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Es sind die kleinen Siege, die die ....

... Schlacht am Ende entscheidend beeinflussen. Und heute hatte ich einige dieser kleinen Siege und das fühlt sich verdammt gut an. Früher war ich immer auf die großen Siege erpicht, die kleinen Siege, die waren mir zu poppelig, zu bedeutungslos, zu irrelevant .... damit wollte ich mich nicht aufhalten.

Ich habe sie unterschätz, all die vielen Jahre und bin jedes Mal über sie gefallen. Diese kleinen Gelegenheiten habe mir am Ende meines Vorhabens immer wieder das Genick gebrochen und mich wie eine Versagerin fühlen lassen.

Welche Siege waren es heute für mich?

 

  • beim vormittäglichen Einkaufen habe ich schwer mit mir gerungen und bin stolz ohne Nascherei aus dem Laden maschiert
  • ich habe nicht schon vorab vom Apfelstrudel genascht sondern gemeinsam mit meinem Freund am Nachmittag ein Stück davon gegessen
  • ich war drauf und dran den Sport abzusagen, weil ich gerade eine akute depressive Phase habe. Ich habe es trotzdem getan, auch wenn ich mich nicht besser gefühlt habe danach

 

Gestern hatte ich folgende "kleine Siege"

  • schweres Gespräch mit anschliessendem anschweigen bis heute Morgen. Ich habe trotzdem nicht außerhalb der üblichen Mahlzeiten gegessen

 

Früher fand ich diese kleinen Teilsiege echt so lächerlich, war doch das große Ganze viel wichtiger. Heute weiß ich, das das große Ganze ohne diese kleinen Siege überhaupt nicht machbar ist. Heute nehme ich mir auch keine perfekte Diät mehr vor. Keine perfekte Woche, keinen perfekten Tag, keinen perfekten Vormittag.

 

Heute entscheide ich jede Situation neu. Ich stehe also im Laden und diese seelische Lust auf Naschzeug nagt ohne Ende an mir. Das ist immer so eine Anspannung, unglaublich. Noch auf dem Weg zu Kasse bin ich schwer am überlegen. Selbst wenn ich innerlich Nein sage, ich stehe an der Kasse und bin immer noch am zaudern mit mir. Erst wenn meine Artikel eingelesen werden, ist meine Entscheidung gefallen, weil an der Kasse sind ja auch noch Süßigkeiten. Diese Entscheidung ist dann aber immer ein sehr bewußtes dafür oder dagegen. Und wenn ich es ohne die Knabberei oder Nascherei aus den Laden schaffe, dann weiß ich diesen kleinen Sieg zu würdigen. Ich habe eine Hürde gut gemeistert und ich bin stolz darauf.

 

Natürlich bin ich oft auch geknickt, wenn ich einknicke und etwas außer der Reihe esse. Aber ich versuche wirklich, mir dann keine Vorwürfe zu machen. Ich versuche es dann langsam und bewusst zu essen, so das ich auch was davon habe. Das fällt mir oft schwer, also dann nicht böse auf mich selbst zu sein.

 

Jetzt gerade noch mehr den je und jeder kleine Sieg ist im Augenblick doppelt soviel für mich wert. Die Farbe verschwindet nämlich gerade wieder aus meinem Leben. Seit ungefähr zwei oder drei Wochen schleicht sich dieses doofe Monster Depression wieder von hinten an mich heran. Ich versuche viel von mir zu nehmen, dampfe inzwischen wieder regelmässig das CBD. Dann bin ich wenigstens für eine Stunde oder so etwas entspannter. Die andere Zeit habe ich einen tiefen Knoten in meiner Magengrube. Ich starre wieder oft ins Leere und bemerke es nicht. Ich bin wieder sehr auf Verteidigung gebürstet, sagt mein Mann. Ich hasse es selbst, wenn ich so werde. Ich kann mir dabei von außen zusehen, bin aber nicht in der Lage dazu, aktiv einzugreifen.

 

Morgen und übermorgen gehe ich für ein paar Stunden mit in die Arbeit. Es gibt was für mich zu tun. Auf der einen Seite ist mir das zuviel. Auf der anderen Seite kann ich dann nicht ganz so tief grübeln. Medikamente kommen für mich nicht in Frage, der letzte Entzug war mir eine bleibende Leere. Zumal ist selbst mich all den unterschiedlichen Medikamenten und der unterschiedlichen Dosierung tiefste Depression und Selbstmordgedanken hatte. So halten mich CBD ÖL, CBD Liquid und das verschreibungspflichtige Johanniskraut auch bei Laune. Nur das ich keinerlei Nebenwirkungen habe.

 

Nebenwirkung während der Medikamentengabe waren: ständige Müdigkeit, Wortfindungsstörungen, Konzentrationsstörungen, teilweise Orientierungslosigkeit

Das brauche ich nicht mehr, nie wieder.

 

Rufe morgen auf alle Fälle die Therapeutin an, bei der ich auf der Warteliste stehe. Vielleicht weiß sie schon ungefähr, wann ich an der Reihe bin.

 

Bis dahin probiere ich mich an meinem Dampfgarer dumm und dämmlich. Bekoche und bebacke alle Bekannten und die Nachbarn. Arbeiten in meiner eigenen Küche und ohne Zwang dahinter macht mir ruhig und verschafft mir Erfolgserlebnisse.

 

 

Nur durch Kampf gewinnt man Siege.

Friedrich von Bodenstedt (1819 - 1892), Friedrich Martin von Bodenstedt, deutscher Philologe, Übersetzer und Intendant in Meiningen

 

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