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Intuitive Engergiebilanz - Wunschgewicht

Als ich im März 2020 den Entschluss gefasst habe, das es so mit meinem Gewicht nicht weitergehen kann, weil ich mich wieder total unwohl fühle, hatte ich noch nicht wirklich einen Plan. War vielleicht auch gut so. Ich wollte halt das, was ich schon immer wollte. Essen was ich will, aber dabei schlank werden.

 

Quatsch, geht gar nicht! Na ja, also so ganz unrecht ist das eigentlich gar nicht, wenn man seine eigenen neuen Vorlieben beachtet. Und die sind in den letzten Jahren ja überwiegend gesund geworden. Das hatte ich bis dato aber noch nicht bewusst verinnerlicht.

Begonnen hat es ja mit dem inzwischen bekannten Verzicht auf das morgendliche Frühstück, das ich eh nie gebraucht habe. War ein antrainiertes Ritual das ich irgendwann auch lieb gewonnen hatte, aber das war es auch schon.

 

Mein Essfenster habe ich zu Beginn wirklich mit jeder einzelnen Abend-Minute ausgekostet. Dann wiederum nach einigen Wochen hatte es sich in die andere Richtung entwickelt. Je länger die Esspause umso besser bin ICH. Das war die Zeit wo ich wieder in die Essstörung gespickt habe. Diese Phase, wo ich das Fastenfenster unbedingt bis auf das überletzte ausdehnen wollte, um einen möglichst tollen Gewichtverlust zu erzielen, die hat zum Glück auch nicht ewig angehalten.

 

Die ersten Monate waren geprägt von dem Protokolieren der Ess- und Fastenphase auf meiner App. Wenn ich das nicht gemacht habe, hatte sich damals gerne mal der Schlendrian in beide Richtungen eingeschlichen. Das Aufschreiben gab mir einen gewissen Korridor und eine Sicherheit. Gerade die Sicherheit, das ich eben nichts falsch mache in meinen Augen, ist für mich sehr wichtig gewesen.

 

Irgendwann nach ungefähr 5 Monaten war ich der App und des dran denkens das ich wieder ans Handy deswegen muss, leid. Ich habe die App dann einfach nicht mehr aufgemacht. Nach ein paar Wochen war ich dann auch soweit, das ich die bezahlte App deinstalliert habe. Aus den Augen, aus dem Sinn.

 

Aber die Zeiten waren verinnerlicht - also zu meiner inneren Uhr geworden. Um 11:30 gibt es die erste Mahlzeit des Tages und darauf freue ich mich. Nachmittags gibt es eine weitere Mahlzeit und Abends gegen 17:00 bis 18:00 Uhr gibt es die Hauptmahlzeit zusammen mit meinem Mann.

 

Die Abende hingegen vielen mir über Monate sehr, sehr schwer. Mal ein paar Tage gut, dann aber wiederum so, das ich ständig an Essen denken musste.

Wir habe hier nun ganz unbewusst eine Regel etabliert. Die Schale mit den Nüssen bleibt im Esszimmer, das im Erdgeschoss ist und das Wohnzimmer (im Obergeschoss) ist Nahrungsmittelfrei. Das hilft mir und ich denke nur noch ganz selten an Essen beim Fernsehgucken.

 

Kopfsache

Durch das routinierte Einhalten meines Essfensters hat sich einigen in meinem Kopf getan. Ich muss nicht mehr ständig daran denken, was ich jetzt essen könnte. Das ist befreiend für mich.

Ich koche und backe nach wie vor sehr gerne. Nein, jetzt zur Weihnachtszeit ist das mit dem Backen untertrieben. Ich backe leidenschaftlich gerne und wir haben hier 9 Sorten Plätzchen, meine Elisenlebkuchen und selbstgebackenen Christstollen. Nur das ich nicht ständig daran denke es zu essen, das hat mein zugeteiltes Essfenster mit meinem Kopf gemacht. Es ist für mich gefühlte 1.000 Mal leichter als früher. Egal ob mit oder ohne Schlauchmagen. Mein Kopf tickt seit dem Intervallfasten anders.

 

 

Die Lust auf frisches, nahrhaftes - einfach anderes Essen

Ja, das ist auch so ein Effekt durch das Essfenster, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe. Mittags brauche ich nun auf alle Fälle war leichtes und vor allem unkompliziertes in den Tag. Als absolutes Lieblingsessen hat sich frisches Obst mit purem Mozarella an die Spitze katapultiert. Ich esse auch mal etwas anderes, aber das hält mich nicht nur am längsten satt, sondern es befriedigt meine Geschmacksknospen am meisten. Der Mozarella ist ja echt neutral, aber ich mag die süße von frischen Beeren oder Wassermelone dazu. Das ist für mich ungelaublich lecker.  Ich mag danach auch immer noch etwas KH-lastiges. Am liebsten unser Roggensauerteigbrot mit Käse drauf oder Bärlauchaufstrich.

 

Eine Zeit lang habe ich Nachmittags immer so Proteinpudding gegessen. Einer ist jetzt noch im Kühlschrank, ich werde nicht mehr nachkaufen. An den habe ich mich gerade satt gegessen. Außerdem sind mir am Nachmittag die KH irgendwie wichtiger. Wenn ich die esse, dann bin ich auch befriedigt. Vor der Weihnachtszeit durfte das gerne mal ein kleines Stückchen Kuchen sein. Jetzt sind es eben ein paar Kekse. Hier ist die Regel: wir haben einen kleinen Mini-Teller, schön mit Weihnachtsserviette drauf und da richte ich bewusst die Plätzchenration für uns an. Jeder von uns bekommt 3 - 4 Sorten Plätchen auf das Tellerchen und das essen wir dann gemeinsam am Tisch und unterhalten uns, wenn mein Schatz zu Hause ist.

 

Abends koche ich an 5 von 7 Tagen erntefrisches Gemüse von unserem Bauern um die Ecke und dazu Fisch, Fleisch oder Beilage. Meist sind wir Vegetarisch unterwegs, also müssen Hülsenfrüchte her. Aus der Pfanne gibt es bei uns nur selten, weil es uns beiden danach nicht gut geht. Gerne überbackenen Auflauf, er mit wenig Käse (Histamine) und ich mit etwas mehr Käse darauf.

 

Die Portionsgrößen

Meine Portionsgrößen verstehe ich bis heute nicht. Also sie bleiben mir ein Rätsel. Zu manchen Mahlzeiten kann ich 1 ganzes Brötchen mit Belag essen und dazu noch Rohkost oder eben Mozarella mit Obst. Das ist schon erstaunlich, weil echt viel an Menge. Aber mir zwickt danach nichts und ich bin einfach nur gut satt und befriedigt.

 

Dann gibt es wieder Mahlzeiten, wie gestern zum Beispiel. Da schaffe ich gerade mal eine halbe Pide und gut ist es. Meine Portionsgrößen schwanken je nach Form, Tageszeit, Beschaffenheit und Psyche zwischen einer kleinen Kinderportion und irgendwie fast einer normalen Erwachsenenportion. Mein Mann meint: ich esse immer noch viel weniger als Früher. Das beruhigt mich. Den so richtig Zutrauen in mein Sättigungsgefühl habe ich immer noch nicht.

 

Es ist immer noch so, wenn ich bei meinem Lieblingstürken stehe und mir die Pide bestelle, das ich Angst habe, ich könnte nicht satt werden und mit 2 zuckrigen Baklavas liebäugle. *mal die Hände vor die Augen nehmen*.

 

Gestern Abend hatten wir Pide und für meinem Mann gab es Baklava. Weil die im Augenblick schon vorher verpackt werden, waren da vier drin. Ich habe mich schon mit Baklavas im Mund gesehen, weil ich Angst hatte, das ich von der Pide nicht satt werden könnte. *schmeiß weg vor lachen*, was natürlich nicht der Fall war. Er hat sich aller vier Zuckrigkeiten angenommen.

 

Heute Mittag hatte ich die restliche Pide, also einen Teil davon, weil mein Mann sich an meiner Hälfte auch bedient hat. Und dazu dann noch die zwei letzten Griesnockerln mit einer halben Scheibe Brot.

 

Nachmittags hatte ich drei Weihnachtsplätzchen und heute Abend brauche ich meinen Mozarelle, weil ich ihn vermisste.

 

Meine Ess-Psyche

Schwankt zwischen deutlich entspannter und immer mal wieder angespannt. Ich habe mir die letzten Tage so einige Gedanken gemacht. Ich fühle mich wieder wohl in meinem Körper, meine Klamotten sitzen wieder sehr gut und locker und auch das in den Spiegel schauen, fällt mir nackt wieder deutlich leichter. Jetzt kommt wieder der schwierige Part für mich. Das Gewicht einfach nur stabil zu halten. Weder großartig abzunehmen (weil das für mich immer eine Versuchung ist), noch zuzunehmen, weil ich mich wieder mit Essen belohnen will.

 

Ich habe in den letzten Monaten gut gelebt und habe versucht immer so zu essen, das mein Körper nicht nur mit Nährstoffen versorgt wird, sondern das es mir wirklich Spass macht und ich meine Gelüste befriedigen kann. Also auch mal eine ganze Tafel Schokolade auf einmal, weil ein Halten das kenne ich dann nicht.

 

Dieses "nicht mit Essen belohnen", das war nach all meinen Abnahmen immer der größte Fehler. Die Esspause unterstützt mich insofern, das ich meinen Heißhungerattacken nun nicht mehr hilflos ausgeliefert bin. Nächste Woche habe ich meinen zweiten Probetermin bei meiner Psychotherapeutin. Und dann machen wir auch gleich den ersten Termin für meine Therapie ab Februar 2021 aus. Ich arbeite also weiter an meiner ruhenden Essstörung und an meinen negativen Gedankenkarusell und der tiefen Traurigkeit und Leere in meinem Kopf. Die Therapie unterstützt mich hoffentlich dabei, endlich mal ein stabiles Gewicht von +/- 2 - 3 kg zu halten. Und das Thema Körpergewicht endlich abschliessen zu können.

 

Zukunftsvision

Ich für mich stelle 2021 unter "Selbstliebe lernen" an. Ich habe immer noch große Probleme mit meiner Körperwahrnehmung, wenn es mir schlechter geht. Ich will für mich ein Projekt ins Leben rufen und jedem Körperteil ein paar Wochen widment. Also Bilder von meinen Beinen, ungeschönt und so wie sie sind. Und meinen Beinen dann einen Brief schreiben, was sie alles Gutes für mich in meinem Leben gemacht haben und noch machen werden.

Und so werde ich meinen Körper langsam durchgehen und ihn immer wieder nackt vor dem Spiegel betrachten und dabei durch die ganze Palette meiner Gefühle durchschreiten. Negative Gedanken einfach nur wahrnehmen, annehmen und nicht bewerten und positive Eigenschaften hinterherschieben.

 

Ich wünsche mir, das mir mein jetztiges Essverhalten erhalten bleibt. Ich empfinde es als ausgewogen und für mich auch als gesund. Das ich nicht in Panik gerade, falls ich über die Weihnachtstage ein paar Pfund zunehme. Oder auch umgekehrt, das ich mir über die Weihnachtstage keine Gedanken mache und auch mal unbeschwert ein paar Plätzchen esse, ohne an Kalorien und Co. zu denken.  Einfach nur, das ich es unbeschwert und ohne viel Hintergedanken angehe. Mehr will ich garnicht, dieser Tage.

 

Kalorien zählen, aufschreiben, rechnen .... das alles mache ich schon seit vielen Monaten nicht mehr. Kalorien aufschreiben schon seit Jahren nicht mehr. Ich will lernen, das ich meiner Intuition und meinem Magengefühl vertrauen darf. Das ist meine Vision von meiner Ess-Zukunft.

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