschluss ist gefasst. Wenn die Rente durch ist, will ich keine Klinik und keinen Verhaltenstherapeuten mehr sehen. Auch ich denke, ich bin so weit austherapiert und mit dem Rest kann ich Leben. Sollte ich später wieder mehr Hilfe brauche, würde ich sie natürlich wieder in Anspruch nehmen. Aber für´s erste reicht es mir.

Seit nunmehr 4 Jahren bin ich ständig im Krankenhaus oder in irgendeiner Therapie. Hier muss nun auch Ruhe einkehren, sobald das geht. Vielleicht verläuft sich das ein oder andere dann von alleine.

 

Ach ja, ich bin ja echt Schrittfau. Aber durch den Schaufensterbummel (ohne Geld auszugeben) bin ich gestern schlussendlich auf knapp 13.000 Schritte gekommen und habe insgesamt 25 Stockwerke bewältigt. Gerade ja fast in Versuchung, das 2 - 3 mal pro Woche zu machen. Bin mit Schaufenster gucken beschäftig und merke nicht, wie viel ich nebenbei Gehe.

 

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