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Auf die Pirsch mit leerem Magen

Heute geht es wieder auf die Pirsch mit leerem Magen. Geplant sind ca. 2 Stunden Wanderung über Stock und Stein. Weil es dieses Mal genau auf die Zeit des Fastenbrechens fällt, werde ich mir eine anständige Brotzeit einpacken. Die Müsliriegel, die ich vor über zwei Wochen gekauft habe, liegen alle noch verpackt in der Schublade. Eigentlich ein Wunder, weil ich Normalfall wäre die Hälfte der zwei Packungen von mir schon gegessen worden. Mit dem Intervallfasten ist das anders, da verspüre ich keine Lust auf die Riegel.

Ich habe sie jetzt mal für meinen Mann rausgelegt, damit er sich ein paar einpacken kann, wenn er will. Ich selbst werde mir ein Roggenbrot schmieren und noch etwas Gemüse mitnehmen. Bei "Süss" habe ich Respekt davor, das ich dann gleich wieder in den "Süss-Kreislauf" komme, aus dem ich eben erst ausgestiegen bin.

 

Außerdem mache ich heute die zweite Woche Intervallfasten voll. Morgen beginnt schon Woche drei, ich kann es gar nicht glauben. Bisher lief alles viel reibungsloser als ich es mir vorstellen konnte. Hungergefühl? Das habe ich bisher erst zweimal in den zwei Wochen kennengelernt. Ich hatte viel Respekt vor den TV-Abenden, wo sich das nebenbei essen wieder als festes Muster in den letzten Monaten etabliert hat. An den meisten Abenden fällt es mir erstaunlich leicht.

 

Ich muss aber auch sagen, ich kaufe keine Pistazien mehr, die ich allabendlich genascht habe. Ich habe mir die letzten Monate immer eine handvoll ungesalzener Pistazien gegeben. Vorgestern habe ich die ersten zwei Packungen seit zwei Wochen wieder gekauft. Aber ich habe sie sicher in einer Schublade verstaut und denke Abends gar nicht daran.

 

Mein Mann hat gestern Abend ein paar Walnüsse geknackt, da ist es mir kurzzeitig schon sehr schwer gefallen nicht auch einfach etwas zu knabbern. Ich stand immer wieder kurz vor unserem Kühlschrank, konnte mich aber gut zusammenreißen. Bin dann um 22:00 Uhr zusammen mit meinem Mann ins Bett. Die Möglichkeit das ich alleine noch etwas gegessen hätte, die wäre gestern Abend viel zu groß gewesen. Also lieber Bett, als alleine im Wohnzimmer sein.

 

Zusätzlich mache ich seit einer Woche nun jeden Tag einige Kraftübungen zu Hause mit dem Eigengewicht. Inzwischen schaffe ich über ein Dutzend SitUps am Stück, und zwar alles in einem ganz gemächlichen Tempo. Zeitlupe also und immer schön unter den wachen Augen von meinem Mann, das ich keine ungute Haltung während der Übung einnehme. Die ersten Male hatte ich einen mächtigen Muskelkater, was sich inzwischen auch relativiert hat.

 

Zusätzlich nehme ich unsere Treppe als Übungsgerät für die hinteren Oberarme und meine Oberschenkel / Po her. Entweder ich missbrauche sie als Stepper und gehen ganz schnell eine Stufe immer rauf und runter. Und zwar über Minuten und immer mal den Fuss wechselnd. Oder ich setzte mich auf eine Stufe und hebe dann mit meinen Armen meinen Oberkörper hoch und trainiere so meine Oberarme.

 

Für meinen Rücken lege ich mich auf den Boden und setzte meine Füße auf der Sofakante ab. Dann hebe ich ganz langsam und steif mein Becken an und wippe damit langsam auf und ab. Anfangs hatte ich immer einen Krampf im hinteren Oberschenkel. Das lässt inzwischen etwas nach und die untere Rückenmuskulatur bedankt sich bei mir.

 

Diese paar Übungen sind alles nur Kleinigkeiten und trotzdem fühle ich mich gut danach. Das Gefühl doch ein wenig für mich und meinen Körper getan zu haben macht mich froh.

Das kann ich im Augenblick gerade gut gebrauchen.

 

Ich höre nämlich gerade: Robert Enke - Ein allzu kurzes Leben. Puh, seine schlimmsten Zeiten, das waren irgendwie auch meine schlimmsten seelischen Zeiten. Dieses verlorene Gefühl, nirgends dazu zugehören, irgendwie Fremd zu sein. Selbst in den eigenen vier Wänden oder bei der eigenen Familie. Ja, ich kann das ziemlich gut nachvollziehen und fühle mich kurzzeitig zurück versetzt. Das Buch höre ich nur auf Etappen, weil es für mich schwere Kost ist. Und gleichzeitig tut es auch gut. Tut gut zu erfahren, das ich da jetzt nicht mehr drin bin. In diesem tiefen, dunklen Loch ohne Lichtstrahl am Ende.

 

Wenn ich dann also immer die Pause-Taste auf dem Hörbuch drücke, dann bin ich sofort wieder im Hier und Jetzt und das Buch schwingt nicht ewig in mir drin nach. Das tut es nur während des Hörens und das Hören heilt weitere Wunden in mir und lässt mich selbst besser verstehen.

 

Kommende Woche habe ich übrigesn vor, hier zu orientalischen Woche zu machen. Mein armer Mann und seine Verdauung müssen durch ganz viel Linsen-Dal, Kichererbsen-Currys und noch so einigem anderen. Ich habe gestern mal wieder sein diesjähriges Weihnachtsgeschenk zwischen meine Finger bekommen und habe nun so richtig Bock auf indische Experimente in unserer Küche. Ich habe ein Glück, das mein Schatz das alles mitmacht und sich trotz Hülsenfrüchte in Hülle und Fülle darauf freut. Da fällt mir ein, ich sollte ihm noch ein Fläschchen Bitterstoffe besorgen ;-). Die sind gut für vor oder nach dem Essen, damit er nicht wie ein aufgeblähter Heißluftballon auf unserem Sofa liegt und schlechten Dampf ablässt. ;-)

 

Bei mir hat sich das ja alles fast erledigt, das mit den Blähungen nach dem Essen. Irgendwie ist das auch ein positiver Effekt vom Intervallfasten auf meinen Körper.

 

Die Waage hat mich übrigens immer noch nicht gesehen. Ich bin versucht, habe aber Angst vor den ganzen Konsequenzen. Was, wenn mir die Zahl nicht gefällt. Schränke ich dann vollends das Essen ein. Übertreibe ich dann oder fange wieder an hemmungslos zu futtern. Ich kann es nicht von mir abstrarhieren, das das einfach nur eine Zahl auf der Waage ist. Die verdammten Zahlen auf der Waage beeinflussen meine Stimmung und mein Seelenleben zu sehr.

 

Und wenn mir die Zahl dann am Ende gefällt, das kommt dieses: da geht doch noch was. Nur noch ein kleiner Puffer, das du auch mal über die Strenge schlagen kannst. Das letzte Mal hat mich dieser Puffer auf einen BMI von knapp 21 gebracht, das war bescheuert.

 

Ich messe jetzt mit meinem Maßband, aber auch da muss ich echt auf mich achten, das ich es nicht übertreibe. So nach dem Motto: jeden Tag messen und wenn ich nicht weniger Umfang habe, darf ich nicht soviel essen. Solche Kennzahlen sind bei mir ein sehr heikles Thema. Schön wenn andere damit wirklich entspannt umgehen können, ich kann es nicht. Schade.

 

Mein Maßband habe ich eingerollt und weggepackt, damit ich es nicht ständig sehe. Ich hole es nächste Woche wieder aus meinem Nähkästchen.

 

Und jetzt schmier ich mir das Brot, damit ich was anständiges zum Fastenbrechen bei unserer Kurzwanderung dabei habe.

 

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