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Retraumatisierung - und es hat Plopp gemacht

Irgendwie zum Mäuse melken. Der erste Todestag von Muck steht an, heute Nacht schlecht geträum. Geträumt das Muck noch lebt, wir alle in irgendeinem Hotel sind, ich die Türe öffen und Muck abhaut. Ich habe ihn im Traum ständig gerufen, aber es kam immer Oskar aus meinem Mund. Oskar ist mein letzter Kater der noch lebt. Egal, dann ging das Licht im Schlafzimmer an und ich habe Muck im Traum nicht mehr finden können.

 

Aufgestanden, hergerichet, Frühstück gemacht und ich mach noch Scherze, weil Felix, der Kater meines Mannes inzwischen Demenz hat. Er vergisst schon mal unterm Laufen wo er eigentlich hin wollte. Bleibt dann unverrichteter Dinge stehen, guckt sich desorientiert um .... merkt dann .... ah da wollt ich hin und läuft weiter.

 

Mein Mann wollte mich dann schon mal darauf vorbereiten, das es bei Felix wie bei Muck sein könnte, wenn er anfängt unsauber zu werden und nicht mehr weiß was er tut, das er eingeschläfert wird.

 

Ich habe nur darum gebeten, das ich über so etwas jetzt nicht sprechen möchte. Es kommt wie es kommt und wann immer es soweit ist.

 

Danach war innerlich von einer Sekunde auf die andere alles Leer und tot. Und gleichzeitig wußte ich nicht, wohin mit meiner Trauer und den immer noch tiefsitzenden Schmerz. Ich hätte mich am liebsten so sehr gekratzt, das es mir dabei meine eigene Haut abzieht. Ich wollte körperlichen Schmerz, weil ich den seelischen Schmerz nicht aushalten konnte.

 

Das ist übrigens mein Seelenkater Muck, von dem ich mich letztes Jahr Anfang Februar verabschieden musste.

 

Und dann dachte ich mir: Scheisse, dein Schmerz ist so groß, du möchtest dich am liebsten selbst verletzten, damit der körperliche Schmerz von deinem seelischen Schmerzen ablenkt.

 

Zum Glück stand heute dann die Therapie an. Vor der Therapie habe ich den Lebensmitteleinkauf gesetzt, seit einem Jahr schon, das ist Routine und liegt auf dem Weg.

 

Wie auch immer, noch im Laden habe ich mir dann eine Packung Chips und eine Packung Schaumzucker gekauft. Der Schaumzucker musste noch zu 80% vor der Praxis im Auto dran glauben. Weil mir dann so schlecht war, habe ich ein salzige Chips hinterbefördert.

 

Ich habe das natürlich bei der Therapeutin angesprochen und bei dem Gespräch kam vieles ans Licht. Ich habe ihr die Bilder gezeigt, die ich gestern hier online gestellt habe. Und dann musste ich bitterlich weinen, als ich meinen ausgemergelten Rücken gesehen habe. Wie dünn ich war, wie unfassbar dünn. Und das ich das so toll fand.

 

Warum ich den so dünn war, hat sie mich gefragt. Und man denkt sich dann erst einmal: wenn ich das nur selber wüßte. Aber die Therapeutin lässt nicht locker und bohrt und bohrt mit immer andern Worten.

 

Und dann sprudelte es aus mir. Es tat so gut, das die Menschen mit in meiner dünnsten Zeit immer helfen wollten. Das sie mir auf Grund meiner Zierlichkeit nicht soviel getraut und zugemutet haben. Das sie mich ständig umsorgen wollten .... und dann viel mir ein, das war alles das was ich selbst als Kind nie so ausleben konnte. Ich habe schon im Grundchulalter immer auf meinen jüngeren Bruder aufpassen sollen, wenn meine Mama den Haushalt gemacht hat. Dabei war meine Mama Vollzeit arbeiten und wir hatten eh weniger Zeit als Familie zusammen.

 

Das hat sich vorgesetzt, als meine beiden anderen Brüder viele Jahre später noch dazu kamen. Ich sollte immer mit ihnen Spazieren gehen, habe freiwillig im Haushalt geholfen. Bin mit 15 ins Internat, mit 16 habe ich 200km weiter weg eine Lehre angefangen. Ich habe immer Verantwortung getragen und mein Unterbewusstsein wollte einfach mal ohne die Last sein.

 

Essen war unterbewusst schon immer mein (Gefühls)Regulator. Das habe ich so von zu Hause mitbekommen, so bin ich aufgewachsen. Nach dem Einkauf noch im Auto auf dem Parkplatz die Tafel Schokolade auf 2 Minuten als Familie vertilgen. Vor dem Fernseh immer was zum Essen, egal ob Obst, Nüsse oder Knabbersachen .... es stand immer was da.

 

Es arbeitet gerade in mir, das hier ist noch nicht fertig .... aber ich muss noch aussortieren ... will die nächsten Tage weiterschreiben.

 

 

Auf alle Fälle meinte die Therapeutin heute, durch den Traum und das Gespräch mit dem Einschläfern müssen bin ich zurück katapultiert worden und habe alles nochmal durchlebt. Den gleichen Schmerz, die gleiche Panik. Das war eine Retraumatisierung und ich soll ausmachen, das das Thema im Moment nicht gut ist. Auch wenn mein Schatz das Gut gemeint hat, irgendwie hat es für den Augenblick  nur deutlich alles schlimmer gemacht.

 

Morgen ist es sicher schon wieder besser!

 

 

 

 

 

 

 

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