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Alltagstaugliche Nahrungsmittelauswahl und Bewegung

Das ist übrigens eine leere Leinwand.

 

Nicht ganz so krass, aber dann doch irgendwie, das war meine Ernährung in den ersten Jahren nach der Schlauchmagen-OP.

 

Die Angst, das ich etwas verkehrt machen könnte, das ich zu denen gehöre, die nicht abnehmen oder sogar wieder zunehmen, die war für mich einfach überwältigend.

 

Also habe ich mich aber so etwas von strikt an die Vorgaben gehalten und damit komplett den gesunden Menschenverstand außer Acht gelassen.

 

Auf der Suche nach einem Kalorienrahmen, für jeden Monat nach der OP, bin ich stundenlang durchs Netz gejagt. Ich habe ich damals sogar gefunden und mir ausgedruckt und an die Wand neben dem PC gepinnt. Ich wollte es ja nicht versauen und aus versehen zuviel essen.

 

Mit den Monaten wurde ich dann immer mutiger, vor allem als die Abnahme beendet war. Ich habe noch immer sehr, sehr restrektiv gelebt und dann groß angegeben, das mein Gewicht trotz meines Zutuns weiter stagniert und ich einfach nicht zunehmen kann.

In der Zeit nahm ich wie gesagt, Dank Abführmittel, Essensverweigerung und restriktiver Nahrungsmittelauswahl immer noch ab. Wenn so eine Abnahme in meinen damalig kranken Augen gut war, habe ich mich belohnt. Mit Zuckerdragees .... Anfangs nur 1 Rolle, dann auch mal mit 3 Rollen am Tag.

 

Gleichzeitig hielt ich aber noch immer all die restriktiven Verhaltensmuster ein und sobald sich auch nur ein Pfündchen auf mein mageres Hüftchen schliech, ging der Kreislauf von vorne los und ich wurde extrem restriktiv mit mir. Ich habe mich damit auch selbst für mein ungebührliches Verhalten bestraft, habe das aber nicht so gesehen. Das kann ich erst jetzt, mit Abstand so eingestehen.

 

Mein Essverhalten und mein viel zu intensiver Sport haben damals dem Durcheinander auf dem Bild oben entsprochen, ums es mal bildlich darzustellen.

Ich verzettel mit, weil ich so gerne erzähle und immer abschweife. Also gut damit, worauf ich eigentlich hinaus will.

 

Im Laufe der letzten Jahre, vor allem seit ich mit meinem Mann zusammen lebe und seit der neuen Therapeutin, habe ich meinen Blickwinkel auf Essen und Bewegung erweitert.

 

Das ist jetzt wie mein Schreibtisch, wenn ich Male. Male ich nicht, ist er leer und sehr ordentlich. Male ich, krame ich all meine Untensilen aus den Schränken und lasse mich inspiereren. Da gibt es bei mir zwei Wege:

  • entweder es entsteht aus dem Nichts heraus plötzlich ein Bild in meinem Kopf
  • oder ich sehe mir die Farben und die leere Leinwand an, suche meine Lieblingsfarben nach Stimmung aus und dann entsteht ein Bild daraus

 

 

Früher habe ich mich strikt an meine eigene Lebensmittelliste gehalten, um ja nicht mehr zuzunehmen. Ich habe auf vieles Verzichtet und habe ausgwählt nach:

  • Kaloriengehalt (möglichst niedrig)
  • Fettgehalt (möglichst wenig davon)
  • Proteingehalt (am besten ganz viel davon, wenn die anderen Werte den stimmen)
  • Ballaststoffgehalt (kann man nie genug davon haben)
  • Kohlenhydratgehalt (ist schlecht und nicht gut für mich, also bitte wenig davon)

Ich habe nicht das Lebensmitte gesehen, sondern wirklich nur die oben geschriebenen Parameter!

 

Seit ich mit meinem Mann zusammenlebe und ich die neue Therapeutin habe, geht das so bei mir:

 

  • worauf habe ich den Heute Lust, was könnte mir schmecken
  • ich habe entweder ein Essen im Kopf, von dem mir das Wasser im Mund zusammenläuft
  • lass mich am Vorabend von Rezepten inspirieren
  • oder geh auch schon mal ohne Vorahnung in den Laden und gucke, was da alles so Frisches ausliegt und was gerade Saison hat

 

Ehrlich gesagt, ich achte nicht mehr soviel auf Kalorien, Fettgehalt, Eiweißreich oder Ballaststoffhaltig, auch die Kohlenhydrate sind mir inzwischen zu 95 % ziemlich egal. Das hat Jahre gedauert und ich kann auch gar nicht nachvollziehen, wie ich es bis hierhin im Einzelnen geschafft habe. Einen großen Anteil daran hatte auf alle Fälle mein Mann und seine Leihtochter, die da vollkommen unverkrampft sind.

 

Ich selbst liebe es heute gedämpft. Gemüse, Fisch, Reis, Kartoffeln - am liebsten aus unseren Dampfgarer. Ich sag aber auch schon mal an, das ich heute den Fisch gerne aus der Pfanne hätte, wenn mir danach ist.

 

Ich habe die Linsen- und Kichererbsennudeln aus dem Haus verbannt. Wir hatten dieses Wochenende unser Weihnachtsgeschenk, Pasta von irgendeinem Bio-Bauernhof direkt aus Italien. Oh man, das ist eine andere Welt, wir werden bestellen. Ich liebe Nudeln viel zu sehr, als das Alternativen sie für mich ersetzten könnten. Würden mir die Alternativen besser schmecken, als die gute alte Pasta, dann würde Pasta nicht mehr den Weg in unsere Küche finden, so einfach ist das.

 

Ich achte viel mehr darauf, was mir schmeckt und war mir gut tut. Seit ich das irgendwie automatisch mache, esse ich automatisch auch viel lieber gesündere Sachen. Klar habe ich auch mal Bock auf Chips, Schokolade und Pommes. Und sollte mich die Lust überkommen, dann esse ich sie auch. Hier arbeite ich auf alle Fälle noch an einem "nicht schlechten Gewissen". Aber auch wenn mich an so einem Tag das schlechte Gewissen "noch" ein wenig besucht, ich erlaube es mir sehr bewusst.

 

Ich esse nur noch selten Dinge, auf die ich gerade wenig Lust habe. Entweder weil ich das Lieblingsessen meines Mannes koche und es heute eigentlich nicht das ist, auf das ich Lust habe oder wenn ich eingeladen bin. Ich esse aber nie, was mir nicht schmeckt. Da bleibe ich mir selbst treu.

 

Und genauso Halte ich es auch mit meinem Sportleben. Ich für mich, mache nur noch den Sport, der mir persönlich Spass macht. Das sind im Moment: Krafttraining, HulaHoop, Yoga, AerialYoga, ab und an Vibrationsplatte und Trampolin.

 

Wandern und eBiken sind in Ordnung, die mache ich, weil ich es mit meinem Mann mache und es mir deswegen Spass bringt, aber nicht die Bewegung ansich.

 

Ich würde keinen Sport mehr machen, der mir überhaupt keinen Spass bringt, nur um Kalorien zu verbrennen oder Muskeln aufzubauen. No Fun - no Sport for me - das ist mein Credo das ich Lebe.

 

Zwangssportpausen, gerade wenn sie länger als 2 Wochen sind, flössen mir immer noch Respekt ein. Im Hinterkopft nagt eine kleine Angst, die mir sagt, das die Gefahr das ich wieder Dick werden könnte, ohne Sport größer ist. Mein Verstand weiß aber sehr wohl, das das von ein paar Wochen Sportpause am Stück nicht passieren wird, da ja auch mein Essen von alleine viel gesünder ist, als es früher war.

 

Ich versuche das ganze dann grundsätzlich für mich aufzudröseln und mir den WorstCase vorzustellen. Und wenn ich den dann mal für mich erarbeitet habe und zum Beispiel feststelle, ich nehme vielleicht 2- 3 Pfund zu, dann geht es mir schon wieder besser. Den ich weiß eben auch aus Erfahrung, das ich das bisher noch immer ohne große Mühe wieder abgenommen habe.

 

Noch habe ich kein wirklich unverkrampftes Verhältnis zu meinem Essen, meiner Bewegung und meinen Körper. Aber es ist nicht mehr Selbstschädigend. Ich setze weder Essen noch Sport als Bestrafung ein, was ich früher sehr oft getan habe. Heute ist Essen einfach Essen und Sport einfach Sport. Ich belohne mich auch nicht mehr mit Essen, wie mir heute aufgefallen ist. Und das ist ein Ziel, vom dem ich noch vor Jahren gedacht hätte, das ich es nie erreichen werde!

 

 

Ich belohne mich NICHT mehr mit Essen!

 

Ist das nicht ein Wahnsinn? Ein wahnsinnig tolles Ergebnis? Ich bin stolz auf das was ich bisher erreicht habe.

 

 

 

 

 

 

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