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Kampfansage dem emotionalem Essen

Gestern Abend war eigentlich prädistiniert dazu, das ich zum emotionalen Essen greife. Bei uns geht seit kurzem der Nachbarskater ein und aus und markiert ganz nebenbei den Echtholzboden. In diesem Zimmer stehen auch die Testgeräte meines Mannes und das kann ganz schnell auch den finanziellen Ruin bedeuten, wenn er in die Elektronik markiert.

 

Was mich belastet ist, das ich Angst habe das die Katzen weg sollen. Das stimmt natürlich nicht, aber mein geschiedener Mann hat mir jahrelang damit gedroht und das steckt nach all den Jahren immer noch in mir drin.

Da baut sich eine Spannung auf, die ist für mich nur schwer aushaltbar. Mit der Spannung folgt dann auch unweigerlich dieser verdammte Essdruck.

 

Der Abend gestern verlief so, das mein Mann ständig diesen markierten Fleck mit verschiedenen Mitteln bearbeitet hat. Inwischen hat er die oberste Schicht des Holzes weggeputzt und wir haben nun einen hellen Fleck. Den versuchen wir später mit angefeuchtetem Kaffeepulver wieder etwas dunkler zu bekommen.

 

Der andere Kater der Nachbarn (die haben 2) ist eine Kampfnatur. Habe heute Nacht in der Küche neben der Katzenklappe geschlafen. Eben kam einer unserer Kater leicht blutend rein. Hat sich wohl im Revierkampf irgendwo an der Pfote verletzt, kann die Stelle aber nicht finden. Er frisst zumindest noch wie ein Scheunendrescher, von daher nix schlimmes passiert.

 

Egal, es geht ja um gestern und nicht um heute Nacht. Der Drang gestern Abend noch sinnlos eine Tafel Schokolade in mich hineinzustopfen, der war wirklich verdammt riesig. Und irgendwie habe ich da gestern dann wohl das erste Mal etwas sehr bewusst richtig gemacht und ich bin verdammt stolz darauf.

 

  • Ich habe den Gedanken, das ich meine Spannung am liebsten mit einer Tafel Schokolade abbauen möchte zugelassen und einfach nur zur Kenntnis genommen.
  • Ich habe es vor meinem Mann laut ausgesprochen und wir haben uns gemeinsam an den Esstisch gesetzt
  • Wir sind das aktuelle Problem: Fremdkater markiert in unserem Haus durchgegangen und haben nach einer Lösung für unseren stinkenden Boden gesucht und gefunden.
  • Wir haben besprochen, was die nächsten Schritte sind und erste Aktionen ergriffen.
  • Ich habe mich nach den Erstmaßnahmen in mein Zimmer zurückgezogen und den Malpinsel geschwungen. Dabei konnte ich nach und nach etwas von der Spannung herausnehmen und den Essdruck komplett abbauen.
  • Das lief so gut, das ich danach die Nacht im Esszimmer, neben der Katzenklappe (die bisher nicht benötigten Transponder-Chips haben wir schon vor Tagen bestellt und sind auf den Weg) schlafen konnte, ohne dabei an die Schokolade oder andere Nahrungsmittel zu denken. Dabei lag ich ja neben der Quelle!

 

Als ich nach ungefähr einer Stunde mit dem Bild fertig war, habe ich es von meinem Block genommen und meinem Mann gezeigt. Ich habe ihm gesagt: Schau mal, das ist meine Tafel Schokolade.

 

Das war wirklich das aller erste Mal das ich diesen Kampf mit dem Essdruck so bewusst und so von mir gesteuert wahrgenommen habe. Normalerweise weiche ich Essdruck entweder mit Schlafen, Fernseh gucken oder (Achtung das ist keine Ironie) mit Backen oder Kochen mit gesunden Nahrungsmitteln aus.

 

Dieses Mal habe ich mich sehr bewusst für mein wiederentdecktes Hobby entschieden und ich habe das Gefühl, das ich damit gestern einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Warum auch immer.

 

 

 

Ich kann es für mich kaum glauben, das ich nach einigen Jahren nun so einen goßen Schritt vorwärts komme. Das das noch möglich ist. Ich weiß, für andere ist das völlig normal, das sie ihre Probleme aktiv verarbeiten und sie nicht hin sich hinein essen. Ich habe dieses Verhalten seit meiner Kindheit praktiziert und auf die Spitze getrieben.

 

Schon als kleines Kind im Kindergartenalter wurde ich von meiner Oma unwissend und wohlmeinend konditioniert. Bin ich brav im Bett geblieben unterdessen sie in die Sonntagsmesse ist, wurde ich anschließend mit einer Tafel Schokolade belohnt.

 

Aufgewachsen bin ich damit, das es grundsätzlich nach dem Abendessen noch etwas vor dem Fernseher gab. Und das war beileibe nicht immer frisches Obst, sondern oftmals Knabbersachen. Meine Mama ist mal heimlich in mein Kinderzimmer geschlichen und hat, während ich schlief, meinen Schokonikolaus geglaut und gegessen.

 

Nach dem Einkaufen haben wir im Auto fast immer eine Tafel Schokolade als Familie verputzt. Ich bin gut erzogen worden, was Essen als: Belohnung, Entspannung, Frustmittel ..... angeht.

 

Und gestern habe ich das erste Mal ganz bewusst und zielgerichtet die Arschkarte gezogen. Tschakka!

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