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Das ich mal so Angst habe ...

 .... ich dachte, ich hätte schon Angst gehabt?

 

In meinem Hinterkopf macht sich eine leise Verzweiflung breit. Jeder sagt: ich muss Geduld haben. Gleichzeitig merke ich ja selbst, es geht nur noch beim Finger beugen in sehr, sehr kleinen Schritten voran. Was das Finger strecken angeht, da stehe ich nun seit Wochen an der gleichen Stelle. Das macht mir richtig, richtig viel Angst.

 

Ja, ich kann damit Malen. Vollkommen richtig. Aber es gehen keine flüssigen Schwünge mehr, den auch mein Handgelenk hat mitgelitten und ist nicht mehr locker und flüssig drehbar.

 

Ich kann den Pinsel nicht mal eben zwischen den Fingern oder gar im selben Finger so ganz nebenbei ander Positionieren. Eben das es flüssige Linien und Pinselstriche ergibt. Malen ist nicht Lebenswichtig, richtig. Also muss ich einfach andere Wege finden um ans gleiche Ziel zu kommen.

 

Aber es ist ja nicht "nur" das Malen. Ich kann sehr vieles ..... aber oft nur mit Schmerzen oder Muskelkrämpfen. Mir fehlt immer noch die Kraft, will ich Kraft aufbauen, habe ich für 3 - 4 Tage eine Beule am Unterarm. Ein Muskel, der sich so verkrampft, das er für Tage nicht mehr entkrampfen kann.

 

eBike: Wenn die Streckung so bleibt, kann ich nicht mehr biken. Den das Gangschalten ist so unmöglich. Entweder ich muss die Gangschaltung soweit Richtung gebogene Finger befestigen, aber dann habe ich Probleme wenn ich die Finger strecke. Sie sind langsam und schwerfällig, es fühlt sich wie eine innere Versteinigung an.

 

eBike: Dadurch ergibt sich das nächste Problem, den jedes Rad hat zwei Bremsen. Auf jeder Lenkerseite eine. Entweder ich komme an die Gangschaltung oder an die Bremse. Such dir eines aus.

 

Über geschotterte Naturwege geht auch nicht mehr, weil meine Hand den Lenker auf der rechten Seite nicht mehr fest packen kann. Kommt hoffentlich wieder.

 

Wandern mit meinen Stecken: das gleiche Problem, ich bekomme den Stock in der rechten Hand nicht fest in den Griff. Es fehlt an Beugung. Ohne Trekkingstöcke in den Alpen für mich keine Wanderung, weil ich ein kleiner Mensch bin und die Stöcke für die steileren, steinigen Strecken brauche.

 

Gut, jetzt könnte ich Teerstraßen, Radwege und ebene Wanderwege gehen. ABER, das ist weder meine Welt noch die meines Mannes. Es fehlt die gemeinsame, zufriedenstellende Freizeit und ich bete inständig, das es nur ein Zeitabschnitt in unserem Leben ist. Den auf Dauer kann ich meinem Mann dieses Verzicht nicht abverlangen, das ist mir sehr wohl bewusst.

 

Ich habe so Angst, das meine Finger so bleiben, was ich ganz schrecklich fände. Schon alleine wenn ich mal hinfallen würde. Womit fängt man sich den in der Regel auf? Mit der platten Hand natürlich. Meine Finger in der rechten Hand würde dabei brechen, so die Handtherapeutin. Mich schüttelt es jetzt schon.

 

Und dann die Angst, das ich meinem Mann die Einschränkungen über eine unendlich lange Zeit nicht zumuten möchte. Wobei es ihn sehr fern liegt, mich zu verlassen. Das sind eher meine Gedankenspiele - er kommt auf solche Sachen gar nicht.

 

Ich bin froh, wenn ich am 02. August den Termin in der Handchirurgie in Neustadt / Saale habe. Dort haben sie ja die OP nach dem Umfall gemacht.

 

Ich hoffe inzwischen inständig, das es sich "nur" um eine Verklebung der Bänder und Sehnen handelt. Diese könnte man operativ beheben und ich hätte danach eine deutliche Verbesserung der Fingerbeweglichkeiten.

 

Im Moment ist es so, das ich die Fingerspitze nur noch an einen der operierten Finger für einige Militmeter beugen kann. Die beiden anderen operierten Fingerspitzen können von alleine überhaupt keine Beuge mehr. Und auch manuell lassen sie sich nur 1 - 2 mm unter Schmerzen beugen.

 

Das ist anscheinend eine Komplikation, die nicht ungewöhnlich ist. Wenn die Finger nach der OP schnell wieder unter Fachanleitung bewegt und therapiert werden, kommt man ohne Fingersteife davon. Sind Finger zu lange ruhiggestellt, ist das die Folge davon. Und die lässt sich dann mit Manueller Therapie im allerbesten Fall: nur sehr langsam, in vielen Fällen: teilweise und manchmal: gar nicht mehr beheben.

 

Ich gehörte zu den vielen Fällen: bei mir lässt es sich nur teilweise beheben. Dabei übe ich jeden Tag zu Hause und gehe gerne auch über meine Schmerzgrenze hinaus. Aber sobald eine Handtherapie-Stunde ausfällt, weil eine Therpeutin Krank ist, wirft mich das schwer zurück. Bisher sind 2 Therapiestunden und eine Lymphe wegen Krankheit ausgefallen.

 

Ich baue jetzt auf den Termin in der Klinik. Den ich selbst bin inzwischen so verzweifelt, ich ergreife wirklich jeden noch so mickrigen Strohhalm. Ich denke gerade nur an die Bücher über Spontanheilung, Mini-Schröpfgläsern ...... was in den letzten Wochen und Tagen alles in meinem virtuellen, teueren Einkaufswagen gelandet ist und hier inzwischen seinen Einsatz findet.

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