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Mit oder ohne Gift leben?

Hinter mir liegen eine Woche mit Drehschwindel und Übelkeit aus dem Kopf. Ich dachte, ich hätte mir einen kleinen Virus eingefangen. Muss fast schon sagen, leider ist es doch kein Virus.

Es sind die Entzugserscheinungen, weil ich das Antidepressiva komplett abgesetzt habe.

Es sind mir noch mehr Dinge nach dem Absetzten aufgefallen, welche sich in den letzten Tagen vermehrt gezeigt habe. Jetzt kann ich die Entscheidung zwischen Pest und Cholera treffen.

 

Negativ ist mir aufgefallen:

  • ich bin höchst aggressiv und kann mich nur schwer im Zaum halten
  • meine Aggression richtet sich vor allem gegen mich selbst und gegen Situationen - NICHT gegen andere Menschen!
  • ich bin unruhig und aufgezogen
  • ich rede ohne Punkt und Komma
  • und meine Gedanken sind noch viel, viel schneller, als ich jemals sprechen könnte
  • ich habe einen Drehschwindel (der nach dem Entzug verschwinden soll)
  • ich habe Übelkeit aus dem Kopf (ebenso eine kurze Entzugserscheinung)
  • ich kann mich nur noch kurz in lauten Räumen mit vielen Menschen aufhalten, dann bin ich komplett reizüberflutet

 

Positive Entwicklungen sind allerdings:

  • mein wiedergekehrtes Gedächtnis
  • meine längere Konzentrationsspanne
  • endlich nehme ich mich, Situationen und Menschen nicht mehr durch den Schleier wahr

 

Reichlich wenig Positives zu dem Negativen. Aber es wiegt für mich viel mehr, das Positive! Es ist ein schier unglaubliches Gefühl, wenn nicht mehr in jedem zweiten Satz das Füllwort "Dings" vorkommt.

Endlich kann ich mich wieder klar ausdrücken und mir vor allem Dinge merken. Es ist entwürdigend, wenn man mir einen kleinen Auftrag gibt (zum Beispiel kurz bei jemandem anrufen) und ich es zwei Minuten später komplett vergessen habe. Selbst wenn man danach fragt, kann ich mich oft nicht mehr daran erinnern.

 

Diese Wut und vor allem Aggression in mir ist allerdings auch schier unglaublich. Sie richtet sich vor allem gegen mich selbst. Ich kann icht einkreisen, gegen was im genauen sie sich richtet. Aber das Ausmaß an Aggression erschlägt mich.

 

Mit meinem Hausarzt habe ich besprochen, die Tablettendosis für die kommenden 7 Tage wieder normal einzunehmen. Danach soll ich jeden 2 Tag nur die halbe Dosis für einige Wochen nehmen und dann besprechen wir weiter. Er hat mein Anti-Depressiva wortwörtlich "Gift" genannt. Und genau das Gefühl macht sich nun auch seit Wochen in mir breit. Ich habe das Gefühl, ich nehme nur Gift zu mir. Mal wieder behandle ich mit Tabletten nur Symptome, anstatt mich um die Wurzeln  und Auslöser zu kümmern.

 

Unser Krankensystem ist zum größten Teil nur noch mit der Behandlung und dem mangagen der Symptome beschäftig und kann oder will nicht an die Wurzel ran. Vielleicht ist das auch zu kompliziert und für´s Erstse zu teuer aber auf Dauer zu günstig, weil die Krankheit ja dann weg ist und nicht mehr gemanaged werden muss.

 

Daher habe ich diesen Mittwoch nun auch einen Termin bei meinem Heilpraktiker. Der hört sich alles in Ruhe an und gemeinsam besprechen wir, was wir dagegen tun können. Evlt. habe ich auch einen Nährstoffmangel und brauche nur einen Ausgleich. Wir werden mal wieder sehen.

 

Ich für mich finde die Entscheidung zwischen Pest und Cholera unaktzeptabel und werde mich nicht damit abfinden. Entweder eine Matschbirne ohne Funktion, aber dafür keine starken Gefühle mehr. Oder kaum auszuhaltende Gefühle aber dafür ein gut funktionierendes Gedächtnis. Das wird und muss beides für mich da sein. Mein gutes Gedächtnis und Gefühle die ich gut aushalten kann.

 

Hier gehe ich keine faulen Kompromisse mehr ein. Ich suche nach Lösungen und ich werde sie finden, davon bin ich überzeugt.

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