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Der "schwarze Hund" lauert um die Ecke

Heute sollte ein toller Tag sein, viele Dinge werden wieder etwas gelockert. Natürlich unter strengen Auflagen, die zu beachten sind. Aber im Grunde genommen fährt vieles jetzt wieder hoch und man kann sich wieder vermehrt treffen.

Was andere freut .... bei mir ruft es gerade das Gegenteil hervor. Keine Ahnung warum das nun wieder so ist, aber es ist wie es ist.

 

Vorher waren alle gleich. Gleich im Sinne von genauso zum stillsitzen verdammt, wie ich es freiwillig tue.

Jetzt kehrt wieder Betriebsamkeit ein und in mir drin erhöht sich der Druck.

Mir ist das schon mit der vorherigen Lockerung aufgefallen. Mit jeder Lockerung im Umgang des Corona-Alltags werde ich ruhiger und in mich gekehrter. Ich kann es nicht erklären, auch wenn ich weiß was ich meine. Ich freue mich auf ein baldiges Training und zeitgleich erhöht es den Druck zu trainieren. Ich weiß, ich mache mir den Druck selbst. Ich kann es nur nicht abschalten.

 

Die letzten Wochen stand fast jeder Still, so wie ich das seit Jahren tue, weil ich es anders nicht mehr auf die Reihe bekomme. Ich hatte das Gefühl, nun falle ich nicht mehr auf, ich bin eine von ganz vielen. Auch die "Anderen" fahren ihre Leistung runter, keiner kann mehr so wie er will. Alle waren so wie ich: keine oder wenig Arbeit außer Haus. Weniger Geld, weil evlt. Kurzarbeit .... bescheuert, ich weiß.

 

Der Druck nimmt wieder zu für mich. Jetzt ist wieder Leistung gefragt, auch wenn ich nicht mehr im Berufsleben stehe. Aber alle anderen "Leisten" nun wieder und ich stehe wieder am Rand und schaue zu. Auch wenn ich die Erwerbsminderungsrente habe und im Beruf genau deswegen nichts mehr leisten muss.

 

Der "schwarze Hund" wie die Depression umgangssprachlich unter Insidern auch mal gerne genannt wird, steht wieder um die Ecke. Ich hoffe, das ich ihn an die Leine nehmen kann, das er nicht außer Kontrolle gerät.

 

Dann das Buch, das Buch von Robert Enke. Ich habe schon so einige Bücher von depressiven Menschen gelesen. Aber alles bisher mit der nötigen Distanz. Vielleicht auch deswegen, weil ich mich nie drin finden konnte. Immer nur kleine Bruchstücke von mir, aber so war ich nicht.

 

Robert Enke und das was geschrieben steht, ich erkenne mich in sovielen wieder. Diese eigene Verlorenheit, die ich sogar als junger Mensch in der elterlichen Küche verspürt habe. Im eigenen Elternhaus einsam fühlen, nicht dazugehörig fühlen. Obwohl meine Eltern mir nie und nimmer einen Grund dazu gegeben hätten. Ich hatte eine tolle KIndheit. Vielleicht war es auch das "arbeiten müssen" meiner Mutter und das ich die ersten Lebensjahre oft tagelang bei meiner Oma war, anstatt zu Hause. Also Tag und Nacht weg war, weil meine Mama Schichten hatte im Krankenhaus. Ich weiß es nicht. Aber diese Verlorenheit, die hatte Robert Enke anscheinend auch.

 

Und auch diesen Erwartungsdruck, der er sich anscheinend selbst gemacht. Besser gesagt, er hat sich eingeredet, das andere soviel von ihm erwarten und er hat sich dann den Druck gemacht. Das mache ich ja auch sehr oft.

 

Heute habe ich kurzzeitig daran gedacht, ob ich nicht doch wieder .... Medikamente ....

NEIN, ich habe darüber nachgedacht. Ich hatte meine schlimmsten Phasen der klinischen Depression auch während und mit der Medikamenteneinnahme. Medikamente verhindern das nicht bei mir.

 

Jetzt heißt es für mich, einen klaren Tagesplan aufstellen. Aufgaben einteilen und abarbeiten, damit ich weiterhin das Gefühl habe, das ich was produktives tue.

 

Ich hoffe, das sind nur ein paar Tage, die ich da jetzt vor mir habe. Aber tief in mir drin sagt mir mein Unterbewusstsein gerade etwas anderes. Und wenn das so ist .... mir graut davor. Mein Hirn wird wieder langsamer die letzten Tage. Ich bin wieder schneller erschöpft, ich kann mich wieder weniger freuen. Alles Anzeichen die ich von den letzten klinischen Depressionen als Vorboten kenne.

 

 

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