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Wie erklär ich´s dir? Boot, Meer, Orkan...

Wie erklärt man das, wenn man sich in höchster Not befindet, ohne das man sein Gegenüber in Panik versetzt?

 

Nach meinem gestrigen Termin bei meiner neuen Therapeutin konnte ich seit dem Einschläfern von Muck, das erste Mal wieder in der Badewanne sitzten, ohne dabei Zusammenzubrechen. Und dort hatte ich dann auch plötzlich diese Erklärung im Kopf, die einfach nicht mehr raus aus mir wollte.

 

Ich hab das alles rausgesprudelt und meinem Mann aufgeregt erzählt. Einfach in der Hoffnung, das ich ihm so einen bestimmten Ausnahmezustand meines Hirns, meiner Seele, meines Ichs näher bringen kann.

 

Solche Ausnahmezustände gibt es zum Glück nicht ganz so oft in meinem Leben. ;-)

Hey, ein erstes, zaghaftes Lächeln auf meinem Gesicht. Das tut verdammt gut.

Also, mein Kater, mein Seelenkater ist Tod. Auch wenn wir die Entscheidung gemeinsam getroffen haben, das letzte Wort hatte ich, das ist Fakt. Das ist jetzt nicht bei allen meinen Tieren so, das es mich so hart trifft. Das war bei Paul so und das ist bei Muck so.

 

Wenn ich in so einer absoluten Ausnahmesitutation bin, fühlt sich das im übertragenen Sinne für mich so an.

 

Alleine auf dem Ozean, ganz weit draußen, kein Land an Sicht. Eigentlich egal, den bis gerade eben war das Wetter gut und das Meer ruhig. Ich bin da in meinem Boot und mein Mann hat sein eigenes Boot. Dann, wie aus dem Nichts taucht dieser Orkan auf. Die Wellen sind Meterhoch und schaukeln unserer beide Boote kräftig durch. Ich gerade in Panik, alles ist außerhalb meiner Kontrolle und ich bin dem Meer, dem Wind, den Wellen komplett ausgeliefert.

 

Mein Mann im anderen Boot will mir helfen. Er ruft mir immer wieder zu und gibt mir Tipps, was ich jetzt tun kann. Er hat viel Erfahrung im Segeln (dem Leben), mit Stürmen (eigenen Krisen) und wie man Heil wieder herauskommt.

 

Michaela, nimm das Ruder in die Hand, geh mit dem Strom - nicht dagegen, Hol dein großes Segel ein und nimm nur das kleine Segel, wegen der Richtung und so. Guck zwischendurch auf deinen Kompass, er weißt dir die Richtung. Er hat soviele praktische und gut erprobte Tipps, die er nun alle mit mir teilt, damit er mich aus dieser schrecklichen Situation heil herausbringt.

 

Nur: das Ruder ist über Bord gegangen, die Segel haben Risse und den Kompass - ich find den verdammten Kompass nicht - etwa auch über Border?

 

Seine wirklich tollen Tipps, die helfen mir nicht. All meine Geräte (Ressourcen) sind nicht funktionstüchtig.

 

Dann kommt eine weitere Person (meine Therapeutin) auf einem Schiff daher und sie fährt so nah an mich heran, wie es die hohen Wellen eben zulassen. Sie ruft mir zu, in einer ruhigen Stimme. "Alles ist gut, ich weiß der Sturm ist sehr schlimm. Konzentriere dich auf dich. Schau die Wellen, entspann deinen Körper wenn so hohe Wellen kommen die dich erst in die Luft schiessen und dann wieder auf den Bootsboden pressen. Beobachte die Wellen einfach, damit du weißt wann dein Körper leichter (in der Luft) und wieder sehr schwer wird. Atmen nicht vergessen, damit du nicht so verkrampst, den das macht es schlimmer. Hey, siehst du, da hinten, ich glaube der Himmel klart auf. Du musst nur noch ein bisschen länger durchhalten, aber da hinten sehe ich schon, wie die Wellen kleiner werden. ..... Sie redet und beruhigt mich. Sie erzählt mir, das sie mich durch den Sturm begleitet, so gut es ihr möglich ist. Und wenn das Meer sich beruhigt hat, will sie mir Werkzeuge rüberwerfen und mich anleiten wie ich meine Segel reparieren kann und mir ein Ruder machen kann. (Atmentechniken, EMDR, Imaginationstechniken und andere Werkzeuge für schwierige Zeiten) Sie will mir auch das Kompass lesen noch einmal zeigen, das ich solchen Stürmen in Zukunft vielleicht sogar ausweichen kann und nur an deren Rand vorbeifahre.

 

Und mit jedem Wort das mir die Therapeutin auf ihren eigenen Boot zuruft, mit jedem Wort wird auch mein Mann wieder ruhiger, weil er sieht das meine Panik und Angst nachlässt und ich langsam aber sicher wieder besser reagieren kann. Dieses dritte Boot tut uns beiden irgendwie gut und wir haben beide Orientierung. Für ihn bedeutet es: er kann sich selbst darauf konzentrieren gut durch den Sturm zu kommen, den seine Instrumente, Segel, Ruder sind alle gut in Schuss. Und er weiß jetzt, das ich ebenfalls in guten Händen bin und Unterstützung habe.

 

Die Therapeutin hilft uns irgendwie Beiden, auch wenn er nie dabei ist. Und dann können wir auch wieder gemeinsam am sicheren Ufer sitzen, so wie auf diesen Bild von unserem Garderseeurlaub, von vor einigen Jahren. Und dann blicken wir auch wieder in die gleiche Richtung und machen tolle Pläne für die nächsten Tage.

 

So wie jetzt, so kann ich immer nur Pläne für den allernächsten Moment machen, weil ich über mehr keine Kontrolle habe. Aber es wird schon besser. Ich kann das schon sehen, wenn es auch noch weiter weg ist. Aber der Himmel klart wieder auf da hinten und das Meer beruhigt sich. Ich sehe schon, das die Wellen nicht mehr so bedrohlich sind und ich keine Angst mehr um mich haben muss. Ganz langsam gewinne ich nun wieder die Kontrolle über mein Boot (Leben). Und die Therapeutin leitet mich dann an, wie ich meine Geräte und Segel repapiere. Sie zeigt mir noch einmal , wie ich sie bei Stürmen richtig einsetzten kann, damit ich mit beeinflussen kann und dem stürmischen Orkan nicht mehr so ausgesetzt bin.

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